Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

CHAM: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Bürgergemeinde und Einwohnergemeinde sprechen Geld für ein Onlinenachschlagewerk. Ein Mann sieht sich dabei als Archäologe der jüngeren Geschichte.
Im Juni 1981 brennt es auf dem Areal des heutigen Neudorf: die Übung einer Luftschutzkompanie. (Bild: Hildegard Küng)

Im Juni 1981 brennt es auf dem Areal des heutigen Neudorf: die Übung einer Luftschutzkompanie. (Bild: Hildegard Küng)

Die Augen wandern nach links oben. Aus dem Mund schnellt ein «Stimmt!». Wer kennt die Situation nicht? Häufig liegt ihr eine aktivierte Erinnerung zugrunde. Beispielsweise, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird, was an einem gewissen Ort gestanden hatte, bevor die Überbauung hochgezogen wurde. Mit diesem innigen Heimatgefühl spielt die Bürgergemeinde Cham mit ihrem Projekt «Chamapedia» (siehe Box). Es braucht keine grosse Fantasie, um die Anlehnung an die Wikipedia zu erkennen, das Standardnachschlagewerk im Internet, an dem sich jeder beteiligen kann. Die Bürgergemeindeversammlung sprach dafür einstimmig eine Anschubfinanzierung von 20 000 Franken.

Eine Restaurantidee

Denselben Betrag lobt auch die Einwohnergemeinde zur Unterstützung aus. Und sie erklärt sich bereit, ihr Archiv unter dem Mandelhof für neue Devotionalien zu öffnen und zu bewirtschaften. Das führt Thomas Gretener aus. Der Schreiber der Bürgergemeinde Cham ist der Initiant der Chamapedia. Die Idee dafür entstand an einem Abend mit Freunden im Restaurant. Als Gretener in seinen Kindheitserinnerungen kramte und darlegte, dass es im Dorf einst vier Metzgereien mit eigenem kleinen Schlachthof gab, erntete er fragende Blicke. Er merkte, dass derlei Fakten zwar auf Interesse stiessen, aber bei den meisten aus dem Gedächtnis gelöscht sind oder sehr weit hinten liegen im Oberstübchen. Im Gegensatz zu vielen Restaurantideen wurde diese weiterentwickelt. Er recher­chierte und stiess auf die Seite «wetzipedia.ch» der Zürcher Gemeinde Wetzikon. «Als ich mich auf der Homepage bewegte, fing ich endgültig Feuer», drückt es Gretener aus.

Das Projekt ist Teil der ausgeprägten Erinnerungskultur in Cham. Sie kommt bereits in alten Aufnahmen von Strassenzügen, den (kantonalen) Tafeln des Industrielehrpfads und nicht zuletzt durch die lebenden Lexika wie dem ehemaligen Drucker Richi Heller oder dem Dorfführer Bruno Birrer zum Ausdruck. Die gelebte Heimeligkeit – steht sie nicht auch gegen die Öffnung für das Neue? Thomas Gretener kennt die Frage, er hat sie sich selbst gestellt und in einer Gruppe von Projektinteressierten diskutiert. «Wir wollen eine Identität und einen näheren Bezug zum Ort schaffen», sagt er. Er selbst spricht von «einem Gefühl», das er mit der Gemeinde verbindet, in der er aufgewachsen ist und fast alle seiner 58 Lebensjahre verbracht hat.

Enkel und Grosseltern vereint

Gretener will durch die Chamapedia eine Generationenverbindung herstellen: «Die Enkel zeigen den Grosseltern, wie man sich im Internet zurechtfindet. Im Gegenzug erzählen die ihnen Geschichten vom alten Cham.» Ob sich die Chamapedia selbst ins breite Gedächtnis einbrennen wird, hängt vom Start ab. Gretener will sie während der ersten drei Jahre vorwärtsbringen. Das bedingt vor allem regelmässige und fundierte Artikel sowie Material dafür. Das Grundangebot soll 400 Einträge und 20 Interviews umfassen. Der Initiant baut gegenwärtig eine Interessensgruppe auf und sucht nach freien Autoren, denen er eine Entschädigung für Beiträge in Aussicht stellt. Was das Material anbelangt, sieht sich der sendungsbewusste Nostalgiker in der Rolle eines Archäologen: Man müsse retten, was zu retten ist – vor Planierraupen, aber auch vor Estrichräumungen und dem Verschwinden auf dem Werkhof. «Die Tatsachen von heute sind die Geschichten von morgen», weiss Gretener.

HINWEIS

Wer Fotos oder sonstige Erinnerungsstücke an das frühere Cham hat, soll sich mit der Gemeindearchivarin Franziska Sidler in Verbindung setzen: 079 102 70 78.

bier

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.