CHAM: Das Geschäft mit Überschuldeten

Die Geschäftsidee der Alb AG sorgt für Kritik. Denn das Chamer Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Autoleasing-Verträge mit Personen abzuschliessen, denen Gläubiger bereits mit Verlustscheinen im Nacken sitzen.

Thomas Heer
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Symbolbild / Archiv Neue LZ

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Beim Auftritt im Internet kommt die Alb AG Autoleasing & Beratung rasch auf den Punkt. So erfährt der Leser im Texteinstieg der Startseite: «Die Alb AG ist spezialisiert auf Autoleasing und Leasingberatung für Kunden mit laufenden Betreibungen/Verlustscheinen. Mit unseren individuellen Leasing-/Fahrzeugangeboten nehmen wir Rücksicht auf Ihre finanzielle Situation, sodass Sie trotz Betreibungen/Verlustscheinen mobil bleiben.» Autoleasing für Verschuldete also.

Cornelia Stengel, stellvertretende Geschäftsführerin beim Schweizer Leasingverband, spricht aus, was jedem Laien durch den Kopf geht, wenn er sich das Alb-Angebot zu Gemüte führt: «So etwas habe ich noch nie gesehen. Das macht mich stutzig.» Dino Graf, Konzernsprecher der Amag-Gruppe, die unter anderem die Marken VW und Audi in die Schweiz importiert, beantwortet die Frage, ob seine Firma Verträge mit Leuten abschliesst, die durch Verlustscheine vorbelastet sind, folgendermassen: «Grundsätzlich schreibt das KKG (Konsumkreditgesetz Anm. d. Red.) vor, dass Leasing nur von Personen genutzt werden kann, wenn dies nicht zur Verschuldung führt.» Die Amag würde es also nicht zulassen, mit bereits verschuldeten Personen Leasings abzuschliessen.

Durch Leasing in die Überschuldung

Zur Erinnerung: Ein Eintrag im Betreibungsregister heisst unter Umständen noch nicht viel. Denn jeder kann jeden betreiben, auch wenn die Forderung noch so ungerechtfertigt ist. Anders hingegen sieht es bei Verlustscheinen aus: Solche besagen nämlich, dass die Person wegen Zahlungsunfähigkeit eine offene Forderung nicht begleichen kann.

Keine Freude am Alb-Businessmodell hat auch Barbara Bracher, Leiterin der Fachstelle für Schuldenfragen in Luzern. «Die Angebote der Firma verstossen gegen Sinn und Geist des Konsumkreditgesetzes», erklärt die Schuldenberaterin. «Es ist zu befürchten, dass die Geschäfte mit dieser Firma bei vielen Kunden das Haushaltsbudget durcheinander bringen.» Die Firma nehme offensichtlich bewusst in Kauf, dass ihre Kunden durch das Leasing in die Überschuldung geraten – und dann beispielsweise die Steuern oder die Krankenkasse nicht mehr zahlen könnten.

Die Firma Alb wird auch von Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, kritisiert. Sie findet es problematisch, dass Leute Autos leasen können, die ohnehin schon in finanziellen Schwierigkeiten stecken.

«Wir sind topseriös»

Das sieht Alb-Geschäftsführer Philipp Fuhrer erwartungsgemäss völlig anders. Er sagt, es könne doch nicht sein, dass jemand wegen einer Betreibung von 100 Franken kein Auto leasen könne. Zudem sagt Fuhrer: «Wir sind eine topseriöse Firma, die nicht gegen Gesetze verstösst. Wir prüfen die Zahlungsfähigkeit unserer Kunden sehr detailliert.» Nach welchen Kriterien sie die Leasingnehmer checken, will er allerdings nicht sagen. Das sei «Geschäftsgeheimnis».

Seltsam lange Berufserfahrung

Die Firma Alb wirbt auch damit, das das Team insgesamt über mehr als 50 Jahre Erfahrung im Autoleasinggeschäft verfüge. Diese Zahl kommt laut Fuhrer zu Stande, indem sämtliche Berufsjahre der Alb-Angestellten addiert werden. Das Unternehmen selber wurde nämlich erst am 23. Dezember 2011 gegründet ...

Wer sich mit Alb in Verbindung setzt, kann dies via Mail-Anfrage tun. «Dann rufen wir zurück», sagt Fuhrer. Weniger günstig fahren jene Interessenten, welche die kostenpflichtige 0900er-Nummer wählen. Der Minutenpreis dafür: 2.90 Franken. Das sei in der Branche so üblich, sagt Fuhrer. Tatsächlich? Eine Anfrage bei Amag zeigt: Eine telefonische Auskunft über die 0848-Nummer wird zum Ortstarif verrechnet.