CEO der Zug Estates steht vor dem Rücktritt: «Wir sind auf der Zielgeraden»

Die Immobilienunternehmung Zug Estates hat ein Portfolio ohne CO2-Emissionen zum Ziel. CEO Tobias Achermann, der im kommenden April zurücktritt, äussert sich dazu – und blickt auf Meilensteine zurück.

Interview: Rahel Hug
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Tobias Achermann in der Suurstoffi. Im Hintergrund ist das Gartenhochhaus Aglaya zu sehen.

Tobias Achermann in der Suurstoffi. Im Hintergrund ist das Gartenhochhaus Aglaya zu sehen.

Bild: Stefan Kaiser (Rotkreuz, 16. Dezember 2019)

Das Suurstoffi-Quartier in Rotkreuz ist inzwischen weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt. 1500 Menschen wohnen hier, rund 2000 Studenten frequentieren das Areal und 2500 Arbeitsplätze stehen zur Verfügung. Entwickelt wurde es von der Zug Estates AG, die gemeinsam mit der Hotelbusiness Zug AG zur Zug Estates Holding AG gehört. Zug Estates ist die Abspaltung des Immobilienbereichs der Metall-Zug-Gruppe. Das Unternehmen ging 2012 an die Börse. Neben der Suurstoffi gehört das Gebiet Metalli in Zug der Immobilienunternehmung. Auch hier ist eine Entwicklung geplant. Der Gesamtwert des Portfolios der Firma betrug per 30. Juni 2019 1,61 Milliarden Franken, das Konzernergebnis beträgt 26,1 Millionen Franken.

Seit dem 1. Juli 2014 ist Tobias Achermann CEO der Zug Estates Holding AG. Im Sommer kommunizierte er seinen Rücktritt auf die nächste Generalversammlung im April 2020.

Im Herbst wurde auf dem Suurstoffi-Areal der neue Informatik-Campus der Hochschule Luzern eröffnet, die Arealentwicklung steht kurz vor dem Abschluss. Weshalb verlassen Sie das Unternehmen gerade jetzt?

Tobias Achermann: Weil es der richtige Zeitpunkt ist. Viele Projekte konnten abgeschlossen werden. Die Suurstoffi ist nun zu über 90 Prozent fertig entwickelt. Für die letzte Etappe rechnen wir demnächst mit der Baubewilligung. Weitere Projekte wie die Entwicklung des Lebensraums Metalli in Zug sind gut aufgegleist. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, vor 50 noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen. Zudem möchte ich einige private Projekte umsetzen.

Werfen wir einen Blick zurück. 2014 haben Sie als CEO übernommen. Wie haben Sie das Unternehmen angetroffen?

Schon damals habe ich eine hohe Entwicklungsdynamik festgestellt und eine Bereitschaft, Akzente zu schaffen im Bereich der nachhaltigen und innovativen Arealentwicklung. Ich habe ein Unternehmen mit einer klaren Vision und Strategie übernommen. Und ein Team, das bereit ist, eine Extrameile zu gehen.

Stichwort Vision: Das Ziel von Zug Estates ist es, die erste börsenkotierte Immobiliengesellschaft mit einem Portfolio ohne CO2-Emissionen zu werden. Wo steht man heute?

Wir befinden uns auf der Zielgeraden. Das Energiesystem in der Suurstoffi wird mit der Realisierung der letzten Etappe und dem Bau des dritten Erdsondenfeldes fertiggestellt. Zudem erfolgt die Wärme- und Kälteversorgung im Zentrumsareal zukünftig über den Seewasserverbund Circulago. Hierzu haben wir letzte Woche die entsprechenden Verträge mit der WWZ abgeschlossen. Wir sind also – und darauf bin ich besonders stolz – auf dem besten Weg, unser hochgestecktes Ziel zu erreichen.

Zug Estates nimmt zudem im Bereich Digitalisierung eine Vorreiterrolle ein, etwa beim Thema BIM (Building Information Modeling) oder mit der Suurstoffi-App, über die sich die Mieter austauschen können.

Relativ früh haben wir im Zusammenhang mit unseren Holzbauten auf BIM, also eine komplett digitale Bauplanung, gesetzt. Und wir konnten das System weiterentwickeln, indem wir Arbeits- und Logistikabläufe mit der BIM-Datenbank verknüpften. So beschleunigten und vereinfachten wir die Prozesse, um bei den engen Platzverhältnissen in der Suurstoffi und den zum Teil sportlichen Zeitplänen schnell und doch mit einer hohen Qualität voranzukommen. Beim Gartenhochhausprojekt Aglaya kam zudem erstmals ein digitaler Wohnungskonfigurator zum Einsatz. Mit der Suurstoffi-App bieten wir den Wohnungs- und Gewerbemietern die Möglichkeit, eine Community zu bilden. Die App zählt über 600 registrierte User und wird rege genutzt.

