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CHAM: Gemeinderat will Kameras am Bahnhof

Die Schlägerei vom Samstag ist nicht auf Video aufgezeichnet worden. Das soll sich ändern.
Luc Müller
Hier auf dem Chamer Perron wurde das 22-jährige Opfer niedergeschlagen. (Bild Stefan Kaiser)

Hier auf dem Chamer Perron wurde das 22-jährige Opfer niedergeschlagen. (Bild Stefan Kaiser)

Luc Müller

An der heutigen Gemeinderatssitzung in Cham steht ein unrühmlicher Vorfall aktuell auf der Traktandenliste: die Schlägerei vom Samstagmorgen am Chamer Bahnhof. Gegen 4 Uhr in der Früh wurde dabei ein 22-Jähriger von drei bisher unbekannten Tätern niedergeschlagen, die wie das Opfer den Nachtzug von Zug herkommend in Cham verliessen. Das Opfer lag zunächst bewusstlos auf dem Perron – mit einem gebrochenen Bein und einer Gehirnerschütterung. Nach Angaben der Zuger Polizei konnte sich der Mann trotz erheblicher Verletzung noch selber nach Hause schleppen – ein Krankenwagen wurde nicht alarmiert, das Opfer suchte später einen Arzt auf. Nach Angaben der Zuger Polizei gibt es noch keine Zeugenhinweise auf die Täter, von denen aber eine Beschreibung vorliegt: Die drei Täter dürften im Alter zwischen 17 und 19 Jahren sein.

Überwachungsgesetz anwenden

«Ich bin immer noch sehr betroffen über die schlimme Tat», so der Chamer Sicherheitschef Markus Baumann. «Gerade am Neuzuzüger-Anlass habe ich noch erzählt, dass Cham sicher sei. Und nun das», ärgert sich Baumann. Der Bahnhof von Cham sei zwar kein ausgesprochenes Problemfeld. «Aber wir sind bereits in der Vorbereitung, hier Videokameras zu installieren. Schon seit Wochen läuft die Planung. Der Vorfall bestärkt den Gemeinderat nun im Vorhaben, das Bahnhofsareal auch zur Gewaltprävention zu überwachen», betont Markus Baumann. Im vergangenen Sommer sagte der Zuger Kantonsrat Ja zu einem Videoüberwachungsgesetz, das Kameras auch im öffentlichen und öffentlichen zugänglichen Raum erlaubt. Der Gemeinderat kann in Eigenregie die Installation von Videokameras genehmigen, das Vorhaben muss aber öffentlich im Amtsblatt ausgeschrieben werden.

«Bisher sind auch Sicherheitsassistenten am Bahnhof vor Ort», versichert Baumann, «aber wir können nicht während 24 Stunden mit der Polizei präsent sein. Videos sind eine gute Alternative», doppelt der Sicherheitschef nach.

Im Zug gabs Kameras

Auch die SBB überwachen das Chamer Bahnhofsareal nicht mit Kameras, wie zu erfahren war. Im Nachtzug, den das Opfer und die Täter benutzten, sind aber Kameras installiert. Bei den SBB werden die Aufnahmen minimal drei Tage lang gespeichert. Im Nachtzug 2611 von Zug nach Luzern standen zwei Zugbegleiter und zwei Mitglieder des Sicherheitspersonals im Einsatz. Vom Vorfall haben sie gemäss SBB nichts bemerkt.

Die Zuger Staatsanwaltschaft hat die Aufnahmen aus dem SBB-Wagen angefordert, wie Laurent Rossé, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, auf Anfrage erklärt. Zur Nationalität der Täter und des Opfers und ob die in den Vorfall Involvierten betrunken waren, wollte die Polizei nichts sagen. Noch liefen die Abklärungen, so Laurent Rossé. Im Kanton Zug gab es bei Leib-und-Leben-Delikten 2014 38 ermittelte Jugendliche, 2013 waren es 30, 2012 wurden 25 registriert und 2011 48.

Wie helfen Sie den Opfern?

Rolf Nölkes, Beratungsdienst Triangel der reformierten Kirche Kanton Zug

Rolf Nölkes, was sagen Sie zum Fall in Cham?
Rolf Nölkes:
Das ist schon ein krasser Fall. Vor allem, weil es seit 2011 eher ruhig war. Vorher gab es im Kanton Zug regelmässig Fälle von Gewalt unter Jugendlichen, so etwa am Bahnhof Rotkreuz. Doch das dreijährige Projekt der Sicherheitsdirektion «Gemeinsam gegen Gewalt», das 2011 endete, hat Wirkung gezeigt. Aufklärung und Prävention haben dadurch stark zugenommen.

Die Beratungsstelle Triangel führt auch Opferberatungen durch. Wie können Sie einem Jugendlichen helfen, der auf offener Strasse verprügelt wurde?
Nölkes:
Für die Opfer ist es vor allem schwierig zu verstehen, weshalb gerade sie niedergeschlagen wurden. Sie müssen sich klar werden, ob sie einen Fehler gemacht haben oder ob sie einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren. Auf jeden Fall sind die Opfer nach einem solchen Vorfall traumatisiert. Sie fallen in ein tiefes Loch. Unsere Aufgabe besteht darin, sie wieder zurück auf die ursprüngliche Lebenslinie zu bringen, damit sie den Alltag wieder bewältigen können.

Wie überwindet man das Trauma?
Nölkes:
Es hilft, über den Vorfall zu sprechen. Wichtig ist auch, dass die Täter eine gerechte Strafe erhalten. In der Vergangenheit war es aber auch so, dass ein Jugendlicher, dem die Zähne ausgeschlagen wurden, sehen musste, dass die Täter nur ein paar Sozialstunden aufgebrummt bekamen. Doch nun wird auch im Kanton Zug vom jetzigen Jugendanwalt schneller und härter durchgegriffen.

Können Sie den Opfern auch praktische Hilfe bieten?
Nölkes:
Ja. Jedes Opfer hat den Anspruch auf Opferhilfe. Als Sofortmassnahme erhalten sie von uns juristische Hilfe bei der Abklärung des Falls. Auch psychologische Hilfe können wir ihnen sofort anbieten. Für beide Massnahmen steht jeweils ein Betrag von 1000 Franken zur Verfügung. Bei weiteren Abklärungen kann die Sicherheitsdirektion auf Antrag noch weitere Gelder für die Opfer sprechen.

Wie viele Gespräche mit Jugendlichen, die Opfer wurden, führen Sie pro Jahr?
Nölkes:
In den letzten Jahren waren Jugendliche deutlich weniger Opfer von Gewalt. Die Fallzahl liegt bei ein bis zwei Opfern. Aber je nach Fall kann es auch mehrere Gespräche brauchen.

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