Das «Gold der Kuh» gibts als Pille und als Salbe

Die Firma Swiss Bio Colostrum ist für ihre Produkte ausgezeichnet worden. Ein aus dem ersten Gemelk gewonnenes Pulver soll ein wahrer Jungbrunnen sein.

Silvan Meier
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Viel Handarbeit: Gian-Carlo Keller schiebt eine Portion Colostrum in das Gefriertrocknungsgerät. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Viel Handarbeit: Gian-Carlo Keller schiebt eine Portion Colostrum in das Gefriertrocknungsgerät. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Pharaonen haben es getrunken und darin gebadet, um unsterblich zu werden. Die griechischen Athleten der Antike verwendeten es, um Bestleistungen zu erbringen. Und im amerikanischen Bürgerkrieg wurden Verwundete damit behandelt, um die Heilung zu beschleunigen und Entzündungen zu hemmen. Jahrhundertelang vertraute man auf die Wirkung von Colostrum, die Erstmilch von Kühen, Schafen und Ziegen. Jene Milch also, die ein Neugeborenes als Erstes trinkt. Diese ist eiweissreich und voller Abwehrstoffe und Antikörper. «Ohne Colostrum würde ein Kalb nicht überleben», sagt Gian-Carlo Keller. «Es würde innerhalb kurzer Zeit an einer Infektion sterben.»

Keller, der früher als Lehrer gearbeitet hat, ist als Bauer in Frankreich auf das Colostrum gestossen und hat das Potenzial des Wundermittels erkannt, das oft in der Güllegrube landete. Zurück in der Schweiz, hat er sich vollumfänglich dem «Gold der Kuh» gewidmet. Rund anderthalb Jahre lang hat er geplant, getüftelt und geprobt. Mit dem Naturheilkundler Marc-René Paravicini hat er einen Partner gefunden, der vom Projekt ebenso überzeugt ist wie er. Im Jahr 2008 gründeten die beiden die Swiss Bio Colostrum und mieteten die ehemalige Käserei in Niederwil bei Cham. Dort produzieren die beiden seither in viel Handarbeit Colostrum. «Bei uns ist das Chefsache», sagt Keller.

In Asien ein Kassenschlager

Von rund 50 Biobauern aus der gesamten Deutschschweiz holt Gian-Carlo Keller das Colostrum ab. «Das Kalb hat aber immer Vorrang», betont er. Will heissen: Nach Niederwil kommt nur jene Erstmilch, die das Kalb nicht zu trinken vermag. Entsprechend schwierig ist für Keller und Paravicini die Planung. «Wir sind auf die Natur angewiesen. Colostrum gibt es nicht auf Bestellung.» Verwendet wird neben Kuhmilch auch die Erstmilch von Ziegen und Schafen.

In der ehemaligen Käserei entzieht Keller mittels Gefriertrocknung dem Colostrum das Wasser. Übrig bleibt nach einem zeitintensiven Verfahren ein goldgelbes Pulver, das all die Abwehrstoffe in konzentrierter Form enthält. Keller und Paravicini füllen das Pulver einerseits direkt in seiner reinen Form in Kapseln ab, andererseits wird es auch mit anderen Inhaltsstoffen kombiniert. So gibt es Colostrum-Kapseln mit Maca und Guarana oder solche mit Eisen und Acerolakirsche. Unter dem Markennamen Qura Dea vertreiben die beiden Unternehmer vier reine Colostrum-Produkte sowie acht spezielle Kombinationen. Von einer Kosmetikfirma lassen sie aus ihrem Colostrum zudem einen Hautbalsam und eine Gesichtscreme produzieren.

Zwar könne man die Erstmilch auch direkt trinken, ein besonderer Leckerbissen sei das allerdings nicht, sagt Keller. «Man muss hart im Nehmen sein.» Erst in Pulverform sei es möglich, das Colostrum zu kommerzialisieren. In der Schweiz macht das einzig die kleine Chamer Firma. In Asien sind die Colostrum-Produkte aber ein grosser Renner. So exportiert die Niederwiler Firma denn auch nach Taiwan. In der Schweiz ist Colostrum in verschiedenen Apotheken und Drogerien rezeptfrei erhältlich. «Es gilt als Lebensmittel. Aber laut Lebensmittelgesetz darf ein Lebensmittel keine heilende Wirkung haben», erklärt Marc-René Paravicini das Dilemma, das den Vertrieb ihres Produkts nicht unbedingt einfacher macht. In der Schweiz stagniere der Markt, wohingegen in Deutschland das Interesse an Schweizer Bio-Colostrum sehr gross sei.

Grand Prix Bio Suisse

Für die Biobauern ist der Verkauf des Colostrums ein willkommener Nebenerwerb. Das wurde vom Dachverband Bio Suisse nun auch honoriert. Vor wenigen Tagen haben Keller und Paravicini den Grand Prix Bio Suisse 2014 gewonnen. Den mit 10 000 Franken dotierten Preis werden die beiden direkt in ihr Unternehmen reinvestieren für neue Produkte im Kosmetikbereich und für ein Colostrum-Mittel, das Haustieren neue Lebenskraft gibt.

Hinweis: Weitere Informationen unter www.swissbiocolostrum.com