Welches sind die grössten Meilensteine in Ihrer Zeit als CEO?

Da beginne ich 2014, als es uns geglückt ist, die Hochschule Luzern für den Standort Rotkreuz zu gewinnen. Wichtig war auch der Zuzug der Biotech-Firma Amgen 2018, die uns veranlasst hat, mit Holz und BIM zu bauen, weil der Zeitplan sehr knapp war. Ein besonderes Projekt ist für mich das Gartenhochhaus Aglaya, das mittlerweile durch seine vertikale Begrünung nationale Berühmtheit erlangt hat. Und natürlich der Hochschulcampus, bei dem wir die sehr sportlich berechnete Bauzeit einhalten konnten. Auch im Zentrum von Zug konnte ein wichtiger Meilenstein erreicht werden, indem wir dieses Jahr mit der Stadt Zug eine Planungsvereinbarung unterzeichnen und mit dem sogenannten Qualitätssichernden Konkurrenzverfahren starten konnten.

Wie sind Sie mit der Auslastung und dem Gewerbemix in der Suurstoffi zufrieden?

Die Mietwohnungen sind alle vergeben, es gibt Wartelisten. Bei der Selektion achten wir darauf, dass wir Mieter berücksichtigen, die in der Suurstoffi oder in Rotkreuz arbeiten und somit nicht auf ein Auto angewiesen sind. Auch im Gewerbebereich sind wir zufrieden, die Nachfrage ist konstant hoch. Erfreulich ist, dass sich immer wieder national und international bekannte Firmen zum Standort bekennen. Wir spüren, dass viele Unternehmen die Nähe zur Hochschule suchen. Generell ist eine Cluster-Bildung von Pharma-, Biotech- und Medtech-Firmen feststellbar.

Im Quartier fehlt eigentlich nur noch ein Grossverteiler wie Migros oder Coop.

Wir versuchen seit Jahren, einen Mieter im Retailbereich für Lebensmittel zu finden. Es laufen Gespräche. Die beiden grossen Player sind aber etwas zurückhaltend, da sie ja schon auf der anderen Seite des Bahnhofs präsent sind. Aber es gibt ja noch andere Anbieter. Ziel ist es, zeitnah einen entsprechenden Vertrag abzuschliessen.

Das Suurstoffi-Areal wird voraussichtlich 2022 fertig bebaut sein. Wie sieht der Zeitplan bei der Entwicklung im Metalli aus?

Das Wunschszenario ist ein Baustart im Jahr 2024. Doch die politische Diskussion steht uns erst noch bevor. Es ist eine Änderung des Bebauungsplans notwendig. Wir versuchen, alle möglichen Stakeholder bereits früh zu involvieren und umfassend zu informieren.

Wie geht es danach weiter? Wird Zug Estates weitere Areale entwickeln?

Ja, es ist ein strategisches Ziel, ein weiteres, drittes Areal zu akquirieren, das nach Abschluss des Projektes Metalli entwickelt werden kann. Dafür stellen wir uns personell stärker auf: Wir suchen aktuell einen Akquisiteur, der sich konkret dieser Aufgabe annimmt.

Ist eine Expansion über die Kantonsgrenzen hinaus denkbar?

Ja, das ist durchaus möglich. Das Areal kann in der Agglomeration der grossen Zentren Zürich, Basel, Bern oder Luzern liegen.

Wie wird es für Sie beruflich weitergehen?

Ich werde ganz sicher in der Branche bleiben. Das Know-how in Sachen nachhaltiger und innovativer Arealentwicklung, das ich während meiner Zeit bei Zug Estates weiter ausbauen konnte, möchte ich auch zukünftig zur Anwendung bringen und weiterentwickeln. In welcher Form und in welcher Funktion, das ist noch offen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie Ende April die Führung der Zug Estates abgeben?

Ich werde mich Mitte Mai auf eine 30-tägige Wander- und Bergtour quer durch die Schweiz und Norditalien begeben. Dann möchte ich eine Bildungsreise machen, bei welcher ich gezielt Städte besuche, die in Sachen Innenverdichtung und Nachhaltigkeit Akzente setzen. Das Modellhafte dieser Smart Cities gilt es zu erkennen und zu konservieren. Auf diese privilegierte Phase der Rekreation soll dann aber ab Herbst 2020 wieder strukturierte Zeit folgen.

Tobias Achermann ist 48 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Der ausgebildete Immobilien-Ökonom wohnt in Bellikon im Kanton Aargau.

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Andreas Faessler