Cham
Das erste Kinderparlament im Kanton Zug wurde geschaffen

Ab dem Jahr 2022 werden Kinder die Zukunft der Gemeinde mitgestalten. Die Jugend- und Gemeinwesenarbeit hat mit Schülern sowie verschiedenen Fachleuten ein Konzept dafür erarbeitet.

Tijana Nikolic
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Im Chamer Kinderparlament können sich die Schüler für die Anliegen ihres Jahrgangs beim Gemeinderat starkmachen.

Im Chamer Kinderparlament können sich die Schüler für die Anliegen ihres Jahrgangs beim Gemeinderat starkmachen.

Bild: PD

In Cham wird im nächsten Jahr ein Kinderparlament eingeführt, welches die Zukunft der Gemeinde aktiv mitgestalten wird. Die Idee dafür ist bei zwei Zukunftswerkstätten im Rahmen der Ortsplanungsrevision entstanden, heisst es in einer Medienmitteilung der Gemeinde Cham. Insgesamt 70 Schülerinnen und Schüler der ersten bis sechsten Klasse aus den Schulhäusern Hagendorn sowie Städtli 1 und 2 wirkten daran mit. Dabei hat sich gezeigt, dass direkte Beteiligung einem echten Bedürfnis entspreche. Diesem will die Gemeinde mit einem Kinderparlament künftig Rechnung tragen.

«Cham ist die erste Gemeinde im Kanton Zug, die ein Kinderparlament einführt», sagt Céline Müller, Projektleiterin, soziokulturelle Animatorin und Fachperson der Chamer Abteilung Jugend- und Gemeinwesenarbeit. Die Gemeinde habe sich insbesondere in den vergangenen Jahren stark entwickelt, führt Christine Blättler-Müller, Chamer Gemeinderätin und Vorsteherin Soziales und Gesundheit, fort. Konnten früher Kinderanliegen einfacher einbezogen werden, wachse mit der Grösse auch die Diversität der Ansprüche. «Durch die Einführung und Etablierung der Gemeinwesenarbeit in Cham können einerseits ganz neue Möglichkeiten ausgeschöpft werden und andererseits die geschaffenen Strukturen eine optimale Betreuung gewährleisten», fügt Blättler-Müller an. Dass die Zeit für ein Kinderparlament reif sei, habe die Partizipation der Kinder bei der Ortsplanung verdeutlicht.

Rahmenbedingungen für gerechte Chancen aller Kinder fördern

Die Jugend- und Gemeinwesenarbeit hat mit Kindern sowie verschiedenen Fachleuten ein Konzept für das Kinderparlament erarbeitet. Es stellt das Mitspracherecht von Kindern ins Zentrum, weiss Céline Müller. Dies im Sinne der UNO-Kinderrechtskonvention und der vom Gemeinderat formulierten Legislaturziele. In diesen ist festgelegt, dass die Gemeinde gute Rahmenbedingungen für gerechte Chancen aller Kinder fördert und dabei insbesondere Kinder in ihrem Recht unterstützt, sich zu beteiligen. Dafür sei ein Kinderparlament aus soziokultureller Sicht ein gutes Gefäss, findet Müller.

Bei den Kindern, die am Konzept mitgearbeitet haben, handle es sich um eine Fünftklässlerin, einen Viertklässler und einen Schüler aus der dritten Oberstufe. «Wir haben diese Kinder angefragt, da sie entweder die Angebote der Jugend- und Gemeinwesenarbeit besuchen oder besucht haben sowie politisch interessiert sind, was sich beispielsweise durch deren Teilnahme am Jugendpolittag zeigt», erläutert Müller.

«Ziel ist die Förderung der Partizipation von Kindern auf Gemeindeebene, politische Bildung und Empowerment. Das Konzept hält fest, wie die Kinder angesprochen und nach welchen Beitrittskriterien ausgewählt werden. Ebenso die vorgesehene Organisation, Arbeitsweise und die methodischen Grundlagen», erklärt Müller weiter. Die Tätigkeitsbereiche des Kinderparlaments werden projektbezogen festgelegt. Dabei wird den Mitwirkenden ein grösstmöglicher und kindergerechter Gestaltungsspielraum für ihre Ideen, Anliegen und die daraus entstehenden Lösungen gewährt.

