CHAM: Aufgiessen und geniessen in Chamer Teehaus

Tee oder Kaffee? Bei Maya Bachmann stellt sich die Frage nicht – in ihrem neuen Restaurant steht das aromatische Kraut im Mittelpunkt.

Luc Müller
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«Teetrinken ist eine Zeremonie», sagt Maya Bachmann. (Bild Stefan Kaiser)

«Teetrinken ist eine Zeremonie», sagt Maya Bachmann. (Bild Stefan Kaiser)

«Ich will die Gäste in einen kleinen Urlaub schicken», erklärt Maya Bachmann. «Tee trinken ist wie ein Besuch in einer Wellnessoase», doppelt die 52-Jährige nach. Sie führt durch den ehemaligen Chamer Polizeiposten, der im alten Gemeindehaus – neben der heutigen Verwaltung – beheimatet war. Seit einem Monat lädt hier nun das Teehaus Umami zum Verweilen ein. Im Innern dominieren helles Echtholzparkett und Möbel im Stil von Louis XV., der um 1700 regierte. In den zwei lichtdurchfluteten Räumen, einer Lounge und einem Saal, finden bis zu 25 Gäste Platz. Vor und hinter dem Haus gibt es ausserdem je eine Terrasse.

«Früher war Tee ein Luxusgut und der feudalen Schicht vorbehalten», informiert Maya Bachmann. An das Gediegene und das Elegante des Tees soll die Inneneinrichtung erinnern. Als Kontrast dazu steht im Raum ein Regal aus originalen hölzernen Teekisten. «So wurde früher Tee angeliefert», erklärt Bachmann.

Alternative zu Kaffee

Über 80 Teesorten hat Maya Bachmann im Sortiment – alle kann man bei ihr für den Genuss zu Hause kaufen. Auf der Karte stehen vor allem Spezialitäten aus Indien – dem Hauptanbaugebiet für Tee –, Südafrika, China und Japan. Zu bestellen gibt es beispielsweise einen Tan Yang Superior. Der Preis: 15.50 Franken. Ein Luxustee der Extraklasse? «Wir servieren diesen Tee mit den Teeblättern in einem kleinen Terrakottakännchen. Der Gast kann sich den mehrere Male aufgiessen lassen.» Wer heute Tee nippt, nimmt sich Zeit – das Trinken ist eine Zeremonie, und dem Tee werden viele Heilwirkungen nachgesagt. «Seit ein paar Jahren ist Tee im Trend. Sich gesund zu ernähren und Wellness sind in – genau in dieses Umfeld passt Tee», so Maya Bachmann. Zudem hätten viele ihrer Gäste einmal Lust, etwas anderes als Kaffee zu konsumieren. «Es gibt den doppelten Matcha Latte. Der macht genauso wach, wie eine Tasse Kaffee.»

Friesen rühren nie

Maya Bachmann, die aus Meggen stammt und seit 23 Jahren in Baar lebt, ist ausgebildete Tee-Sommelière. In der Schweiz hat nur knapp ein Dutzend eine solche Ausbildung. Gemacht hat sie diese in Deutschland. «Teil der umfangreichen Ausbildung war, verschiedene Teesorten bei der Verköstigung zu unterscheiden. Aber auch die richtige Zubereitung von Tees ist äussert wichtig.» Sie interessiere sich vor allem für die verschiedenen Teezeremonien, die weltweit existieren. Die Engländer lassen das Teekraut die ganze Zeit im heissen Wasser ziehen – Zucker und Milch nehmen dabei die Bitterkeit. In Friesland, wo im weltweiten Vergleich am meisten Tee getrunken wird, wird das Getränk mit Rahm und Zucker genossen – rühren ist aber strikte untersagt. Maya Bachmann serviert die wertvollen Tees hingegen ohne Zucker: «So bleibt der Geschmack unverfälscht.» Aber dafür kann man sich zum Heissgetränk Gebäck servieren lassen – am Mittwoch ist das Teehaus über Mittag geöffnet, und es gibt Sushi.

Und was hält sie von Teebeuteln? «Das ist Instantkultur und geht für mein Haus gar nicht», so Bachmann. In den Beuteln befindet sich ein Pulver. «Das ist die billigste Fraktion aus der Teegewinnung oder es stammt aus industrieller Produktion. Man sollte allerdings keine übertriebenen Erwartungen an den Geschmack mitbringen. Wer damit zufrieden ist, hat noch keinen wirklichen Tee probiert, der mit ganzen Blättern aufgegossen worden ist.»

Öffnungszeiten: www.teehaus-umami.ch