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CHAM: Er hat in 16 Wochen 16 Kilogramm abgenommen

Arno Grüter (39) hat binnen 16 Wochen 16 Kilogramm abgenommen. Hier erklärt er, wie man seine gewichtigen Jahresvorsätze einhalten kann.
Raphael Biermayr
«Man macht sich einen Sport daraus, der Versuchung zu widerstehen», sagt Arno Grüter. (Bild Werner Schelbert)

«Man macht sich einen Sport daraus, der Versuchung zu widerstehen», sagt Arno Grüter. (Bild Werner Schelbert)

Interview: Raphael Biermayr

Dass Arno Grüter einem entgegenblickt, ist nichts Aussergewöhnliches. Als Politiker ist er auf Plakatwänden zu sehen. Im vergangenen Herbst war er omnipräsent, als er – ohne Erfolg – für den Nationalrat kandidierte. In letzter Zeit häufen sich allerdings unverhoffte Konfrontationen: Grüters Gesicht erscheint auf dem Computerbildschirm. Der Chamer mit Willisauer Wurzeln bewirbt das Abnehmen mit «eBalance.ch». Durch die bewusste Ernährung (siehe Hinweis) senkte Grüter im Jahr 2013 sein Körpergewicht von 101 Kilogramm auf die von ihm anvisierten 85 Kilogramm. Ob der Präsident der FDP Cham ein politisches Schwergewicht werden will, lässt er gegenwärtig offen.

Herr Grüter, wann sind Sie das letzte Mal auf der Waage gestanden?

Arno Grüter: Am Montagmorgen.

Was hat sie angezeigt?

Grüter: 88 Kilo.

Das heisst, Sie liegen derzeit drei Kilo über Ihrem Wunschgewicht.

Grüter: Das stimmt. Man muss dazusagen, dass wir uns eine neue Waage angeschafft haben. Die alte war noch analog und deshalb ungenau. Ich habe das Gefühl, dass ich gar nie 85 Kilo, sondern eher 86 Kilo gewogen habe … Jedenfalls nehme ich nun bis Ostern wieder ab. Ich weiss dank meiner Erfahrung, dass ich das schaffe.

Sind die Feiertage Schuld am Übergewicht?

Grüter: Natürlich. Ich ging nach den Sommerferien etwas herunter mit dem Gewicht, um über die Festtage reinzuhauen. Das habe ich getan, mit Mailänderli, Lebkuchen und allem, was dazugehört. Mit einem schlechten Gewissen zwar, aber vorsätzlich. (schmunzelt)

Weshalb wollten Sie 2013 erstmals abnehmen?

Grüter: Dieser Entscheidung lagen gesundheitliche und ästhetische Überlegungen zugrunde. Als junger Mann war ich sehr sportlich und fit. In einem Jahr an einer Schule in den USA nahm ich allerdings 18 Kilo zu. An der Aushebung wog ich schliesslich 103 Kilo und brachte das nie mehr runter. An meinem 37. Geburtstag war ich joggen und dachte: So schlecht warst du noch nie in Form. Da nahm ich mir vor, abzunehmen. Nachdem das geklappte hatte, warf ich alle Kleider weg und legte mir eine neue Garderobe zu. Diese Kleidergrösse ist der Gradmesser.

Wie viel hat das Abnehmen gekostet?

Grüter: Ich löste bei «eBalance.ch» ein Halbjahresabo für 65 Franken. Teuer war hingegen das Kaufen aller neuen Kleider.

Wird das Abnehmen zu einer Sucht?

Grüter: Am Anfang stellen sich schnell Erfolge ein. Das gibt einem Motivation, weiterzumachen. Je näher man dem gewünschten Gewicht ist, desto härter wird es. Denn die täglich erlaubte Kalorienzahl nimmt mit dem Gewicht ab. Für mich war es am Schluss besonders hart, weil ich mir eine Entzündung eingefangen hatte und deshalb keinen Sport mehr treiben durfte. Es ging ein wenig in Richtung hungern. Aber eine Sucht? Man macht sich eher ein Sport daraus, der Versuchung zu widerstehen. Auf meinem Bürocomputer habe ich eine Cremeschnitte als Bildschirmschoner.

Sind Sie ein Masochist?

Grüter: (lacht) Das ist ein Mahnmal für mich. Ich esse weiterhin Cremeschnitten, weiss aber auch, worauf ich an ihrer Stelle verzichten muss.

Sehen Sie beim Einkaufen nur noch die Kalorienzahl vor sich?

