CHAM: 8,5 Millionen Franken für zwei Bäche in Cham

In den kommenden Jahren renaturiert die Zuger Baudirektion den Tobel- und den Dürrbach in Cham. Für das Projekt steht ein Kantonskredit von 8,5 Millionen Franken zur Verfügung.

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Spatenstich zur Renaturierung des Tobelbachs in Cham. Von links.: Projektleiter Dominik Rossi, Baudirektor Heinz Tännler und Chams Gemeindepräsident Bruno Werder. (Bild: pd)

Spatenstich zur Renaturierung des Tobelbachs in Cham. Von links.: Projektleiter Dominik Rossi, Baudirektor Heinz Tännler und Chams Gemeindepräsident Bruno Werder. (Bild: pd)

Mit dem symbolischen Spatenstich hat das Tiefbauamt die Arbeiten für die Renaturierung der beiden Bäche am Montag in Angriff genommen. Laut Baudirektor Heinz Tännler dienen diese Massnahmen nicht nur der Landwirtschaft und der ökologischen Aufwertung, sondern auch der Naherholung und damit der breiten Bevölkerung.

«Betonschale durch natürliches Bachbett ersetzen»

Das Renaturierungsvorhaben umfasst laut Zuger Baudirektion verschiedene Massnahmen. «Der Oberlauf des Tobelbachs zwischen der Autobahn A4 und dem Chamer Ortsteil Rumentikon ist heute durchgehend kanalisiert und das Gerinne auf der zwei Kilometer langen Strecke mit einer Betonschale befestigt. Wir werden diese Elemente entfernen und durch ein natürliches Bachbett mit artenreichen Böschungen ersetzen», so Projektleiter Dominik Rossi. Im obersten Abschnitt nahe der Autobahn werde der Bach grosszügig geweitet, um so den Bibersee entstehen zu lassen. Dieser verlor in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach und nach seine Gestalt. «Der neue Bibersee wird rund 5'000 Quadratmeter gross und maximal 2,5 Meter tief sein. Für die Erholungssuchenden bauen wir einen Holzsteg, der den Zugang zu den flachen und naturnah ausgebildeten Ufern ermöglicht. Die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen werden in Absprache mit den Betroffenen in Ried- und Magerwiesen überführt», führt Rossi weiter aus.

Im untersten Abschnitt sei laut Dominik Rossi geplant, den eingedolten Teil des zufliessenden Dürrbachs zu öffnen, um die ökologische Vernetzung in diesem Gebiet zu stärken. Zudem ist vorgesehen, in diesem siedlungsnahen Abschnitt des Tobelbaches ein Naherholungsgebiet zu schaffen. So soll in Richtung Rumentikon der Bachzugang erleichtert und der linksufrige Weg bis zum Schiessstand Niederwil verlängert werden.

Bund zahlt 3,7 Millionen Franken

Für das Renaturierungsprojekt steht laut Heinz Tännler ein Kantonskredit von 8,5 Millionen Franken zur Verfügung. Davon gehen 3,7 Millionen Franken zu Lasten des Bundes, der Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekte von Gesetzes wegen unterstützt. Das Vorhaben soll in zwei Etappen ausgeführt werden: «Die erste Etappe umfasst den oberen Projektabschnitt im Bereich des Bibersees bis zum Durchlass bei der Knonauerstrasse in Oberwil. Dazu kommt der unterste siedlungsnahe Abschnitt, der schwerpunktmässig auf die Erholungsnutzung ausgerichtet ist. Den dazwischenliegenden, längsten Teil des Tobelbaches werden wir erst in etwa fünf bis sieben Jahren revitalisieren. Auf diese Weise können wir die Erfahrungen hinsichtlich Baugrund und Bewirtschaftung in die zweite Etappe einfliessen lassen», so Tännler.

Öde Uferpartien und eingedolte Bäche

Bis in die 1970er Jahre war es gängige Praxis, den natürlichen Verlauf von Bächen und Flüssen zu korrigieren. Damit wollte erreicht werden, der raumgreifenden Besiedlung den nötigen Boden zu verschaffen und Landwirtschaftsgebiete zu verbessern. Das Ergebnis waren begradigte und hart verbaute Gerinne, öde Uferpartien und eingedolte Bäche.

Die negativen Erfahrungen dieser Methode hätten letztlich zu einem Umdenken geführt, so der Baudirektor: «Mittlerweile ist man von dieser funktionalistischen Gewässerpolitik abgekommen. Denn sie hat vielerorts zu einer Ausräumung der Landschaft und damit zur Verarmung von wertvollen Lebensräumen geführt.»

pd/chg