CHAM: Die Narren vergessen nichts

Nicht nur die Bundesräte sind am Umzug präsent. Auch die Chamer Schule wird auf die Schippe genommen.

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Das Schulhaus Städtli hat sich auf die Suche nach einem neuen Rektor begeben. (Bild Bruno A. Arnold/Neue ZZ)

Das Schulhaus Städtli hat sich auf die Suche nach einem neuen Rektor begeben. (Bild Bruno A. Arnold/Neue ZZ)

Neben viel Konfetti regnen am Sonntagnachmittag vor allem nasse Schneeflocken auf die Köpfe der Zuschauer des Chamer Umzugs. Der Stimmung tut dies keinen Abbruch.

Es ist kalt, der Himmel trüb, und der Schnee fällt in kleinen Flocken auf die Zuschauer. Trotzdem haben fast alle Leute im Publikum ein Lächeln auf dem Gesicht. Die unzähligen und oftmals bunt angezogenen Zuschauer reden aufgekratzt miteinander und die vielen als Marienkäferchen oder Kätzchen verkleideten Kinder springen zwischen den Beinen ihrer Eltern umher, schiessen mit ihren Käpslipistolen und jauchzen vergnügt. Das Wetter in der fünften Jahreszeit scheint für die meisten Fasnächtler zweitrangig zu sein. «Das Beste am Chamer Umzug finde ich, dass sich hier alle Leute aus dem Dorf wieder einmal treffen. Da ist die Stimmung automatisch ausgelassen, egal wie das Wetter ist», meint auch der Chamer Pascal Marty, der mit seiner Freundin auf den Beginn des Umzugs wartet.

Viel Konfetti, wenig Wartezeit
Mit einem lauten Knall wird der Umzug schliesslich eröffnet, und bald darauf klingen auch schon die lauten Trompeten der Villette-Chlöpfer durch das Dorf. Anders als bei vielen Umzügen müssen sich die Zuschauer in Cham nicht erst die Beine in den Bauch stehen, bis die ersten Fasnachtsgruppen vorbeikommen. Natürlich fehlt auch an diesem Umzug die Konfettischleuder nicht, die ihre farbigen Papierfetzen auf die nassen Haare der Zuschauer feuert. Kurz danach wird man nochmals mit Konfetti bedeckt. Diesmal mit weissen, die aus einer riesigen Milchkanne geworfen werden. Diese Gruppe nimmt mit ihrem Wagen das Auf und Ab des Milchpreises auf den Arm.

Lokale Politik thematisiert
Nicht nur der Milchpreis, sondern auch andere politische Sujets prägen neben vielen verkleideten Schulklassen das Bild. Da werden geklonte Bundesräte in Kinderwagen sowie die Querelen in der Armee und im Bundeshaus auf die Schippe genommen. Mit dekorierten Wagen weist man auf die Legalisierung von Cannabis, das Off-Roader-Problem und auf die Raucherdebatte hin. Aber auch die lokale Politik bekommt ihr Fett weg. Der Bettenmangel im Kantonsspital ist ebenso fasnächtlich verarbeitet worden wie das Problem der Schulen Cham mit ihrem Rektor. «Ich mag es, dass der Umzug in Cham immer schön kritisch gegenüber der Politik ist», meint Pascal Marty, auf die Sujets der Fasnachtsgruppen angesprochen.

Zum Ende treffen sich alle Teilnehmer auf dem Kirchenplatz, um noch weiter zu feiern. Marty und seine Freundin machen sich jedoch auf den Heimweg: «Wir haben unser Pulver an der Fasnacht schon verschossen, jetzt müssen wir erst mal auskurieren.»

Stephanie Hess