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CHAM: Das Geheimnis in der Schatulle

In der Familiengeschichte von Clairelise Montani geht es um eine grosse Liebe. Das mit vielen Fotos angereicherte Buch bildet aber zugleich spannende Episoden aus dem Gemeindeleben ab.
Monika Wegmann
Clairelise Montani als Kind im Garten des Cottage und als «Appenzellerli» an der Fasnacht 1936 (oben). Das Bild unten links zeigt Klärli und Emil Jung am Couleur-Ball in Basel im Hotel Les Trois Rois (1934). Rechts unten ein Familienfoto mit Ruedi (links) und Clairelise (um 1936). (Bilder: PD)

Clairelise Montani als Kind im Garten des Cottage und als «Appenzellerli» an der Fasnacht 1936 (oben). Das Bild unten links zeigt Klärli und Emil Jung am Couleur-Ball in Basel im Hotel Les Trois Rois (1934). Rechts unten ein Familienfoto mit Ruedi (links) und Clairelise (um 1936). (Bilder: PD)

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

Die Geschichte, die Clairelise Montani (83) auf 631 Seiten erzählt, hätte Potenzial als Stoff für einen Rosamunde-Pilcher-Film. Im Gegensatz dazu ist ihre Geschichte aber wahr, sie handelt von ihrer Mutter – einer Chamerin, die Anfang der Dreissigerjahre den Dorfarzt Dr. Emil Jung heiratete. Im Mandelhof stellte die Autorin gestern an einer musikalisch umrahmten Lesung ihr Buch «Sei lieb mit Klärli» vor.

Nun ist Clairelise Montani, die heute bei Biel lebt, an den Ort der Kindheit zurückgekehrt, im Gepäck eine Geschichte, die überrascht. Denn an manche Episode aus den Jugendjahren der Autorin kann sich manch Anwesender erinnern. Der Anstoss für das Buch hat mit einer alten Holzschatulle zu tun, die Montani nach dem Tod der Mutter im September 2011 gefunden hat. «Ich habe mich zuerst nicht getraut, sie zu öffnen», erzählt sie. Hervorgekommen seien unzählige Briefe, Fotos und Dokumente. «Da lag plötzlich ein ganzes Leben mit Höhen und Tiefen vor mir.» Ihr Entscheid stand schnell fest: Sie wollte die Geschichte im Rahmen eines Schreibkurses für die Familie aufzeichnen. Es kam immer mehr zusammen, und das Buch wurde dicker und dicker. Deswegen beschränkte sie sich an der Lesung auf Ausschnitte von dem, was ihre Mutter Anna Klara, genannt Klärli, erlebte. Sie war das zweitälteste Kind der Familie Locher, die damals in Cham ein Eisenwarengeschäft führte.

Ein Jahr als Nurse in Brüssel

Die Lesung begann mit der Reise der Mutter 1932 nach Brüssel, wo diese eine Stelle als Nurse antrat. Hier lernte sie den belgischen Offizier und Militärpiloten Jean kennen, beide verliebten und verlobten sich heimlich. Als Klärli nach einem Jahr in die Schweiz zurückkehrte, schrieben sich die beiden fast täglich. Doch Klärlis Mutter reagierte skeptisch. In dieser Zeit lernte Klärli wegen einer Blinddarmentzündung den neuen Dorfarzt Dr. Jung kennen. Als plötzlich die Briefe aus Belgien ausblieben, war Klärli sehr enttäuscht. So akzeptierte sie die Avancen des smarten Dr. Jung, der auf baldige Heirat drängte. Kurz davor entdeckte jedoch Klärli, dass die Mutter die Briefe aus Belgien abgefangen und unterschlagen hatte. Dies stürzte sie in ein seelisches Dilemma. Dennoch sagte sie schliesslich Ja zur Hochzeit mit dem Dorfarzt. «Es war eine Ehe mit Licht und Schatten», betonte Clairelise Montani. Denn Emil sei manisch-depressiv, morphiumsüchtig und zuletzt immer streitsüchtiger gewesen. «Später haben wir an der Innentüre seines Schrankes einen Zettel gefunden, auf dem mit rotem Stift stand: Sei lieb zu Klärli», so die Autorin und ergänzte, dass dieser Satz zum Buchtitel geführt habe. Andererseits habe der Vater über viele Talente verfügt und sich im Dorf initiativ gezeigt. Einmal habe er sogar eine kranke Taube behandelt – gratis. Lachen unter ehemaligen Schülern im Saal löste auch die Episode aus, als der Vater dem Pfarrer mit einem Streich eins auswischte, weil dieser wegen angeblichen Sittenzerfalls das geschlechtergemischte Abschlussfest im Doktorhaus verhindern wollte. Doch die zunehmend schwierige familiäre Situation habe die Mutter sehr belastet, und auch Emil sei unglücklich gewesen. Die Sehnsucht nach der grossen Liebe der Jugendjahre liess Klärli auch in späteren Jahren nicht los. Wie die ungewöhnliche Liebesgeschichte ausgeht, wollen wir aber nicht verraten.

Tränen und schlaflose Nächte

Warum wagt sich eine ältere Dame an ein so umfangreiches Buchprojekt? Wie sie erzählt, dauerte es rund fünf Jahre bis zur Fertigstellung. Selbst gesundheitliche Probleme hielten sie nicht ab. «Die Recherche in Archiven und mit Zeitzeugen war sehr aufwendig.» Viele Leute haben sie unterstützt, sei es mit Fotos oder Erinnerungen. So ist eine interessante Dorfgeschichte entstanden. Die Autorin gibt zu, dass das ehrliche Berichten über die Schattenseiten ihrer Familie sie schlaflose Nächte und Tränen gekostet habe. «Ich habe meinen Vater trotzdem gern und mit Respekt über meine Eltern geschrieben», sagt sie überzeugt.

Hinweis

Das Buch «Sei lieb mit Klärli» von Clairelise Montani ist direkt bei der Autorin (032 322 90 58) oder bei Bücher Balmer zu beziehen: ISBN: 978-3-7431-4211-4.

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