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CASINO ZUG: Die «alte Dame» erstrahlt in neuem Glanz

Seit dem Wochenende ist das Theater Casino Zug wieder geöffnet. Das alte Gebäude wurde rundum restauriert. Dabei besannen sich die Verantwortlichen auf die Ursprünge. Die grösste Neuerung ist der Empfangsbereich.
Livio Brandenberg
Die renovierten Räumlichkeiten werden genau unter die Lupe genommen. (Bild: Patrick Hürlimann (16. September 2017))

Die renovierten Räumlichkeiten werden genau unter die Lupe genommen. (Bild: Patrick Hürlimann (16. September 2017))

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Vor exakt 14 Monaten haben die Handwerker angefangen, das altehrwürdige Theater Casino aufzufrischen. Der Restaurationskredit von knapp 18,4 Millionen Franken war gesprochen, nun mussten die Verantwortlichen nur noch den Zeitplan und eben das Budget einhalten. Dies gelang. Am letzten Samstag um Punkt 11 Uhr übergab der Stadtzuger Bauvorsteher André Wicki der Casino-Geschäftsführung bei strahlendem Wetter den Schlüssel – zuerst symbolisch in Form eines grossen Brotschlüssels, danach in echt. Den Startschuss zur Er­öffnung gab ein Trompetentrio auf dem Balkon des alten Gebäudes, welches neu nicht mehr in Altrosa, sondern in den ursprünglichen Farben Weiss und Grau daherkommt.

Es sei ein emotionaler Moment, sagte Wicki in seiner Rede vor gut hundert Leuten. Er möge sich noch gut an die Zeit erinnern, als er als Bub am Mittwochnachmittag ins Casino gegangen sei, um das Kasperlitheater zu sehen. «Beim Kassehüsli erhielten wir noch die alten, schönen Billette aus Karton.» Er habe damals jeweils Herzklopfen gehabt, genauso wie jetzt, wenn er das Kassehüsli restauriert, in Blau, sehe. Doch die «alte Dame» sei halt ein wenig in die Jahre gekommen. Daher sei es Zeit für eine Verjüngungskur gewesen.

Farbe Schicht um Schicht abgetragen

Kaum waren die Türen geöffnet, verteilten sich die Besucher im Innern des Hauses. Viele zückten ihre Handys, um sogleich Fotos der neuen alten Wandbemalungen, Stuckaturen oder Lampen zu machen. Denn «neu» heisst im Casino «zurück zu den Anfängen». Das habe sich auch im Architekturwettbewerb rasch herausgestellt, so Wicki: Das alte Haus von 1908/1909 der Zuger Architekten Dagobert Keiser und Richard Bracher sollte möglichst wieder seinem Urzustand zugeführt werden. Viele Neuerungen sind eigentlich Rückbesinnungen auf die frühere Zeit. So wurde etwa die Farbe an den Wänden abgetragen, Schicht um Schicht, bis die spezialisierten Handwerker auf Originalfarben trafen. Anhand von historischen Bauschriften haben die Verantwortlichen versucht, Wandbemalungen und weitere Details wie Stuckaturen oder Fensterrahmen möglichst originalgetreu wiederherzustellen. Die Handwerker hätten «unglaubliche Arbeit geleistet», sagte Paul Knüsel, Leiter Hochbau der Stadt Zug und Bauleiter des Projekts. Wicki seinerseits sagte, es habe ihn «sehr gefreut, dass diese handwerkliche Kunst in der Schweiz noch existiert».

Die Restaurationsarbeiten im alten Casino-Bau waren in der Tat aufwendig: So wurde beispielsweise jedes einzelne Teil des Parkettbodens nummeriert, ausgebaut und an der exakt gleichen Stelle wieder eingebaut, wie Knüsel erklärt. Auch der grosse Kronleuchter im Festsaal wurde nicht vernachlässigt: Jeder der über 8000 Steine wurde einzeln und von Hand geputzt. Neu und alt ist auch, dass der grosse Festsaal wieder lichtdurchflutet ist. Die verbaute Front zum See wie auch auf der Bergseite wurde aufgerissen. Durch die grossen Türfenster ist der Blick auf den See nun wieder frei. «Das gibt dem Saal seine ursprüngliche Atmosphäre zurück», so Wicki.

Die auffälligste Neuerung ist allerdings keine Restauration, sondern das neue Foyer. Der ehemals eher enge Eingangsbereich sowie der Durchgang vom Ammann-Erweiterungsbau zum alten Gebäude fallen nun deutlich breiter aus. Auf der linken Seite des Empfangsbereichs verfügt das Casino nun ausserdem erstmals über einen zentralen Empfang für den Kartenverkauf und Auskünfte. Strukturell sei die Öffnung des Foyers «die grösste Veränderung», sagte Architekt Ralf Edelmann. Er wie auch Handwerker führten Interessierte durch das rundum erneuerte Haus und erklärten dabei die Ideen hinter der Umsetzung und Details zur Ausführung.

4,4 Millionen für neue Bühnentechnik

Im Gegensatz zum alten Bau wurde im Erweiterungsbau von 1981, dem so genannten «Ammann-Bau», wenig verändert. Am meisten investiert wurde in die neue Bühnentechnik des Theatersaals, die 4,4 Millionen Franken gekostet hat und laut Wicki nun auf dem «absolut neuesten Stand» ist. Zusätzlich wurde der Erweiterungsbau – wie auch das alte Gebäude – aus energetischen Gründen mit neuen Fenstern ausgestattet.

Die «grösste Herausforderung» beim Umbau sei gewesen, «den Spagat zu schaffen, gründlich zu restaurieren und zu erneuern und dabei alle Auflagen des Denkmalschutzes einzuhalten», so Wicki. Doch dies habe dank der engen Zusammenarbeit gut geklappt. «Wir haben fast täglich mit den Denkmalschutzbehörden telefoniert oder uns vor Ort getroffen. Nur so ist es auch möglich, einen solch straffen Zeitplan einzuhalten», sagte Wicki. Und so konnte der Bauvorsteher am Samstag im Minutentakt Glückwünsche entgegennehmen.

Der grossen Mehrheit der immer zahlreicher werdenden Besucher schien die «alte Dame» im neuen alten Kleid zu gefallen. Vereinzelt gab es aber auch kritische Stimmen. So fragte sich ein Besucher, warum man die Fassade des alten Casino-Gebäudes so hell gestrichen habe. Denn dadurch «entkopple» man das Haus vom moderneren Ammann-Bau. Bei der Erstellung des Anbaus Ende der 1970er-Jahre habe man ja extra darauf geachtet, die Farbe dem alten Gebäude anzupassen, und darum den Beton rosa eingefärbt.

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