CHAM: Ein Schatten-und-Licht-Spiel auf gebranntem Ton

Im Ziegeleimuseum gingen am Freitagabend die Lichter aus. Die Führung im Dunkeln eröffnete interessante Perspektiven.

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Stefanie Steiner (links) erklärt, was in der Ziegelhütte gemacht wurde. (Bild: Christian H. Hildebrand (20. Januar 2017))

Stefanie Steiner (links) erklärt, was in der Ziegelhütte gemacht wurde. (Bild: Christian H. Hildebrand (20. Januar 2017))

Die Geschichte des Ziegeleimuseums beginnt 1873. Die Handziegelei der Familie Lörch wandelte sich von einem einfachen Familienbetrieb innerhalb 130 Jahren zu einem Museum, welches die Öffentlichkeit in das Geheimnis der Ziegelherstellung entführt. Am Freitagabend wurden die Türen des Museums trotz der Wintersaison geöffnet, und auf die Besucher warteten besondere Einblicke. Die Idee einer Führung im Dunkeln, nur mit einer Taschenlampe ausgerüstet, stammte von Judith Matter, Leiterin für Bildung und Vermittlung des Ziegleimuseums. «Wir wollten mit dieser Führung inte­ressierten Besuchern auch im Winter etwas anbieten und das Museum besonders erlebbar machen», so erklärt Judith Matter ihre Idee. Und tatsächlich scheint der Plan zu funktionieren. Am eisig kalten Abend stapfen rund 30 mutige Besucher jeweils in zwei Gruppen unterteilt durch den Schnee. Angekommen in der luftigen Ziegelhütte, wird das Gebälk der Ziegelei nur durch Kerzenschein beleuchtet.

Im Zentrum steht der grosse Brennofen, in welchem bei rund 1000 Grad zwei- bis dreimal pro Jahr trockene Ziegel-Rohlinge gebrannt wurden. «Herrschte un­ten eine Gluthitze, konnte man sich oben im Dachstock wunderbar aufwärmen in kalten Nächten», erklärt Stefanie Steiner, stellvertretende Museumsleiterin und Archäologin. Der Lehm für die Ziegel wurde im Herbst und Winter abgebaut und in der warmen Jahreszeit dann zu Backsteinen und Ziegeln verarbeitet.

Etwas Seekatastrophe in der Ziegelhütte

In der dunklen Winternacht erfahren die Besucher unter dem Gebälk der alten Ziegelei einige spannende Fakten über diese. Die Hütte der Ziegelverarbeitung wurde 1896 mit Holz der Zuger Seekatastrophe erweitert. Während 24 Stunden musste der Ofen bedient werden, wobei zuerst ein Gewölbe aus Kalkstein gebaut wurde und erst später Brenngut dazukam. «Kalkstein brennt, daraus entstand zu einem späteren Zeitpunkt gelöschter Kalk: Extrem aggressives Material, welches die Bauern in ihren Ställen einsetzten, um Bakterien zu töten», so Stefanie Steiner. Die Bauern der Umgebung seien bis in die Strasse angestanden, um etwas davon zu erhalten.

Die Tonaufnahme eines Ziegelbuben lässt die anstrengende Arbeit noch etwas realistischer erfahren. Während Tag und Nacht musste der Ofen bedient werden. «Wir haben viele Tiere gesehen, und die Arbeit hat mich stark gemacht», so die Worte des Ziegelbuben Joseph Flüeler. Wer sich wundert, warum das Wohnhaus der Familie Lörch auf den Fotos aus drei Stockwerken bestand, heute aber nur zwei Stockwerke zu sehen sind, bekommt auch darauf eine Antwort. Beim Autobahnbau 1975 wurde das kleine Tal, wo die Ziegelei stand, in eine Aushubdeponie umgewandelt. So verwandelte sich der erste Stock in ein Kellergeschoss. Eine Vorreiterrolle übernimmt das Ziegelmuseum in der Energietechnik. Anstatt mit einem Solarpanel ist das Ziegeleimuseum mit einzelnen Solarziegeln ausgestattet.

Schatten machen Motive besser sichtbar

Nach der informativen Führung in der Ziegelhütte wurde die Exkursion im dunkeln Ziegeleimuseum fortgeführt. 2003 gebaut, führt es durch die Geschichte der Ziegelherstellung. «Es ist extrem beeindruckend, wie die Motive der Ziegel nur durch eine Taschenlampe beleuchtet besser zum Vorschein kommen. Man sieht durch das Spiel von Licht und Schatten viel mehr als am Tag», so Rolf Bonet aus Steinhausen. Und tatsächlich scheinen die Besucher in der Dunkelheit genauer hinzuschauen.

Carina Blaser

redaktion@zugerzeitung.ch