CHAM: Dem teuren Ausbau folgt der Abbau

Hunderttausende Franken wurden vor kurzem in die Sanierung des Schiffstegs beim Hirsgarten gebuttert – um ihn nun oft links liegen zu lassen.

Charly Keiser
Drucken
Teilen
Mit viel Aufwand wurde der Steg im Chamer Hirsgarten saniert. (Archivbild Daniel Frischherz)

Mit viel Aufwand wurde der Steg im Chamer Hirsgarten saniert. (Archivbild Daniel Frischherz)

Charly Keiser

Daniela Kutter* und Daniel Yacht* hatten den perfekten Plan. Ihr Hochzeitstag sollte am Samstagmorgen mit einem Zmorge in der Villette in Cham beginnen. Mit dem Schiff hätte es nach Buonas gehen sollen, wo bei Musik ein Apéro hätte genossen werden sollen. Danach hätte ein weiteres Kursschiff der Zugersee-Schifffahrt die Hochzeitsgesellschaft nach Zug bringen sollen, wo sich Yacht und Kutter das Jawort geben wollten. Mit Betonung auf «wollten». Zwar wollen sich die beiden noch immer ewige Treue schwören und eine Familie gründen – aber die Hochzeitsgesellschaft muss auf die Schifffahrten auf dem Zugersee verzichten. Der Grund: Was gemäss Fahrplan 2014 noch möglich war, als Kutter und Yacht ihren Hochzeitstag zu planen begannen, ist jetzt ein Ding der Unmöglichkeit.

Entsprechend frustriert sind die beiden Verliebten ob des Fahrplans 2015: Denn Cham wird von den Kursschiffen der Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee AG (SGZ) an Vormittagen nicht mehr angelaufen. Einzige Ausnahme: An Sonn- und Feiertagen legt schon um 11.04 Uhr morgens ein SGZ-Schiff im Hirsgarten an.

Zu früh für auswärtige Gäste

Die SGZ habe auf diese Saison hin einen neuen Fahrplan erhalten, erklärt deren Mediensprecherin Kathrin Howald auf Anfrage. «Die wichtigste Erneuerung dabei ist, dass die Morgenrundfahrt nicht mehr um 9 Uhr beginnt, sondern erst um 9.45 Uhr startet.» Es habe sich nämlich gezeigt, dass 9 Uhr zu früh sei für Gäste, die mit dem Car von ausserhalb anreisen würden. Zudem seien die Umsteigezeiten vom Zug aufs Schiff nicht optimal gewesen. «Mit der Fahrplanänderung hat die SGZ diesem Umstand Tribut gezollt», sagt Howald. Und sie ergänzt: «45 Minuten später abfahren bedeutet aber auch, dass wir diese Zeit wieder aufholen müssen, um rechtzeitig für den Mittagskurs bereitzustehen. Dies erreichen wir mit einem Stopp weniger. Cham und Risch werden in der Folge bei der grossen Morgenrundfahrt nicht mehr angefahren, dafür aber Walchwil, Immensee und Oberwil – und Letzteres zweimal.»

Auch bei der grossen Rundfahrt am Nachmittag seien die Zeiten angepasst worden, damit die Gäste optimale Anschlusszeiten am Bahnhof Zug hätten, ergänzt Howald. «Hierzu legen wir zwar in Cham und Risch an, dafür entfällt der Stopp in Buonas.» Stopp in Cham mache der 14-Uhr-Kurs am Wochenende, sagt sie. Und fügt an: «Verkehrte dieser Kurs bis dato nur am Wochenende, wird er neu in den frequenzstarken Monaten Juli und August auch mittwochs und donnerstags unterwegs sein und Cham berücksichtigen.»

Happige Investitionen

Der Abbau an Zu- und Wegfahrten in Cham irritiert insbesondere in Anbetracht der grossen Investitionen, die dort vor kurzem erst getätigt worden sind. So wurde während der Winterhalbjahre 2012 und 2013 die Chamer Seeuferanlage Hirsgarten saniert und im vergangenen Mai eingeweiht. Die Erneuerung schlug mit insgesamt 4,5 Millionen Franken zu Buch. So wurde die zuvor teils unterspülte Ufermauer ersetzt und Nebenanlagen beim Hirsgartenbad und beim Ruderclub realisiert. Zudem wurden 27 000 Kubikmeter Seeablagerungen ausgebaggert, für die die Gemeindeversammlung einen separaten Kredit von 800 000 Franken gesprochen hat, an dem sich der Kanton zur Hälfte beteiligte. Genauer wurde die Schifffahrtsrinne so ausgebaggert, dass künftig auch bei tiefem Seewasserspiegel die Schiffe genügend Wasser unter dem Kiel haben und problemlos in Cham zu- und wegfahren können. Dies wurde nämlich die Jahre zuvor zunehmend zum Problem.

Hydraulische Anlage

Einzigartig in der Schweiz ist ausserdem der Steg beim Hirsgarten: So kann nämlich dessen Einstiegshöhe abhängig vom Seewasserstand und je nach Schiff von den Kapitänen per Fernauslösung in der Höhe verstellt werden. Die Anlage ist hydraulisch und funktioniert nicht mit Öl, sondern mit Wasser. Diese Technik hat den Vorteil, dass bei einem Defekt kein Öl ausläuft und keine Umweltschäden entstehen können. Die innovative Technik kam beim Chamer Schiffsteg zum ersten Mal zur Anwendung. Gegenüber einem herkömmlichen Steg kostet diese Technik aber auch dreimal mehr.

Was Kutter und Yacht bedauern, wird wohl auch in Cham nur wenig Freude bereiten. Gehört doch die Villette der Einwohnergemeinde und sinkt mit dem Abbau der Schiffshalte in Cham die Attraktivität der Anlagestelle, die für viel Geld saniert worden ist. Der Chamer Gemeinderat tagte gestern und war darum für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Hinweis

* Namen von der Redaktion geändert.