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Cham: Das Summen der Wildbienen soll lauter werden

Mit einer Webanwendung können Wildbienen künftig gefördert werden. Unterstützt wird das Projekt von der Gemeinde Cham.
Vanessa Varisco
Wildbienen leisten einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität im Ökosystem.Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 17. Juli 2015)

Wildbienen leisten einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität im Ökosystem.Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 17. Juli 2015)

Summend schwirren sie von Blüte zu Blüte und leisten damit einen wichtigen Beitrag im Ökosystem: die Wildbienen. In Cham werden sie seit einigen Jahren aktiv gefördert, dies indem die Gemeinde beispielsweise Standorte für die Insekten schafft. Nun geht sie einen Schritt weiter und stellt die erhobenen Daten Futureplanter zur Verfügung.

«Die Webanwendung bildet eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Datenbasis und dem Engagement von Privatpersonen», führt der Tierökologe André Rey aus, welcher Teil des Teams der Webanwendung ist. Mit wenigen Klicks bekommen Interessierte dort Pflanzenempfehlungen, mit denen sie die Wildbienen fördern können. Angezeigt wird ausserdem, welche seltenen Arten in der Nähe vorkommen. «In städtischen Gebieten kartiere ich die gesichteten Wildbienen. Diese Beobachtungen fliessen dann ins Inventar ein», so Rey. Entwickelt wurde das Projekt von der in Zug ansässigen und momentan noch in der Gründung befindlichen Stiftung Green Advance.

«Für uns war die Anfrage von Futureplanter ein Glücksfall. Wir erheben keine Daten, um sie in einer Schublade verschwinden zu lassen, sondern als Grundlage, um Arten zu schützen und gezielt zu fördern», erklärt Manuela Hotz, Projektleiterin Umwelt. Die Bevölkerung kann so von Daten profitieren, die sonst ausschliesslich den Behörden zur Verfügung stehen.

Insgesamt 6500 Nutzer

Zwar hätten sich noch nicht so viele Zuger wie erhofft auf der Website angemeldet. «Ich habe aber bereits schon begeisterte Rückmeldungen von Chamerinnen und Chamern erhalten», so Hotz. Insgesamt wird die Plattform rege genutzt, wie André Rey Auskunft gibt: «Ungefähr 6500 Nutzer hat die Seite bis jetzt. Und wir stehen erst am Anfang.» Er ist sich sicher, dass die Webanwendung einen wichtigen Beitrag leisten kann: «Viele Menschen möchten etwas für die Biodiversität tun. Meist fühlen sie sich aber ohnmächtig. In diesem Fall haben sie die Möglichkeit, wirklich etwas zu unternehmen.»

Und: «Nicht nur Generalisten, sondern auch Spezialisten können so gefördert werden.» Als Spezialisten werden Wildbienen bezeichnet, welche sich auf wenige oder sogar nur eine Pflanzenfamilie festgelegt haben. Im Ökosystem sind sie nicht wegzudenken, weiss Manuela Hotz: «Viele Pflanzen können schlecht von Generalisten bestäubt werden und sind auf spezialisierte Bestäuber angewiesen.» André Rey ergänzt: «Während man lange davon ausging, dass die Honigbiene die Schlüsselleistung für die Vermehrung von Pflanzen übernimmt, wurde in den letzten Jahren deutlich, dass dem nicht so ist. Die Wildbienen haben eine fundamentale Position in diesem genialen System inne. Was lange unterschätzt wurde.» Wie eine kürzlich durchgeführte Inventarerfassung gezeigt hat, gibt es in Cham viele Spezialisten. «Das ist erfreulich, da diese in den letzten Jahren abgenommen haben.»

Genaueres über die allgemeine, prekäre Lage der Wildbiene weiss der Tierökologe:

«Rund 50 Prozent der Arten sind gefährdet.»

Zudem gäbe es in städtischen Gebieten solche, die ganz verschwinden würden. «Direkt vor unseren Augen. Das ist dramatisch», findet er. Gerade, um diesen grossen Rückgang zu verhindern, und die Wildbiene weiter zu fördern, bietet sich der Siedlungsraum an. «Für Wildbienen ist er interessant wegen des kleinflächigen Nebeneinanders von verschiedenen Lebensräumen», schildert die Projektleiterin Umwelt und ergänzt: «Zudem werden die Wiesen im Siedlungsgebiet nicht alle gleichzeitig gemäht. Die Wildbienen finden während der ganzen Vegetationszeit ein Blütenangebot.»

Die Gemeinde Cham will mit gutem Beispiel vorangehen und Raum für die kleinen Insekten schaffen. Deshalb prüft das Team des Werkhofs immer wieder, wie man öffentliche Flächen gezielt aufwerten kann. «So werden wir auch bei der Umgestaltung des Papieri-Gleises in einen Fuss- und Veloweg Massnahmen für Wildbienen vorsehen», sagt Manuela Hotz. Nächstes Jahr sollen ausserdem weitere Flächen auf dem Dorfplatz und dem Friedhof in Blumenwiesen umgewandelt werden. «Von der Förderung der Wildbiene profitieren auch andere Tierarten», resümiert André Rey zuversichtlich.

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