Grüter: Nein. Mit der Zeit weiss man aber, wie viele Kalorien welches Produkt hat. Es geht ja darum, bewusster zu essen. Zum Beispiel am Buffet: Statt eines ganzen Tellers nehme ich heute eine Dreiviertelportion. Danach schaue ich, wie ich mich fühle. Früher nahm ich automatisch zwei Portionen, auch wenn ich eigentlich gar keinen Hunger mehr hatte. Man lernt sein Essverhalten kennen und gelangt zur Erkenntnis, dass weniger auch reicht.

Was lernten Sie über sich selbst?

Grüter: Dass ich etwas diszipliniert durchziehen kann, entgegen der Meinung gewisser Leute. Und dass es durchaus Spass machen kann, zu Mittag einen Salat mit einem Vollkornbrötchen zu essen. Heutzutage habe ich gar keine Lust mehr auf grosse Mocken Fleisch. Das sollte mein Vater nicht wissen – er ist Metzgermeister! (lacht)

Hunger kann die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Kennen Sie das?

Grüter: Ja, aber es gibt Tricks dagegen: In meinem Fall Cola Zero oder ein Farmer-Riegel – das quillt so richtig auf im Magen. Manchmal machte ich mir auch einen Sport daraus, den Hunger auszuhalten, das ist eine Probe für die Disziplin. Was allerdings nicht funktioniert, ist hungrig schlafen zu gehen. Das versuchte ich zu Beginn vergeblich. Vor dem Schlafen gibt es immer einen Apfel, ein Joghurt mit Müsli oder sonst etwas Leichtes.

Hilft es, das Umfeld in die Abnahmepläne einzubeziehen?

Grüter: Unbedingt. Ich weihte zuerst meine Familie ein und erzählte es daraufhin immer mehr Leuten. Damit habe ich einerseits für Verständnis gesorgt, andererseits Druck auf mich selbst aufgebaut. Und durch die «eBalance»-Kampagne wird man immer wieder von Leuten angesprochen, die sich erkundigen, ob man es geschafft hat, das Gewicht zu halten. Diejenigen, die am Anfang dumme Sprüche gemacht hatten, wurden immer ruhiger, als sie merkten, dass mir meine Kleider zu gross wurden.

Betrachten Sie Übergewichtige anders als früher?

Grüter: Ja, das tue ich. Die Menschen, die ein medizinisches Problem haben, klammere ich natürlich aus. In meinem Umfeld stelle ich fest, dass viele Menschen, die Gewicht zugelegt haben, einen phlegmatischen Eindruck machen. Wenn mir im Bankbereich jemand etwas verkaufen will, der dick ist, dann habe ich Vorbehalte, weil ich merke, dass dieser Mensch wohl nicht allzu diszipliniert ist und sich nicht im Griff hat.

Blicken Sie herablassend auf Übergewichtige?

Grüter: Vielleicht manchmal. Es gibt aber Bereiche, in denen es mir lieber ist, wenn jemand Rundungen hat. An Frauen mag ich, wenn sie etwas dranhaben. Jene sind meiner Erfahrung nach gemütlichere Zeitgenossinnen als Asketinnen.

Themenwechsel: Wie viele Mahlzeiten empfehlen Sie täglich?

Grüter: Es ist wichtig, einen festen Rhythmus zu haben. Wenn man Hunger hat, kann man ruhig auch zwischendurch etwas essen. Dann verzichtet man halt bei der nächsten Hauptmahlzeit auf etwas, zum Beispiel auf das Brötchen zum Salat. Das Wichtigste ist aber, sich ein realistisches Abnahmeziel zu setzen. Das schaffte ich nicht von Anfang an.

Erzählen Sie!

Grüter: Ich wollte ursprünglich ein Kilo pro Woche abnehmen. Das stellte sich bald als abwegig heraus. Ich stellte um auf 500 Gramm – mit dem Sport zusammen schaffte ich am Schluss trotzdem ein Kilo.

Worauf hatten Sie während des Abnehmens nie verzichtet?

Grüter: Meinen Kaffeekonsum von vier, fünf Tassen drosselte ich nicht. Allerdings fällt der auch nicht wirklich ins Gewicht. Darüber hinaus ass ich jeden Abend vier «M&Ms» zur Belohnung.

Mit Erdnüssen oder ohne?

Grüter: Mit natürlich!

Hinweis

Bei «eBalance.ch» erhält man durch Angabe seines Zielgewichts und der gewünschten Zeit bis zum Erreichen seine täglich erlaubte Kalorienmenge ausgerechnet. Die Plattform gehört wie die «Neue Zuger Zeitung» zur NZZ-Mediengruppe.

Arno Grüter

Der 39-jährige Arno Grüter wohnt mit seiner Frau und den drei Söhnen in Cham.
Er ist in Willisau aufgewachsen.

Nach einem Betriebsökonomiestudium war er sechs Jahre für eine Grossbank in Zürich tätig, seit dem Jahr 2009 arbeitet er für die Zuger Kantonalbank.

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