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CHAM: Er gilt als Erfinder der «Chuchi»

Röbi «Stichel» Stäheli stattet die Guggenmusigen in der Umgebung mit Fahr- und Traggestellen aus. Bereits im Alter von 16 Jahren hat er an seiner ersten «Chuchi» getüftelt.
Ein Paradies für Perkussionsfans: die Werkstatt ... (Bild: Werner Schelbert (Cham, 17. Februar 2017))

Ein Paradies für Perkussionsfans: die Werkstatt ... (Bild: Werner Schelbert (Cham, 17. Februar 2017))

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Wer im Kanton Zug in einer Guggenmusig Schlagzeug spielt, der hat mit allergrösster Wahrscheinlichkeit schon Bekanntschaft mit Röbi Stäheli gemacht. Ohne ihn müssten nämlich die Drummer ihre Perkussionsinstrumente während der Fasnacht mühselig herumtragen oder selbst eine Vorrichtung zusammenschustern, um beim Musizieren keine Rückenschmerzen zu bekommen. Röbi Stäheli ist der Erfinder der legendären «Stäheli-Chuchi», eines Gestells auf Rädern, auf das die Trommeln, Toms, Hi-Hats, Tschinellen und Glocken gepackt werden können. Kaum eine Guggenmusig in Zug und der Innerschweiz kommt heute ohne seine «Wägeli» aus.
Der 60-jährige Chamer ist ein Tüftler, wie er im Bilderbuch steht. Er empfängt uns in einer blauen Latzhose in seiner Werkstatt an der Alten Steinhauserstrasse 38. Hier riecht es nach Schmieröl, aus den Boxen tönt Radiomusik, und zwischen den Drehbänken und Fräsmaschinen türmen sich Werkzeuge, Einzelteile und Erinnerungsstücke. Man sieht: Hier arbeitet einer, der seinen Beruf mit Leidenschaft ausübt. Der obere Stock ist ein Paradies für Perkussionsfans und andere Musikfreaks. Hier steht ein Gestell mit über 200 verschiedenen Schlagzeugstöcken, da ein weiteres mit Fellen verschiedenster Marken und daneben Pauken, Cajones und Djembés, Tschinellen, Glockenspiele, Pedale aller Art und Rasseln, so weit das Auge reicht. Aber auch Trompeten, Posaunen und Hörner findet man hier.

Persönlicher Kontakt ist wichtig

Anfang der 1980er-Jahre stieg Röbi Stäheli ins Geschäft seines Vaters ein. Zunächst konzentrierte er sich auf den Verkauf und die Reparaturen von Schlagzeugen und den Vertrieb seiner «Stäheli-Chuchi». Im Laufe der Jahre baute er sein Geschäft Schritt für Schritt aus. Heute verkauft und repariert er auch Blasinstrumente. «Mein Betrieb hat sich zunehmend zu einem Musikhaus gewandelt», erzählt der Mann mit dem verschmitzten, sympathischen Lachen. Und ein Musikhaus, so die Ansicht von Stäheli, muss ein Begegnungsort sein. Im ersten Stock seiner Wirkungsstätte hat er eine Kaffee-Ecke eingerichtet, seine Kunden kennt er fast alle beim Namen. «Meine Konkurrenz verkauft auch über das Internet, doch für mich ist das nichts», erzählt der passionierte Handwerker. Er nehme sich gerne Zeit für die Leute, für ihn zähle der persönliche Kontakt. Und diesen pflegt Röbi Stäheli, der früher selber in mehreren Guggenmusigen und Kleinformationen aktiv war, intensiv. Er steht zwar heute nicht mehr selber am Schlagzeug, ist aber an der Fasnacht als Zuhörer vor Ort. «Ich werde überall herzlich empfangen», berichtet er. Ihm gefalle der Sound der Guggenmusigen. «Das sind heute fast schon Bigbands. Die Gruppen sind zum Teil musikalisch sehr hochstehend.»
Stäheli kennt die Szene im Kanton Zug wie wohl kaum ein Zweiter. Nicht ohne Stolz zeigt er auf ein Gestell voller Ordner, die von einigen Kunden liebevoll «die Bibeln» genannt werden. Jeder Ordner ist einer Guggenmusig gewidmet: Die Descampados aus Zug sind vertreten, die Stracciatellos aus Steinhausen, aber auch die Sonnechöbler aus Ebikon oder die Blattlüüs aus Luzern. Hier bewahrt der Chef alle Informationen über die Instrumente jedes einzelnen Musikers auf. Muss er einmal wissen, welche Sonderwünsche ein Schlagzeuger hat, weiss er, wo nachzuschauen ist – wenn er es nicht sowieso schon im Kopf hat. Bereits als kleiner Junge habe er gerne konstruiert und Dinge gebaut, erzählt Stäheli, der unter Kunden und Freunden auch als «Stichel» bekannt ist. An seinem ersten Traggestell hat er im Alter von 16 Jahren, als er im Betrieb seines Vaters die Lehre absolvierte, getüftelt. «Das war in den 1970er-Jahren. Ich war das Schleppen der schweren Trommeln leid und suchte deshalb nach einer fahrbaren Lösung.» Das Gestell besteht aus zahlreichen Aluminiumteilen, die individuell zusammengebaut werden können. «Es ist vergleichbar mit einem Stokys-Baukasten.» Die Resonanz auf seine Erfindung sei riesig gewesen, blickt der «Vater» des speziellen Schlagzeuggestells zurück. Zu Beginn habe er seine «Wägeli» vor allem an grössere Musikhäuser verkauft.

Keine Ferien seit anderthalb Jahren

Was dann folgte, ist ein weniger schönes Kapitel in Röbi Stähelis Lebenslauf. «Mein damaliger bester Kunde hat mein Produkt kopiert und selber ein Geschäft aufgebaut», schildert er. Heute betreibe dieser einen grossen Handel und sei auch online präsent. So habe sich inzwischen insbesondere im Raum Luzern der Begriff «Gasser-Wägeli» durchgesetzt. «Im Kanton Zug allerdings wissen die meisten Leute noch, dass es meine Erfindung ist.» Seine Idee patentieren zu lassen, hat der dreifache Vater verpasst. «Es wäre sehr teuer gewesen. Ausserdem beschränkt sich der Markt auf die Schweiz, Süddeutschland und Österreich.»

Groll hegt Röbi Stäheli wegen dieser Geschichte längst nicht mehr. Zu gut läuft sein Geschäft, zu gut gefällt ihm seine Arbeit. Im November konnte er seine Verkaufsfläche verdoppeln und eine separate Blaswerkstatt einrichten. «Ich bin zufrieden und habe immer genug zu tun», sagt er. Wobei «genug zu tun» bei ihm fast eine Untertreibung ist. Er habe seit anderthalb Jahren keine Ferien mehr gemacht, verrät der 60-Jährige. Seinem Teilzeitangestellten Dionys Jäger ist es zu verdanken, dass er sich demnächst eine Auszeit gönnen kann. Ende März stehen einige Wochen Neuseeland auf dem Programm. Viel mehr freie Tage werden dieses Jahr wohl nicht drinliegen. Denn für ihn ist nach der Fasnacht vor der Fasnacht. Rund 50 «Chuchis» gilt es jährlich zu produzieren. Und «seine» Schlagzeuger im Stich zu lassen, das käme für einen wie Röbi Stäheli auf gar keinen Fall in Frage.

... und der Laden von Röbi Stäheli. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 17. Februar 2017))

... und der Laden von Röbi Stäheli. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 17. Februar 2017))

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