CARSHARING: Schon mehr als 2300 Zuger teilen sich das Auto mit anderen

Heute startet die Zuger Auto-Expo. Viele Modelle werden vorgestellt. Doch im kleinsten Kanton ist der Platz begrenzt für immer neue Autos. Einige denken um.

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Auch Elektroautos kann man in Zug mieten – diese sind allerdings noch nicht so gefragt. (Bild Werner Schelbert)

Auch Elektroautos kann man in Zug mieten – diese sind allerdings noch nicht so gefragt. (Bild Werner Schelbert)

Wolfgang Holz

Wer täglich mit dem Auto in Zug unterwegs ist, der kennt die immer längeren Pendlerstaus morgens und abends. Der weiss, wie um oberirdische Parkplätze gekämpft wird. Dabei werden es immer mehr Autos. Wäre es da nicht sinnvoller, sich ein Auto mit anderen zu teilen – um Platz und Kosten zu sparen?

Wie Patrick Eigenmann, Sprecher der Mobility Genossenschaft in Luzern, mitteilt, betreibt schon etwa jeder 28. Zuger Carsharing. «In der Stadt Zug kommt Mobility gut an: Knapp 1000 Personen sind nämlich mit unseren roten Autos unterwegs», sagt Eigenmann. Das sei zufriedenstellend für eine Stadt mit der Grösse von Zug. Über den ganzen Kanton gesehen machen 2300 Personen bei Mobility mit und können an 34 Standorten 66 Fahrzeuge nutzen (siehe Box). Nur im reichen Walchwil und im entlegenen Neuheim scheint «Mobility» ein Fremdwort zu sein.

Ein Auto ersetzt zehn Privatautos

«Die Zeiten, als das Auto das höchste Statussymbol war, sind vorbei – gerade unter Jugendlichen», erklärt der Mobility-Sprecher den wachsenden Trend, sich das Auto zu teilen. Jugendliche würden sich heute nicht mehr über das eigene Auto definieren, sondern wollten einfach, unkompliziert und preiswert mobil sein. «Die neuen Statussymbole sind Handys und Computer.»

Wenn jemand sich in Zug einen Mobility-Wagen ausleiht, dann entscheiden sich die meisten entweder für ein Budget- und Economy-Modell oder für einen Kombi. Kurios: Elektroautos sind auch unter der 2900 Fahrzeuge zählenden Flotte zu mieten, welche die Mobility Genossenschaft schweizweit bereitstellt. «Diese sind zurzeit aber noch unterdurchschnittlich ausgelastet», so Eigenmann. Grund: Eine der Hürden für die breitere Akzeptanz von Elektromobilität sei die eher geringe Reichweite sowie das dünne Netz an Ladestationen. Insgesamt liegen für Eigenmann die Vorteile für Nutzung von Mobility-Fahrzeugen klar auf der Hand. «Man kann durchschnittlich 4000 Franken pro Jahr sparen gegenüber einem Privatauto. Ausserdem schont Carsharing die Umwelt: Ein Fahrzeug ersetzt 10 Privatautos.»

«Mein Auto ist dein Auto»

Das klingt beachtlich. Dabei ist Mobility inzwischen nicht mehr das einzige Unternehmen in der Schweiz, das sich fürs Carsharing einsetzt. Bei Sharoo teilen sich neuerdings sogar Privatpersonen ihren Wagen. Auch in Zug wird das Sharoo-Angebot schon fleissig genutzt. «Die Sharoo-Internetplattform ermöglicht es Privatpersonen und Firmen, ihre Autos ausserhalb der eigenen Nutzungszeiten an Dritte zu vermieten – sicher und ohne Schlüsselübergabe», erklärt Carmen Spielmann, CEO von der Firma Sharoo – Mein Auto ist dein Auto. Während Vermieter mit Sharoo die Auslastung ihrer Autos optimieren und die Fixkosten senken würden, profitiere man als Automieter von kostengünstiger und ökologisch sinnvoller Mobilität auf Abruf. Spielmann: «Während der Mietdauer ist das Fahrzeug automatisch versichert.» Technische Grundlage sei die von Sharoo entwickelte Box, mittels derer das Auto über das Smartphone gesucht, gebucht, geöffnet und wieder geschlossen werden könne. «Grundsätzlich sprechen wir mit unserem Produkt alle Kunden an, die sich für neue Formen der Mobilität interessieren», sagt Spielmann. Die Praxis zeigt aber, dass die meisten Mieter zwischen 18 und 35 Jahre alt und noch in Ausbildung sind, die Vermieter dagegen zwischen 35 und 65 Jahre alt.

An der Zuger Auto-Expo, die heute ihre Pforten öffnet, und bei der die Autohäuser der Region rund 270 Modelle von über 40 Marken vorstellen, spielt das Thema Carsharing erwartungsgemäss keine Rolle. Noch. Vielmehr steht Lautmalerisches wie Tuning bei einer Sonderschau auf dem Programm. Doch Auto-Expo-Projektleiter Caryl Galliker steht Carsharing persönlich positiv gegenüber. «Es kann durchaus Sinn machen und entspricht einem Trend, Fahrzeuge zu teilen», so Galliker. Das gelte auch für das Teilen von Infrastruktur wie Parkplätzen, was ebenfalls weiter zunehmen werde, insbesondere im urbanen Raum. «Die digitale Entwicklung mit Apps wird hier neue Möglichkeiten schaffen, dass sich Anbieter und Nachfrager vernetzen können.»

Bewusster und ökologischer

Für den VCS in Zug hat das Car­sharing einfach auch viele praktische Vorteile. «Ich kann je nach Bedarf dasjenige Auto mieten, das mir nutzt.» Für längere Reisen umfahre man mit der Bahn die regelmässigen Staustrecken und könne dann am Zielort das gewünschte Fahrzeug mieten, sagt Markus Rast, Geschäftsführer VCS Sektion Zug. «Und unterm Strich plane ich bewusster meine Autofahrten und gehe für kurze Strecken mit dem Velo oder zu Fuss.» 

Mobility-Standorte

Zug: Aabachstrasse, Bahnhof, P+R Gubelstrasse, Chollermüli, Denkmalpflege, Ökihof, Herti: Allmend-/Guisan-Strasse/Spitex, Kistenfabrik, Loreto, Parkhaus Casino, Postplatz, Poststrasse, Artherstrasse und Klinik in Oberwil 
Baar: Bahnhof, Inwil, Lindenpark, Oberdorf, Victoria-Areal
Cham: Bahnhof, Alpenblick
Hünenberg: Gemeindeverwaltung, Hünenberg See Zythus
Menzingen: Zentrum Schützenmatt
Oberägeri: Alosenstrasse/Maienmatt
Unterägeri: Oberdorf
Steinhausen: Eichholz, Migros Zugerland, Schulareal Feldheim, Zentrum 
Rotkreuz: Roche, Suurstoffi