Busverbindung: Walchwil richtet sich nach Zug aus

Der Gemeinderat schlägt eine neue Buslinie vor und gibt den Kampf um die Anbindung an Arth auf.

Raphael Biermayr
Hören
Drucken
Teilen
Eine Verbindung zwischen Walchwil und Goldau wird es wohl nicht mehr lang geben.

Eine Verbindung zwischen Walchwil und Goldau wird es wohl nicht mehr lang geben.

Bild: Matthias Jurt (Walchwil, 12. Dezember 2019)

Der Walchwiler Gemeinderat setzt sich für eine künftige, stündliche Busverbindung von und nach Zug ein. Die Fahrzeuge sollen bei der Haltestelle St. Adrian wenden und anschliessend über den Bahnhof, die Vorderbergstrasse und das Hörndli auf die Zugerstrasse zurückkehren. Den entsprechenden Beschluss fällte der Gemeinderat an seiner Sitzung vom vergangenen Montag, sagt die zuständige Gemeinderätin Eveline Bräm (FDP). Die Fachleute der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) hätten grünes Licht gegeben, was die grundsätzliche Umsetzbarkeit dieser Idee anbelangt. Es werde gegenwärtig geprüft, ob es noch offene Fragen gibt. Über die Einführung neuer Busverbindungen entscheidet der Zuger Regierungsrat.

Hinter dieser ganz neuen Linienführung durch Walchwil steckt auch die Absicht, die um die Oberdorfstrasse entstehenden, neuen Überbauungen an den ÖV anzubinden. Damit würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn bislang war nach Fertigstellung der Überbauungen eine Ausweitung des Angebots des Ortsbusses im Gespräch, für den allein die Gemeinde aufkommen würde. Durch die Einführung einer ZVB-Buslinie durch den Kanton würden die Ausgaben für Walchwil geringer ausfallen, bestätigt Eveline Bräm.

Verlängerung nach Arth ergibt ein Zeitproblem

Das Engagement des Walchwiler Gemeinderats ist nötig, weil die Linie 5 mit dem Fahrplanwechsel im kommenden Dezember abgeschafft wird. Ab diesem Zeitpunkt sollen Personen, die nach Zug wollen, in Oberwil auf die Stadtbahn umsteigen. Dagegen regt sich in der Walchwiler Bevölkerung Widerstand (siehe Box). Dies vor allem wegen der Vorteile, die das dichte Bushaltestellennetz in der Stadt Zug mit sich bringt, zum Beispiel bei Arztbesuchen. Eine Busverbindung nach Walchwil ist überdies auch im Interesse der Stadt Zug. Das hat der zuständige Stadtrat Urs Raschle (CVP) gegenüber unserer Zeitung bestätigt.

Über 700 Unterschriften

Die SVP Walchwil hat bei der Zuger Staatskanzlei eine Petition eingereicht. In dieser verlangt sie die Beibehaltung der heutigen Buslinien zu den Bahnhöfen in Zug und in Goldau. In zehn Tagen seien 720 Unterschriften zusammengekommen. Die FDP monierte kürzlich in einem Leserbrief, dass die SVP aus diesem Thema politisches Kapital schlagen würde. Dies obwohl ihre Vertreter es verpasst hätten, in entsprechenden Kommissionen eine bessere Vorarbeit zu leisten.

Der Entscheid des Gemeinderats Walchwil, seine ÖV-Anbindung auf Zug zu konzentrieren, ist gleichbedeutend mit dem Verzicht auf eine Aufrechterhaltung der Busverbindung nach Arth und Goldau. Denn auch die heutige Buslinie 21 wird nur noch bis Mitte Dezember betrieben werden. «Wir haben eine Verlängerung der aktuellen Linie 5 von Zug bis zur Haltestelle Arth-Aazopf geprüft», sagt Eveline Bräm. «Die Fahrt hin und zurück dauert genau eine Stunde, weshalb der Fahrplan nicht immer garantiert werden könnte. Das kommt für die ZVB nicht in Frage.» Die bevorstehende Kappung der Verbindung mit dem näher als Zug gelegenen Arth sei für sie rational nachvollziehbar, emotional hingegen schwierig. «Ich bedaure das sehr», sagt Bräm, die erkennen musste: «In einer solchen Situation kann man es leider nicht allen recht machen.»

Auch auf Arther Seite ist die Aussicht auf eine künftige Verbindung mit Walchwil wohl aussichtslos. Denn der Kanton würde sich nicht an einer allfälligen Buslinie beteiligen. Das geht aus den Antworten auf eine Kleine Anfrage zweier Kantonsräte hervor, die kürzlich veröffentlicht wurden. Eine solche Buslinie wäre durch die direktinteressierten Gemeinden oder Dritte zu finanzieren. «Das neue Talkesselkonzept konzentriert sich deshalb auf den Hauptkorridor Arth-Oberarth-Goldau», heisst es weiter. Dadurch werden die Schwyzer besser an die grösseren Städte angebunden.

Die Betriebskosten für eine Extralinie von Walchwil nach Goldau würden gemäss der Schwyzer Regierung rund 550 000 Franken betragen. Dies unter der Voraussetzung einer täglichen Verbindung im Stundentakt. In einer Kleinen Anfrage im Sommer 2019 bezifferte die Regierung die Kosten noch auf 1,5 Millionen Franken. Die Erklärung für die massive Differenz: Damals ging es um die Verlängerung der vier stündlichen Kurse, die wie erwähnt im Talkesselkonzept von Schwyz nach Arth geführt werden, zum Bahnhof Walchwil.

Überdies stellt die Schwyzer Regierung die genügende Auslastung einer Buslinie nach Walchwil in Frage. Schon heute werde diese hauptsächlich von Reisenden nach Zug und Zürich benützt. Diese würden dank des verbesserten ÖV-Angebots nach dem Fahrplanwechsel von den schnelleren Verbindungen ab dem Bahnhof Goldau profitieren und könnten sich die Fahrt nach Walchwil sparen. Was die Bewohner der peripheren Arther Wohngebiete Tafelstatt und Rufibach anbelangt, seien die je 350 Meter langen Fusswege zu den Bushaltestellen Chäppeli (in Arth geplant) respektive St.Adrian (in Walchwil) zumutbar.