CHAM: Die Farben der Kindheit

Eichhörnchen, Kröten, der giftige Knollenblätterpilz, Mistel, Heckenröschen und einheimische Singvögel: Die Sujets alter Schulwandbilder wecken Kindheitserinnerungen, wie eine Wechselausstellung zeigt.

Drucken
Teilen
Regierungsrat Stephan Schleiss im Gespräch vor Schulwandbildern. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 6. Mai 2017))

Regierungsrat Stephan Schleiss im Gespräch vor Schulwandbildern. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 6. Mai 2017))

Mitte Mai wird das Chamer Schulhaus Kirchbühl 100 Jahre alt und feiert dieses Jubiläum mit diversen Aktionen, Tagen der offenen Tür, nostalgischen Einblicken in seine Geschichte, mit Aufführungen und Anekdoten. In diesem Rahmen haben Heiri Scherer, der Kurator des Kunst-Kubus, und die Kirchbühl-Lehrerin Regula Hassler alte Schulwandbilder ausgegraben, um sie an vier Samstagen der Öffentlichkeit zu präsentieren, gruppiert in die vier Themenkreise «Naturkunde», «Geschichte», «Wirtschaft» und «Fremde Länder». Unter dem Titel «Weisch no?» sind Erinnerungen an die eigene Schulzeit und kindliche Fantasiewelt explizit beabsichtigt.

Die von etwa zwölf Personen besuchte Vernissage am Samstagmorgen wird eröffnet von der Kunst-Kubus-Präsidentin Barbara Stäheli. Das Schulwandbild sei in den Dreissigerjahren als Kind der geistigen Landesverteidigung entstanden, berichtet danach Vorstandsmitglied Ignaz Staub in seinem Referat. Schulmaterial aus Nazideutschland sollte mit einem Lieferstopp belegt und eigenes schweizerisches «Anschauungsmaterial für Unterrichtszwecke» gefördert und hergestellt werden. Ab 1935 erschienen die ersten Wandbilder, von Jahr zu Jahr kamen neue Bildthemen hinzu, und das EDI schrieb die künstlerische Umsetzung jeweils als Wettbewerbe aus. Die Freiheit der Künstler in der Gestaltung musste immer vereinbar bleiben mit den pädagogischen Ansprüchen: Die Bilder sollten Wissen verständlich vermitteln und gleichzeitig Vorstellungsvermögen und Lernlust der Kinder anregen. Zu ihren Schöpfern gehörten auch Künstler wie Alois Carigiet oder Hans Erni. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts stellte die Vertreiberin, die Ernst Ingold AG in Herzogenbuchsee, die Produktion von Schulwandbildern ein; seither sind sie ganz aus dem Schulalltag verschwunden. Aber noch immer umgibt die plakatgrossen Illustrationen einer vielfältigen Natur- und Menschenwelt eine besondere Aura: Als Regula Hassler die Bildbeschreibung vorliest, die sie als Fünftklässlerin über das Wandbild «Eichhörnchen» geschrieben hat, ist beides zu spüren – die Freude daran, in die Fantasiewelt des Bildes einzutauchen, aber auch das Bemühen der Musterschülerin, Sprache zu formen für das Angeschaute. Nähert man sich als heutiger Betrachter diesen Bildern, ist man überrascht und fasziniert von ihrer bunten Detailfreudigkeit: Der Maiglöckchen-Schössling hat feinste horizontale Würzelchen; im ausgewachsenen Stadium werden seine Glockenblütchen von einer Biene besucht; und im Herbst präsentiert sich das Maiglöckchen-Laub gelb mit feinen braunen Rändern; die roten Früchtchen aber liegen aufgeschnitten daneben, damit wir auch ihre kleinen weissen Samen sehen können.

 

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

«Weisch no? Pfahlbauer, Eichhörnchen, Ritterturnier» – Wechselausstellung mit Schulwand­bildern aus der Sammlung des Schulhauses Kirchbühl, Cham: Am 13. Mai von 13 bis 18 Uhr: «Geschichte»; am 20. Mai von 11 bis 15 Uhr: «Wirtschaft»; am 27. Mai von 11 bis 15 Uhr: «Fremde Länder». www.kunstkubuscham.ch