CHAM: Ein Bauer setzt auf das alte Getreide

Rund 1 Tonne Hirse liefert Landwirt Peter Werder dieses Jahr an die lokalen Betriebe. Der nasse Sommer war für die Ernte aber nicht optimal.

Rahel Hug
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Anfang September hat Landwirt Peter Werder aus Bibersee seine Hirse geerntet. (Bilder PD)

Anfang September hat Landwirt Peter Werder aus Bibersee seine Hirse geerntet. (Bilder PD)

Sie enthält viele Mineralstoffe und Spurenelemente und ist deshalb besonders gesund für Knochen, Gelenke, Haut und Nägel: Die Rede ist von der Hirse. Trotzdem ist das gesunde Getreide in unseren Breitengraden in Vergessenheit geraten. Anders war das noch vor vielen Jahren: Der Anbau von Hirse ist im Kanton Zug bis in die Spätbronzezeit (um 1000 vor Christus) nachgewiesen. Als «Hirsehochburg» galt die Gemeinde Cham. Noch heute zeugen Ortsnamen wie beispielsweise der Hirsgarten von der langjährigen Tradition.

Die Hirse wieder bekannt zu machen, hat sich eine 2012 gegründete Gruppe auf die Fahne geschrieben. Die Interessengemeinschaft Chomer Hirse hat gemeinsam mit lokalen Betrieben verschiedene Produkte mit Hirse entwickelt. Heute erfreuen sich die Hirsewurst, das Hirsegebäck und das Hirsebier bereits grosser Beliebtheit.

Menü mit Hirsewurst

Nun hat die IG, die von Gemeindepräsident Bruno Werder präsidiert wird, eine neue Aktion geplant, um dem Chomer Urgetreide eine weitere Ehre zu erweisen. Von 27. Oktober bis 10. Dezember finden die Chamer Hirsewochen statt. Die Bäckereien Amstad, Nussbaumer und von Rotz bieten in dieser Zeit Gebäck aus Hirse an, die Metzgerei Bleicher die Hirsewurst, und in den Gasthäusern und bei den Getränkehändlern wird Hirsebier verkauft. Im Landhaus Steirereck im Restaurant Kreuz wird zudem ein Menü mit Hirsewurst angeboten.

«Bisher haben wir die Produkte vorwiegend am Chomer Märt und am Dorfmärt präsentiert», sagt Bruno Werder. Jetzt wolle man einen Schritt weiter gehen – mit dem Ziel, dass die Hirseprodukte weiter an Beliebtheit gewinnen.

Ernte Anfang September

Der Rohstoff für alle Leckereien, die während der Hirsewochen in Cham gekauft werden können, stammt nicht etwa aus dem Ausland, sondern wird direkt vor der Haustüre angebaut, und zwar in Bibersee bei Bruno Werders Sohn, Landwirt Peter Werder. Anfang September hat er die Hirse geerntet, die er im Mai ausgesät hat. Von den über 2 Tonnen Getreide geht etwa 1 Tonne an die lokalen Betriebe für das Projekt «Chomer Hirse». Den Rest liefert er an die Biofarm-Genossenschaft, die seit 2004 den Bio-Anbau von Speisehirse in der Schweiz wieder aufgebaut hat. Werder ist der einzige Zuger Landwirt, der auf den Anbau von Hirse setzt. «Nach der Ernte wird die Hirse in die Getreideannahme Eichmühle nach Beinwil gebracht», erklärt Peter Werder. Dort müsse sie nachtrocknen und werde vor der Weiterverarbeitung gelagert. Später werden daraus Goldhirse und Hirseflocken hergestellt.

Insgesamt sei das Hirsejahr aber nicht so gut gewesen wie das letzte, erklärt der Landwirt aus Bibersee: «Zwar herrschten im Frühling super Bedingungen für die Aussaat, der Sommer jedoch war nicht optimal», so Werder. Die Hirse sei eine Pflanze, die Trockenheit gerne habe.

Anfängerglück im letzten Jahr

Zum Vergleich: Im Jahr 2013 – seinem ersten Anbaujahr – hat Werder 3,5 Tonnen Hirse geerntet. «Da war auch ein bisschen Anfängerglück dabei», sagt der Landwirt. Ertragsschwankungen gehörten in der Landwirtschaft dazu. Er habe aber trotzdem viel dazugelernt im zweiten Anbaujahr. «Denn der Hirseanbau braucht viel Fingerspitzengefühl.» Dieses will Peter Werder auch im nächsten Jahr unter Beweis stellen – unter anderem, weil die Hirse für einen Landwirt anbautechnisch interessant ist: «Man kann sie sehr spät säen, und sie hat eine Vegetationszeit von nur 100 Tagen.» Wieso also das Getreide aus den USA oder Osteuropa importieren, wenn es auch hierzulande produziert wird?

Hinweis

Weitere Infos gibts unter www.zuger-hirse.ch