Staatskunde lebendig vermitteln

Die Themen des Kinderparlaments werden nicht vorgegeben, sondern es wird berücksichtigt, welche Anliegen die Kinder haben. «Die einzige Bedingung ist, dass die Anliegen Cham betreffen und nicht die Schule anbelangen. Denn dafür haben die Schulen bereits eigene Mitwirkungsgefässe», so Müller weiter.

Damit das Kinderparlament auf kommunalpolitischer Ebene Mitgestaltungsmöglichkeiten hat, sind die Aufgaben und Kompetenzen der Kinder klar festgehalten. Somit hat das Kinderparlament das Recht, dem Gemeinderat sowohl Anliegen als auch Anträge einzureichen:

«Formell laufen diese Geschäfte über die Abteilung Soziales und Gesundheit. Das Kinderparlament kann bei Bedarf diese im Gemeinderat in geeigneter Form selber vertreten.»

Gemeindeintern hat das Kinderparlament Recht auf kindergerechte Auskunft über Sachverhalte und Vorgehensmöglichkeiten, die für die Arbeit darin relevant sind, hält Müller fest. Weiter informiert das Parlament den Gemeinderat regelmässig über seine Tätigkeiten und vernetzt sich in der Gemeinde und wo nötig regional oder auch überregional.

Gemeinderätin Blättler-Müller sieht darin auch die Chance, Staatskunde lebendig zu vermitteln:

«Wenn Kinder früh die Erfahrung machen, dass sich mit Engagement eigene Ideen umsetzen lassen, werden sie viel eher auch als erwachsene Bürgerinnen und Bürger aktiv mitwirken. Unsere basisdemokratischen Strukturen sind darauf angewiesen.»

Diversität ist für die Wahl ins Kinderparlament wichtig

Die Jugend- und Gemeinwesenarbeit wird vor den Weihnachtsferien alle dritten bis sechsten Primarklassen über das Kinderparlament informieren. Müller: «Wir erklären den Kindern, was ein Kinderparlament ist, wie es funktioniert und wie sie daran teilnehmen können.» Ebenfalls wird den Kindern eine Infobroschüre mit einem Anmeldeformular ausgehändigt. Darin werden sie aufgefordert, bei Interesse ihre Kontaktdaten, das Alter, die Schulklasse sowie ihre Hobbys anzugeben. Die Kinder sollen zudem mitteilen, warum sie gerne im Kinderparlament mitwirken möchten. «Die Form der Mitteilung ist frei. Sie können einen Brief oder ein Gedicht verfassen, eine Zeichnung malen, ein kurzes Video drehen, eine Sprachnachricht aufnehmen oder es uns persönlich erzählen», zählt Müller auf.

Pro Jahrgang sind vier bis sechs Kinder im Parlament zugelassen. Gibt es mehr Bewerbungen als Kinder teilnehmen können, trifft die Jugend- und Gemeinwesenarbeit eine Auswahl. Dabei gilt es, die Diversität von Cham möglichst gut abzubilden, um eine gewisse Repräsentativität zu erreichen, ergänzt Müller: «In dem Fall werden unter anderem Kriterien wie Geschlecht, Wohnquartier, Schulhaus oder Hobbys wie Sport, Musik, Pfadi oder Jubla berücksichtigt.»

Ältestes Kinderparlament in der Stadt Luzern

Vorbilder für Kinderparlamente gibt es an verschiedenen Orten in der Schweiz. Das älteste besteht seit 28 Jahren in der Stadt Luzern. Dabei treffen sich die Schüler mehrmals im Jahr zu ihren Sitzungen. In diesen werden Themen diskutiert, welche die Kinder betreffen und interessieren, steht ergänzend in der Chamer Medienmitteilung. Kinderparlamente haben sich beispielsweise in der Vergangenheit mit Spielplatzgestaltung, Littering, Abfall, ÖV-Angeboten oder Sicherheit bei Fussgängerstreifen beschäftigt.

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