CHAM: Dem 130-jährigen Zeitzeugen geht es an die Wurzel

Der Mammutbaum an der Zugerstrasse 8 wurde gestern wegen Pilzbefalls gefällt. Das Holz soll aber in Form von Kunstobjekten erhalten bleiben.

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Gut gesichert und konzentriert: Ast um Ast des Mammutbaums wird abgesägt. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 28. Februar 2017))

Gut gesichert und konzentriert: Ast um Ast des Mammutbaums wird abgesägt. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 28. Februar 2017))

Für diese Arbeit ist Schwindelfreiheit gefragt: Ein Mitarbeiter der Baum + Garten AG, einer Firma für Spezialfällarbeiten, hängt an einem Seil befestigt hoch oben an einem fast 40 Meter hohen Baum. Es ist nicht irgendein Baum, es ist der Mammutbaum neben dem Nestlé-Gebäude an der Zugerstrasse 8 in Cham. Der ungefähr 130-jährige Mammutbaum gehört zum Dorfbild und trägt im Winter gar eine Weihnachtsbeleuchtung. Bereits im Oktober hat die Gemeinde Cham angekündigt, dass der Mammutbaum, der nebenstehende Thujabaum und die Scheinzypresse im Nestlé-Garten an einem Hallimasch-Befall leiden und deshalb gefällt werden müssen. Denn diese Pilzart führt dazu, dass Pflanzenteile oberhalb des Befalls welken und absterben.

Konzentriert befestigt der Mitarbeiter der Firma für die Spezialfällarbeiten erst den Ast an ein Seil, bevor er ihn mit der Motorsäge vom Stamm entfernt. Unten stehen seine Kollegen, die das Seil festhalten und schauen, dass die Äste nicht unkontrolliert herunterfallen. «Ein Baum in dieser Grösse zu fällen, ist für uns auch nicht Alltag», gibt Tobias Gerber, Inhaber der BaumAABB22+ Garten AG, zu und macht klar: «Am wichtigsten ist aber die Sicherheit der Mitarbeiter. Man darf nie nachlässig werden.» Insgesamt sind sieben Arbeiter im Garten und kümmern sich um die Fällarbeiten. Auch ein Verkehrsdienst ist mit sechs Personen im Einsatz und passt auf, dass die Schaulustigen den Bäumen nicht zu nahe kommen und der Verkehr fliessen kann. Neben zwei Lastwagen, welche das Holz abtransportieren, ist auch ein 300-Tonnen-Pneukran vonnöten. Dieser befördert etwa die Baumwipfel der Scheinzypresse und des Thujabaums über den angrenzenden Nestlé-Shop hinweg. Die Arbeiter sind in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine kümmert sich um den Mammutbaum, der zuerst entästet werden muss, und die andere fällt die Scheinzypresse und den Thujabaum.

Als Ast um Ast am Mammutbaumstamm verschwinden, wird es auch den Anwesenden im Nestlé-Gebäude wehmütig zu Mute. «Es ist unheimlich schadeAABB22– jeder Chamer verbindet mit diesem Baum eine eigene Geschichte», erklärt Markus Schuler, Bereichsleiter Gartenbau der Einwohnergemeinde. Ungefähr zehn Jahre hätten sich Baumpfleger um den Baum gekümmert und mit verschiedenen Massnahmen versucht, den Pilz aufzuhalten. «Von denen ist heute niemand hier. Das ist für sie zu emotional», sagt Schuler weiter.

Neue Skulpturen entstehen

Der Mammutbaumstamm werde in ungefähr zehn Stücke geschnitten. Davon erhalten die lokalen Künstler Stephan Schmidlin und Daniel Züsli fünf bis sechs Meter grosse Stücke. Schmidlin erschafft aus dem besagten Holz eine grosse Skulptur, die als Vorlage für das offizielle Logo des 45. Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug dient. Züsli bearbeitet das Holz im Auftrag des Ruderclubs Cham. Die Skulptur soll 2018 anlässlich des Jubiläumsjahres des Ruderclubs im Hirsgarten ausgestellt werden. Gesponsert wird das Ruder-Kunstwerk durch die Cham Paper Group Schweiz AG.

Heute werden noch die restlichen Arbeiten erledigt und das Loch mit Erde für die neue Bepflanzung aufgefüllt. Stephan Wirz, Leiter des Aktienbüros der Nestlé AG, sagt: «Es wird wohl wieder einen Mammutbaum geben, bis dieser jedoch gross genug für die Weihnachtsbeleuchtung ist, dauert es ein paar Jährchen.»

 

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch