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CHAM: Er baut Bauernhäuser im Massstab 1:60

Jedes Bauernhaus von Edi Kistler sieht exakt aus wie das geschützte Original. Ein Haus aus Escholzmatt ist nun sein letztes Projekt.
Monika Wegmann
Rund ein Jahr dauert es, bis Edi Kistler ein Bauernhaus-Modell gebaut hat. (Bild Werner Schelbert)

Rund ein Jahr dauert es, bis Edi Kistler ein Bauernhaus-Modell gebaut hat. (Bild Werner Schelbert)

Monika Wegmann

Noch sind etliche Arbeitsstunden nötig, bis Edi Kistler sein letztes Modellhaus fertiggestellt hat. Das richtige «Wissemmeli» stand im luzernerischen Escholzmatt, mittlerweile wurde es zurück- und im Ballenberg neu aufgebaut. Die Kopie davon baut der 70-jährige Chamer in seinem persönlich entwickelten Massstab von 1:60 in unzähligen Stunden nach.

Ein Jahr Bauzeit

Das ist so einfach gesagt. Auf den ersten Blick ist jedoch nicht sichtbar, welche immense Arbeit in seinen zirka 20 bis 30 Zentimeter hohen Objekten steckt. Edi Kistler benötigt für jedes Haus rund ein Jahr Zeit. «Ich baue das ganze Haus vollständig von Hand», erklärt er. «Ich benütze keinen Modellsatz, sondern baue die Häuser mit ihrer Umgebung originalgetreu aus Material, das ich selber suche.» Entweder gebe es die Teile, oder er stelle sie selber her. «Denn vieles kann man nicht kaufen. So habe ich die kleinen Wabennetze hinter den Butzenfenstern des Nidwaldner Hauses per Zufall auf der Strasse gefunden.»

Da kann es vorkommen, dass er in einem Restaurant ein geflochtenes Brotkörbchen entdeckt, dessen Material sich hervorragend als Baustoff eignet. «Ich kläre dann ab, wo es diese Körbchen zu kaufen gibt.» In der Natur hat Edi Kistler die winzigen Schiefersteine für die Wände und das Dach des Tessiner Hauses sowie die Minibäumchen gefunden. Für das Strohdach des Lüscher-Stauffer-Museums aus Muhen hat er einige Bürsten zerzaust: «Und bei allen Teilen muss immer der Massstab stimmen!»

Wenige Millimeter kleine Teile

Er ist ein Perfektionist, wenn es darum geht, mit feinsten Sägen die Schnitzereien eines Balkons oder die nur einige Millimeter grossen Schindeln und Ziegel aus Holz nachzubilden. «Die Schindeln habe ich einzeln ausgestochen und aufgeklebt», erklärt der 70-Jährige. Zu seinen Werkzeugen gehören weiter Pinzette und Lupe, obwohl seine Augen für die Miniteile noch immer sehr gut sind. Und dank seiner berufliche Erfahrung kommt der frühere Elektroingenieur mit den kleinsten Teilchen bestens zu Rande.

Das Knuttihaus ist für Edi Kistler das schönste Simmentaler Gebäude. Jetzt steht es in seiner ganzen Pracht bei ihm als Miniatur in der Stube. Stolz berichtet er, wie die Eingänge, Türen und die verstrebten Fenster entstanden sind. Eine wichtige Rolle spielt bei diesem und bei anderen Objekten Kistlers Frau Lilo, die ihren Mann nicht nur unterstützt, sondern spürbar Gefallen an den Häusern gefunden hat. Die wunderschönen Malereien an der vorderen Fassade und unter dem Vordach stammen von ihr.

Bevor die Bauerei jeweils losgegangen ist, hat Edi Kistler in Büchern des Heimat- und Denkmalschutzes interessante Objekte herausgesucht und sich vor Ort jeweils angesehen. «Wenn es mir gefiel, fotografierte ich das Haus von allen Seiten.» Natürlich erst, wenn die Bewohner dies erlaubten. «Meine Frau redete jeweils mit den Leuten und erklärte ihnen, warum wir uns für das Gebäude interessierten.»

Originale ausgemessen

Nicht immer habe es mit dem Kontakt sofort geklappt. Erst wenn die Leute eines seiner Modelle gesehen hätten, sei die Stimmung umgeschlagen. «Manche waren erst dann hell begeistert», sagt der Hobbybauer stolz. Pläne der Gebäude erhielt er von der Denkmalpflege, vom Ballenberg oder von den Hausbesitzern. Wo es keine Pläne gab, durfte er sogar selbst ausmessen. So war es ebenfalls bei seinem allerersten Modell vor rund 40 Jahren. Die Idee dafür kam ihm auf einem Bänkli vor dem schönen, alten Baselbieter Haus, in dem seine Frau Lilo aufgewachsen ist. «Ich wollte ihr das Gebäude zur Erinnerung nachbauen», sagt Kistler mit einem liebevollen Blick auf seine Gattin. Da er abends nicht nur fernsehen wollte, fing er an zu basteln, zuerst daheim und heute in einem externen Raum in Steinhausen.

Sammlung ist unbezahlbar

Sein grosses Vorbild ist der Ballenberg, wo die verschiedenen Haustypen der Schweiz zu sehen sind. «Mit meinen 14 Häusern decke ich bald die wichtigsten Regionen der Schweiz ab», ist er überzeugt. Der Chamer will mit seiner Sammlung die unterschiedlichen Charaktere der Hausformen der breiten Bevölkerung aufzeigen – und vor allem damit Freude bereiten. Dass ihm dies gelingt, hat er bereits an einer Ausstellung im Forum Zugerland feststellen können, die sehr gut besucht gewesen sei. Kistler: «An Altersnachmittagen habe ich ebenfalls schon meine Häuser erklärt und zu jedem eine Geschichte erzählt.»

Mit der Vollendung des Luzerner Hauses im Frühling will Kistler die Bauarbeit einstellen. Dann hat er mehr Zeit für die anderen Hobbys, das Fischen und den PC-Support für Freunde. Zudem warte auf ihn die «Pensionsarbeit». «Als Erstes will ich kochen lernen und meine Frau bei der Hausarbeit vermehrt unterstützen», verspricht der Rentner. Vielleicht ergäben sich weitere Möglichkeiten, seine Sammlung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Obwohl Edi Kistler schon Angebote erhalten hat, weiss er ganz bestimmt: «Verkaufen werde ich kein einziges Haus – sie sind unbezahlbar!»

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