CHAM: «Das ist eine absolute Sensation»

Cham Archäologen haben in der Klostermatt unter der Erde ein vergessenes Dorf entdeckt – und ein Grab, das mehr als 2000 Jahre alt ist.

Stephanie Hess
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Gishan Schaeren zeigt ein wertvolles Zierstück eines Gürtels aus dem Frühmittelalter. Die Münze (unten) ist ein karolingischer Denar aus Silber, er datiert in die Zeit zwischen 822 und 840 n. Chr. (Bilder Christof Borner-Keller)

Gishan Schaeren zeigt ein wertvolles Zierstück eines Gürtels aus dem Frühmittelalter. Die Münze (unten) ist ein karolingischer Denar aus Silber, er datiert in die Zeit zwischen 822 und 840 n. Chr. (Bilder Christof Borner-Keller)

Die Sprachforscher vermuten es schon länger: Die Ortsbezeichnung Cham stammt wohl aus dem Keltischen, also von jenem Volk, das vor mehr als 2000 Jahren während der Eisenzeit gelebt hat. Die Herkunft des Wortes Cham wird gemäss der Publikation «Zuger Ortsnamen» auf den keltischen Ausdruck «Kama» für «Dorf» zurückgeführt. Dass die Volksgruppe im Ennetsee aber tatsächlich einmal heimisch war, dafür hat es bis vor kurzem keine Beweise gegeben. Bis die Aula AG beschlossen hat, eine Überbauung auf der Klostermatt zu erstellen, auf jener grossen Wiese nördlich der Chamerstrasse zwischen Hünenberg und Cham, die bis ins 19. Jahrhundert dem Kloster Frauenthal gehört hatte. Die Zuger Archäologie hat nun während der Bauzeit der Klostermatt-Überbauung im letzten Jahr auf der ganzen Baufläche die erste Humusschicht abgeschält. Dabei hat sie nicht nur Reste eines mittelalterlichen Dorfes und einer Niederlassung der Spätbronzezeit (Brandgruben) gefunden, sondern auch – durch ein eisenzeitliches Grab – den Beleg der keltischen Besiedlung. «Das ist eine absolute Sensation und sehr bedeutend», sagt Gishan Schaeren, Abteilungsleiter im Amt für Denkmalpflege und Archäologie.

Hier zeigt Gishan Schaeren ein Zierstück eines Gürtels aus dem Frühmittelalter, das sie bei ihrer Arbeit der Klostermatt-Überbauung gefunden haben. (Bild: Christof Borner-Keller)
6 Bilder
Der Sensationsfund: Ein Grab einer Frau aus der jüngeren Eisenzeit (ca. 280 v. Chr.) Dieses Grab gilt gemäss der Archäologen als Hinweis auf eine keltische Siedlung in Cham und ist darum eine «Sensation». (Bild: Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Direktion des Innern)
Eine Münze aus einem eisenzeitlichen Grab in der Klostermatt Cham. (Bild: Christof Borner-Keller)
Eine bronzezeitliche Feuergrube mit Hitzesteinen (ca. 1000 v. Chr.). (Bild: Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Direktion des Innern)
Hier sind drei beigabenlose Gräber zu sehen. Diese sind wahrscheinlich ins späte Frühmittelalter (500 - 1050) zu datieren. (Bild: Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Direktion des Innern)
Freilegung einer Fibel. Im Vordergrund das Röntgenbild der geborgenen Erdmaterials. Auf dem Bild zu sehen sind die Restauratorin Maria Ellend Wittwer und der Archäologe Gishan Schaeren. (Bild: Christof Borner-Keller)

Hier zeigt Gishan Schaeren ein Zierstück eines Gürtels aus dem Frühmittelalter, das sie bei ihrer Arbeit der Klostermatt-Überbauung gefunden haben. (Bild: Christof Borner-Keller)