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CHAM: «Die Geschäfte gehen sonst kaputt»

Die Umfahrungstrasse Cham–Hünenberg liegt auf. Bereits sind 30 Einsprachen eingegangen. Auch der Gewerbeverein macht mobil: Die flankierenden Massnahmen im Zentrum sollen erweitert werden.
Wolfgang Holz
Und täglich stehen die Autofahrer in Cham im Stau. (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Und täglich stehen die Autofahrer in Cham im Stau. (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Wolfgang Holz

Die Staus wälzen sich nach wie vor täglich durchs Dorf. Mit sechsjähriger Verspätung liegt das Baugesuch nun für die 5,3 Kilometer lange und rund 200 Millionen Franken teure Umfahrungsstrasse Cham–Hünenberg (UCH), welche die Ennetseegemeinde entlasten soll, endlich öffentlich auf. Dies, nachdem das Zuger Stimmvolk den «Bypass» für ein autoarmes Zentrum 2007 äusserst knapp an der Urne abgesegnet hatte.

Zone ist zu klein

Doch nun droht neues Ungemach: Bereits sind 30 Einsprachen gegen das Strassenprojekt eingegangen. Und eine weitere wird bald auf dem Tisch der kantonalen Baudirektion liegen. Denn der Gewerbeverein Cham will erreichen, dass die beschlossene Zone für das Transitverbot für den Verkehr durch den Ortskern ausgedehnt wird. «Der Perimeter hört heute an der Zugerstrasse auf Höhe des Restaurants Grütli auf», sagt Gewerbevereinspräsident Erich Herzog, Inhaber der Firma HCN Clean AG. Wenn man dies tatsächlich so realisiere, «würde man die Geschäfte an der Zugerstrasse vom Dorfzentrum abkoppeln, weil die Kunden in Zukunft dann lange Umwege fahren müssten, um diese zu erreichen». Dieser Umstand würde die Existenz der dortigen Läden bedrohen. «Man muss den Perimeter des Transitverbots deshalb ausdehnen, sonst gehen diese Geschäfte kaputt.»

Kameras kontrollieren Aufenthalt

Um was geht es ganz genau? Erinnern wir uns: Im Rahmen der flankierenden Massnahmen, die als ökologischer Ausgleich zur Umfahrungsstrasse obligatorisch für den Erhalt von Bundesgeldern sind und die das Ortszentrum zusätzlich beruhigen, soll künftig ein Durchfahrverbot in der Dorfmitte gelten. Sprich: Per Kameras werden Autos bei der Ein- und Ausfahrt durchs Dorf fotografiert. Wer sich dabei mindestens zehn Minuten im Zentrum aufhält – wer etwa einkauft, ins Café oder zum Coiffeur geht –, kann danach das Zentrum ohne Probleme verlassen. Wer indes nur durchfährt – wie im Augenblick noch Tausende von Pendlern täglich – wird gebüsst.

Da im Fall der Zugerstrasse die Geschäfte gemäss Auflage des Baugesuchs ausserhalb des durch Kameras kontrollierten Perimeters liegen, müssten also Kunden der dortigen Läden entweder eine Busse bezahlen, wenn sie dorthin durchs Zentrum fahren. «Oder sie müssten lange Umwege machen – aus Richtung Hünenberg See etwa ums ganze Dorf herum», beklagt Gewerbevereinspräsident Herzog. Immerhin seien dort rund 30 Geschäfte ansässig. Von Arztpraxen gar nicht zu reden. «Da hätten dann viele näher ins ‹Zugerland› als zu Geschäften im eigenen Dorf», moniert er.

Kunden könnten natürlich auch zuerst woanders im Zentrum einkaufen und dann weiter zum gewünschten Laden an der Zugerstrasse fahren. Doch der Vorschlag des Gewerbevereins lautet anders: Man soll einfach die Zugerstrasse in den kamerakontrollierten Perimeter miteinbeziehen – bis zur Eichstrasse, also kurz vor der Shell-Tankstelle im Alpenblick. Ebenfalls wünscht man sich eine Ausdehnung der Zone entlang der Sinserstrasse – bis nach dem Autohaus Imholz. Herzog: «Wir finden das kamerakontrollierte System durch den Dorfkern grundsätzlich eine geniale Lösung – aber man muss den Perimeter noch erweitern.»

Bekanntlich ist diese flankierende Massnahme, die noch bis zum 6. Juli Teil der öffentlichen Auflage zur Umfahrung Cham–Hünenberg ist, Ergebnis eines zähen, knapp zweijährigen Ringens innerhalb eines aufwendigen Mitwirkungsverfahrens. Zuvor waren andere Vorschläge, wie die Schliessung der Bärenbrücke, verworfen worden.

Tännler weiss es schon

Baudirektor und Landammann Heinz Tännler sind die Wünsche des Chamer Gewerbevereins zur Perimetererweiterung bereits bekannt. «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann ich dazu aktuell nicht viel sagen.» Klar sei, dass man das Anliegen des Chamer Gewerbevereins, der seine Einsprache im Fall des Scheiterns gerichtlich weiterziehen will, ernst nehme. Was die Grösse des Perimeters angehe, so Tännler, sei dieser prinzipiell veränderbar. «Die Frage stellt sich dann aber nach seiner Wirksamkeit.» Wie sich die 30 anderen, teils «technischen» Einsprachen auf den Baustart der UCH auswirken, kann der Baudirektor noch nicht sagen. «Wenn alles glatt läuft, kann man mit dem Bau 2018 beginnen.»

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