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CHAM: Ein Jahrhundert-Schulhaus

Am 13. Mai 1917 – vor 100 Jahren – wird das Kirchbühl feierlich eingeweiht. Der Lokalhistoriker Jürg Johner blickt in einem Gastbeitrag zurück auf die Anfänge des Zeitzeugen – und würdigt die Architektur.
Jürg Johner*
Frühjahr 2017: Die Kirchbühl-Schüler erleben anlässlich des Jubiläums eine Unterrichtsstunde wie vor 100 Jahren. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 10. Mai 2017))

Frühjahr 2017: Die Kirchbühl-Schüler erleben anlässlich des Jubiläums eine Unterrichtsstunde wie vor 100 Jahren. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 10. Mai 2017))

Jürg Johner*

redaktion@zugerzeitung.ch

«Cham hat ein neues und prachtvolles Schulhaus, das seinesgleichen im Zugerland und bis nach Luzern und Zürich sucht. Es setzt einen Markstein im Schulwesen und einen Wendepunkt im Schul-betrieb!»

Also erschallte es aus dem Munde des Chamer Gemeindepräsidenten Bernhard Baumgartner anlässlich der festlichen Einweihung des Schulhauses Kirchbühl am 13. Mai 1917. Ferner rühmte er diesen «weitherum schönsten und modernsten Bau im Zeitalter des Fortschritts als Lernschule wie als Arbeitsschule». Hiermit landete er inhaltlich und zeitlich einen Volltreffer, wechselte doch erst 1959 das Gros der Primarschülerschaft in das Schulhaus Städtli und bezog die Sekundarschule 1975 das Schulhaus Röhrliberg. Die Feier selbst wickelte sich wie folgt ab: Festgottesdienst, Abschiedsfeier, Festzug, Eröffnung und Besichtigung, Produktionen der Musikgesellschaft, des Männerchors, des Orchestervereins, der Damenriege, des Turnvereins, der Töchter-Fortbildungsschule, der Fahnenschwinger, Gratulation des Erziehungsdirektors Plazidus Steiner zum «monumentalen Gebäude mit zeitgemässen Einrichtungen als beispielhaftes Werk für die Jugend». Trotz Kriegszeit und einschneidender Lebensmittelrationierung erhielt jedes Kind einen ganzen Cervelat zum «Zobig»!

Schlaglichter auf die Entstehungsgeschichte

Die Gemeindeversammlung (GV) des 25. Aprils 1912 bestellte eine Kommission für den Bau auf der Hügelkuppe des «Zündhölzlibergs», wo die Bürgergemeinde das Terrain von 980 Quadratmetern zu annehmbaren Konditionen veräusserte, mit Baumgartner als Vorsitzendem und Gemeindeschreiber Siegfried Kuhn als Aktuar. Das Plenum tagte 26 Mal, ein Ausschuss 203 Mal, Subkommissionen 55 Mal – und allesamt nach heutigem Sprachgebrauch «benevol»! Am 12.12.12 (!) sprach die GV den Planungs- und Projektierungskredit. Den Wettbewerb gewann das ideenreiche Zürcher Architekturbüro Karl Knell und Alfred Hässig. Hierauf genehmigte die GV des 7. Septembers 1913 den Schulhausbau, jene des 5. Aprils 1914 eine Erweiterung um einen Südflügel analog jenem auf der Nordseite. Der Kriegsausbruch behinderte den Fortgang der Arbeiten, brachte sie aber nicht völlig zum Stillstand, sodass sie nach dem Spatenstich vom 12. April 1915 hauptsächlich in diesem und dem nächsten Jahr zur Ausführung gelangten. Die totale Bausumme belief sich auf 620 797.35 Franken, wobei der Kanton mit seiner Subvention von 196 000 Franken stolze 30 000 Franken mehr entrichtete denn gesetzlich vorgeschrieben.

1706 setzte der Schulunterricht in Cham im Pfrundhaus, dem heutigen Sigristenhaus, ein; er fand ab 1786 im Kaplanenhaus sowie im Armenhaus an der Obermühlestrasse statt, noch immer unter der Obhut des Kirchenrates. 1840 erfolgte der Bau des «Neuhauses» als Gasthaus (heute Gemeindehaus), welches die Gemeinde nach dem Kauf von 1855 als Schulhaus verwendete. 1861 formierten sich die Schulkreise Cham und Hünenberg und begann der Unterricht auf der Sekundarstufe. 1879 übernahm die Einwohnergemeinde das Schulwesen. 1903 dislozierte die Knaben-Sekundarschule in das Spritzenhaus, derweil sich die Mädchen im späteren Gemüseladen Schoch an der Hünenbergerstrasse einnisteten.

Nicht bloss pädagogisch, auch architektonisch stellt das Kirchbühl-Schulhaus einen herausragenden Zeitzeugen, nämlich des expressiven Neubarocks, dar. Palastartige Gravität kennzeichnet die eminente Bedeutung, welche der Zeitgeist der Schulbildung beimass. Der wuchtige, dreigeschossige Baukörper trägt ein hohes Walmdach mit kielbogigen Quergiebeln. Das Bijou im Innern stellt der aufwendig und sorgfältig durchgestaltete Singsaal mit gestuftem Raumabschluss mit leicht erhöhtem Mittelteil dar. Ihn charakterisieren eine für den Heimatstil typische Auskleidung in Fichtenholz und ornamentale Heizkörper-Verkleidungen. Der Chamer Robert Schiess schuf Bildnisse von Kommandanten der Schweizergarde.

Der erstaunlich reichhaltige figürliche Reliefschmuck stammt sogar aus Frauenhand, nämlich jener Ida Schär-Krauses, einer der frühesten Bildhauerinnen überhaupt. Der Chamer Bär bekrönt zwischen geschweiften Giebelansätzen das Hauptportal aus Kunststein, begleitet von zwei kleineren, Girlanden tragenden Bären; darunter nehmen Szenen mit Falken, Eichhörnchen, Äffchen und Zwillingen sowie kleinen Kindern die Kapitellzone der seitlichen Pilaster sowie die Hohlkehlen der Türgewände ein. An der Türumrahmung der Hauswartwohnung gewahren wir in origineller Zusammenstellung mehrere Schlüsselbünde – das Zeichen der Pförtner, und zwar Hammer, Zange und weitere Werkzeuge und als Schlussstein eine Schwalbenmutter, die ihre Jungen am Nest füttert. Ida Schär-Krause gestaltete ebenso den Kunststeinbrunnen des Erdgeschosses des Schulhauses mit einem Kind als Brunnenfigur und reliefierten Tierszenen.

Hinweis: *Jürg Johner ist Lokalhistoriker und lebt in Cham.

Eine historische Aufnahme des Schulhauses. (Bild: PD)

Eine historische Aufnahme des Schulhauses. (Bild: PD)

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