CHAM: Ein ehemaliger Kochlehrling packt aus

Steivan Steiner verarbeitet in einem Buch seine Erlebnisse in einer Grossküche. Heute hat der Autor einen ganz anderen Beruf.

Rahel Hug
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Steivan Steiner schrieb ein Buch über seine Erlebnisse als Koch. (Bild: Christian Herbert Hildebrand / Neue ZZ)

Steivan Steiner schrieb ein Buch über seine Erlebnisse als Koch. (Bild: Christian Herbert Hildebrand / Neue ZZ)

«Es war eine Lebensschulung. Ich wusste, dass es streng wird, aber so streng, das hätte ich mir nie träumen lassen.» Das schreibt Steivan Q. Steiner (29) im Vorwort zu seinem Erlebnisbericht «Der Kochlehrling». Das Buch ist im Mai im Zuschussverlag «August von Goethe» erschienen. Darin beschreibt der Chamer seine Erlebnisse während der Lehre im «Grand Hotel Dolder» in Zürich.

Er wollte schon früh Koch werden

Steiner hat seine Lehre im Jahr 2000 begonnen. «Koch war schon als Kind mein Traumberuf», so Steiner. Nach einem komplexen Auswahlverfahren hat er es als 16-Jähriger ins «Dolder» geschafft. Er war fasziniert von der internationalen Küche, von der Welt der Schönen und Reichen: «Ein arabischer Scheich hat einst mit seinen sieben Frauen und seinen Bodyguards einen ganzen Stock gemietet.» Für solche Gäste mussten die Köche laut Steiner häufig ganze Buffets aufstellen, die eigentlich für 50 Personen reichen würden. Als Koch werde man von diesen Leuten kaum persönlich wahrgenommen: «Man ist einfach der Mann im weissen Hemd», so der 29-Jährige.

Während seiner Ausbildung hat Steivan Steiner oft mit dem Druck und dem Stress in der Gastronomie zu kämpfen gehabt: «Ich hatte während der ganzen Lehre nie eine Freundin, und meine Kollegen habe ich sehr selten gesehen.» Er sei aber dennoch stolz, die Lehre zu Ende gebracht zu haben: «Ich musste oft auf die Zähne beissen, aber das war es wert.» Er habe auch viele positive Erfahrungen gemacht: «Meine Kollegen in der Küche haben mich während der Lehre immer motiviert weiterzumachen», so Steiner. Zudem habe er sehr viel Spannendes gelernt. Alles in allem beschreibt er sein Verhältnis zum Kochberuf als eine Art Hassliebe: «Ich habe oft darüber geflucht und dann wieder grosse Freude daran gehabt.»

Vom Koch zum Lokführer

Nach seinen acht Jahren als Koch hat sich Steivan Steiner einen weiteren Bubentraum erfüllt: Seit zwei Jahren arbeitet er als Lokführer bei den SBB. Er ist zufrieden mit den Arbeitszeiten, hat genügend Freizeit. Vor drei Jahren kam bei ihm die Idee auf, seine Vergangenheit als Koch «noch einmal aufleben zu lassen». So hat er spontan mit Schreiben begonnen, hat seine Lehrzeit rekon­struiert. «Damals hatte ich nicht unbedingt die Absicht, daraus ein Buch werden zu lassen», sagt Steiner. Jetzt liegt sein Erlebnisbericht in einer Auflage von 2000 Exemplaren vor. Mit seinem Buch will Steiner «keineswegs» Lehrlinge abschrecken: «Es soll eher eine Entscheidungshilfe für junge Leute sein, die sich nicht sicher sind, ob sie tatsächlich in diesem Beruf arbeiten wollen.»

Zudem will Steiner auch den Respekt gegenüber dem Küchenpersonal fördern. «Das, was hinter der Fassade, also in der Restaurantküche, passiert, sehen die meisten gar nicht», so Steiner. Das Feinste und Schönste werde oft von denen hergestellt, die am härtesten arbeiten und am wenigsten verdienen. «Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, das ist mir ein Anliegen.»

Der Traum vom eigenen Restaurant

Steiners grosse Leidenschaft, das Kochen, wird ihn trotz neuem Beruf immer weiter begleiten: «Ich könnte mir vorstellen, ein eigenes Restaurant zu eröffnen», so der 29-Jährige. Und wie stellt er sich dieses Restaurant vor? «Es wäre verspielt und doch klassisch, mit einer gehobenen, guten Küche, aber für jedermann zugänglich und bezahlbar.» Wer weiss, vielleicht wird der Lokführer und junge Autor in ein paar Jahren als Wirt tätig sein. Und was ist eigentlich sein persönliches Lieblingsgericht? «Rahmschnitzel mit Nüdeli», sagt Steiner wie aus der Pistole geschossen.

Hinweis

«Der Kochlehrling» ist im August von Goethe Literaturverlag erschienen. Das Buch ist bei den Schweizer Grossbuchhandlungen online erhältlich und kostet 18.90 Franken.