CHAM: Bald wird im Hammer wieder Strom produziert

Das Kraftwerk Hammer liegt seit über fünf Jahren still. Doch einfach nur eine neue Turbine einbauen, um es in Gang zu bringen, reicht nicht aus.

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Das Kleinwasserkraftwerk Hammer in Cham wird bald saniert. Zwischen dem Mühlehaus (links) und dem Magazin befindet sich die Turbine. (Bild Maria Schmid)

Das Kleinwasserkraftwerk Hammer in Cham wird bald saniert. Zwischen dem Mühlehaus (links) und dem Magazin befindet sich die Turbine. (Bild Maria Schmid)

Andrea Muff

Das herrschaftliche Anwesen Hammer in Cham direkt an der Lorze hat nicht nur ein luxuriöses Hauptgebäude, einen Pferdestall mit Wohnungen und ein Gästehaus, sondern auch ein Flusskraftwerk. Der Gutsherr Ariel Lüdi, der im Herbst 2013 in das Anwesen zog, will das stillgelegte Kleinwasserkraftwerk nun wieder in Betrieb nehmen. Deshalb soll es saniert werden. Gleichzeitig überarbeitet die Gemeinde die Ufermauer entlang der Lorze. Das Baugesuch liegt noch bis zum 27. Januar beim Amt für Raumplanung und bei der Einwohnergemeinde Cham auf.

Dynamomaschine sorgt für Licht

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass im Hammer ein Kleinkraftwerk steht? Die Geschichte der ehemaligen Hammerschmiede geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die der hauseigenen Stromerzeugung beginnt aber erst im 19. Jahrhundert. Die Vogels, Zürcher Kaufleute und Roheisenhändler, erwarben die Hammerschmiede 1825 und bauten das gesamte Anwesen zum Herrensitz aus. Die Hämmer der Schmiede wurden durch ein Wasserrad angetrieben. 1894 schloss Carl Vogel eine Dynamomaschine an das Wasserrad und produzierte damit Strom. Dieser sorgte für elektrisches Licht in der Villa und in der nahen Papierfabrik. Bereits neun Jahre später wurde die neuzeitliche Francis-Turbine eingebaut. Diese erzeugte Energie, versorgte die Fabrik und deckte gänzlich den Eigenbedarf der Bewohner im Hammer ab. Beim Umbau 1956 wurde dann nochmals aufgerüstet und eine Kaplan-Turbine eingebaut.

Als Andrea von Planta 1984 das Anwesen kaufte, war diese Turbine immer noch im Einsatz. Jedoch deckte das kleine Kraftwerk nur noch einen kleinen Teil des Strombedarfs der Papierfabrik ab. Im August 2010 kam es zu einem Maschinenschaden, und der Betrieb wurde eingestellt.

Fische können wieder passieren

Nun wird eine neue Turbine mit Generator eingebaut: «Die neue Turbine ist etwas kleiner als die alte, hat jedoch eine höhere Effizienz. Die Energieproduktion steigert sich um zirka 50 Prozent», erklärt Roland Schmid, Geschäftsführer der Eco Power Systems AG, die für das Bauprojekt verantwortlich ist. Auch die vorhandenen Wehranlagen werden wieder in Stand gesetzt. «Die Fischgängigkeit wird zudem wiederhergestellt, das heisst, wir erstellen eine Treppe für aufsteigende Fische und einen separaten Abstieg», fügt Schmid hinzu. «Damit wird die Lorze beim Kraftwerk Hammer für alle Fischarten in beide Richtungen wieder durchgängig.» Diese Massnahme kostet 1,8 Millionen Franken, wird aber später von Swissgrid, der Übertragungsnetzbetreiberin, rückvergütet. Die Sanierung des Kraftwerkes von 1,5 Millionen Franken fällt zu Lasten des Bauherrn Ariel Lüdi. Das Kraftwerk kann jährlich rund 1,1 Millionen Kilowattstunden Energie erzeugen. Da die Liegenschaft aber nur einen kleinen Anteil verbraucht, wird der Rest in das lokale Netz der Wasserwerke Zug (WWZ) eingespeist. Wenn alles nach Plan läuft, wird das Kleinkraftwerk im Spätherbst in Betrieb genommen.