CHAM: «Hier geht wieder mal der Amtsschimmel durch»

Hinterbliebene müssen Steine von den Gräbern ihrer Angehörigen entfernen. Die Parteien zeigen dafür wenig Verständnis und vermissen das Fingerspitzengefühl.

Silvan Meier
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Für die Parteien wäre ein solches Grab tolerierbar, nicht aber für die Friedhof­kommission. (Bild Stefan Kaiser)

Für die Parteien wäre ein solches Grab tolerierbar, nicht aber für die Friedhof­kommission. (Bild Stefan Kaiser)

Das Bestreuen der ganzen Pflanzfläche mit Natursteinabfällen oder Ähnlichem ist nicht gestattet. So lautet eine Bestimmung im Chamer Friedhofreglement. Jahrelang wurden solche mit Steinen gestaltete Gräber toleriert, nun hat die Friedhofkommission aber reagiert und Angehörige brieflich aufgefordert, die Steine zu entfernen und die Fläche zu bepflanzen. Bei einigen der Adressaten sorgte der Brief der Gemeinde für ziemlichen Ärger (wir berichteten in der Sonntagsausgabe). «Auf dem Friedhof wurde danach oft darüber gesprochen», sagt Sonja Muff. Die Chamerin wehrt sich gegen die Forderung der Gemeinde und hat für ihren Mut viele positive Rückmeldungen erhalten.

Kritik am Vorgehen

Verständnis für ihre Weigerung, das Grab ihres Mannes anzupassen, zeigen auch die Präsidenten der Chamer Ortsparteien. «Grundsätzlich ist es richtig, dass für einen Friedhof ein Reglement besteht», sagt Claus Soltermann, Präsident der Grünliberalen. «Aber meines Erachtens geht hier wieder mal der Amtsschimmel durch.» Für die Gestaltung der einzelnen Gräber müsse man eine liberalere Regelung finden. Dieser Meinung ist auch Arno Grüter, Präsident der FDP. Für ihn gehen die Bestimmungen im Reglement zu weit. Mühe hat er insbesondere mit dem Vorgehen der Friedhofkommission. «Zuwiderhandlungen zunächst zu tolerieren und dann später auf die Durchsetzung der Vorgaben zu pochen, entspricht nicht unserem Verständnis von Rechtssicherheit.»