Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

CHAM: Die Tage im Städtli sind bald gezählt

Die Spielgruppe «Chnopf» muss wegen Eigenbedarfs der Gemeinde weichen. Leiterinnen und Eltern wehren sich dagegen.
Andrea Muff
Für viereinhalb Stunden die Woche spielen die Kinder in den selbst hergerichteten Räumen der Spielgruppe «Chnopf». (Bild Stefan Kaiser)

Für viereinhalb Stunden die Woche spielen die Kinder in den selbst hergerichteten Räumen der Spielgruppe «Chnopf». (Bild Stefan Kaiser)

Andrea Muff

Kleine farbige Knöpfe kleben auf dem Boden im Osttrakt des Schulhauses Städtli 1 in Cham. Sie zeigen den Weg zur Spielgruppe «Chnopf». Dieser führt über eine Treppe ins Untergeschoss zur früheren Zivilschutzanlage. Ein Holzgatter unterteilt den langen Gang in zwei Hälften. Hinter dem Gatter stehen kleine regenbogenfarbige Stühle, darunter sind Gummistiefel, darüber hängen «Lüchzgi» und Jacken fein säuberlich am Haken.

Modulare Tagesschule wächst

Seit 25 Jahren spielen drei- bis fünfjährige Kinder im Schulhaus Städtli. In der Zivilschutzanlage trifft sich die Spielgruppe seit 19 Jahren. Gabi Nussbaumer und Lisbeth Wäspi sind seit 15 Jahren die Leiterinnen. Eine Beständigkeit, die diesen Sommer ein Ende nehmen soll. Denn die Gemeinde Cham hat für die Räume im Osttrakt des Schulhauses Eigenbedarf angemeldet. Dort ziehen die Mittags- und Teile der Nachmittagsbetreuung der modularen Tagesschule ein. Christine Blättler-Müller, Vorsteherin Soziales und Gesundheit, erklärt: «Die modularen Tagesschulen verzeichnen infolge der steigenden Schülerzahlen ebenfalls ein starkes und anhaltendes Wachstum.» Das Angebot nehmen aktuell 365 Schüler in Anspruch, davon sind rund 170 aus dem Raum Städtli. Damit die Schüler aber dort verweilen können, müssen die Räume noch den Anforderungen entsprechen hergerichtet werden. «Wir prüfen derzeit verschiedene bauliche Massnahmen», fügt Blättler an.

Die Spielgruppenleitung fühlt sich durch die Ankündigung der Gemeinde vor den Kopf gestossen. Zusammen mit betroffenen Eltern machen sie ihrem Ärger in einem Leserbrief Luft, der am 4. Mai in unserer Zeitung publiziert worden ist: «Wir fordern den Gemeinderat auf, alles in seiner Möglichkeit Stehende zu veranlassen, damit der Spielgruppe ‹Chnopf› im Gebiet Städtli ein passender Standort angeboten werden kann.» Wenn nicht, ist im Sommer Schluss. Die Spielgruppe hätte zwar noch bis Anfang 2017 in den Räumen bleiben können. «Wir wollten nicht nur ein halbes Jahr anbieten, weil es für die Eltern fast unmöglich wäre, einen zweiten Halbjahresplatz zu finden», erläutert Nussbaumer die vorzeitige Auflösung. Ihren drei Angestellten haben die Leiterinnen bereits per Juli gekündigt.

Das Ersatzangebot der Gemeinde sieht folgendermassen aus: Im Kleinschulhaus Enikon könnte die Spielgruppe Räume mieten, die momentan von der Musikschule benutzt werden. Das ist aber mit finanziellem Mehraufwand verbunden. Lisbeth Wäspi erklärt: «Die Miete im ‹Enikon› ist viermal so hoch wie die der Zivilschutzanlage. Das können wir nicht alles auf die Eltern abwälzen.»

Keine Alternativen

Seit der Einführung der Betreuungsgutscheine Anfang Jahr steht aber fest: «Die Gemeinde kann keine einzelnen Angebote mehr bevorzugt behandeln, und es spielt der freie Markt. Gemeindeeigene Räume müssen zu marktüblichen Preisen an die Spielgruppen vermietet werden.» Weitere Alternativen gebe es nicht.

Auch die Umgebung des Ersatzstandorts sei nicht optimal, denn «es gibt dort schon andere Spielgruppen in der direkten Nachbarschaft – eine gar auf Sichtweite». Heute sieht die Situation folgendermassen aus: «Wir sind die einzige Spielgruppe im Gebiet Städtli und waren immer schon im Voraus ausgebucht – wir führten eine Warteliste», versichert Gabi Nussbaumer, die für die Administration zuständig ist. Mit dem neuen Standort geht eine Vereinbarung mit der Gemeinde einher, welche die beiden Frauen hätten unterzeichnen müssen. Damit hätte die Spielgruppe zugestimmt, die Anfang Jahr eingeführten Betreuungsgutscheine der Gemeinde anzuerkennen (siehe Box). Das kommt für die Leiterinnen nicht in Frage: «Die in der Vereinbarung enthaltenen Punkte verteuern zusätzlich das Geschäft», erklärt Wäspi.

So wie sich die Situation ab kommendem Sommer wohl darstellt, können die Eltern die 40 Kinder der Spielgruppe «Chnopf» nicht mehr ins Schulhaus Städtli bringen und müssen deshalb nach einer anderen Lösung suchen: «Viele Eltern bringen ihre Kinder nun mit dem Auto nach Hünenberg oder Steinhausen, da es dort noch keine Betreuungsgutscheine gibt und die Spielgruppen dadurch günstiger sind», sagt Wäspi.

Hoffnung stirbt zuletzt

An eine Lösung im Schulhaus Städtli glaubt Nussbaumer aber immer noch: «Es wäre schön, wenn die modulare Tagesschule und unsere Spielgruppe die Räume gemeinsam nutzen könnten.» Und gibt zu: «Ich hoffe bis zum letzten Tag. Vielleicht wird uns ja noch ein anderer Raum rechts von der Lorze angeboten.»

Betreuung in Cham

Cham mua. Über die Einführung der Betreuungsgutscheine wurde am 14. Juni 2015 an der Urne abgestimmt. «Damit erkennt die Gemeinde Cham die Spielgruppen als Angebot der frühkindlichen Bildung an und verankert das Angebot erstmals reglementarisch. In der Vereinbarung werden insbesondere die Ziele, die Leistungen und die Qualitätsstandards definiert», fasst Gemeinderätin Christine Blättler-Müller zusammen.

Betrag auf dem Konto
Mit dem Betreuungsgutschein wird den Eltern je nach finanzieller Situation ein Betrag auf ihr Konto überwiesen, um damit die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung zu vergünstigen. Darunter fällt auch die Betreuung durch Spielgruppen. «Die Subventionen werden nicht mehr nach dem ‹Giesskannen-Prinzip›, sondern bedarfsgerecht ausgerichtet», so die Sozialvorsteherin.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.