CHAM: «Ich bin kein Fundamentalist»

Die Stadt braucht einen neuen Gemeindepräsidenten. Bauchef Charles Meyer kandidiert und erklärt im Interview, wie er die Gemeinde weiterentwickeln will.

Wolfgang Holz
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Will Chamer Gemeindepräsident werden: Bauchef Charles Meyer. (Bild Werner Schelbert)

Will Chamer Gemeindepräsident werden: Bauchef Charles Meyer. (Bild Werner Schelbert)

Herr Meyer, warum wollen Sie Gemeindepräsident werden?

Charles Meyer: Ich habe die letzten zwölf Jahre in einem Super-Team für diese Gemeinde gearbeitet, als Vorsteher der Bauabteilung und als Vizepräsident. Wir stehen mit der Papieri und der Zentrumsgestaltung vor grossen Herausforderungen. Da will ich dran bleiben und unsere Politik, die uns schweizweit an die Spitze gebracht hat, weiterführen.

Von welcher Politik sprechen Sie da?

Meyer: Das ist die Politik, die uns laut «Weltwoche» zum Schweizer Meister unter den Gemeinden gemacht hat. Dazu gehören eine konstante Steuerpolitik, solide finanzielle Verhältnisse und beste Infrastruktur. Will heissen: gute Schulen, durchgehende Kinderbetreuung, perfekte Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die Kosten im Griff behalten.

Klingt gut. Aber in Sachen Finanzpolitik hängt Cham noch immer am Tropf des Zuger Finanzausgleichs ...

Meyer: Das ist in der Tat unsere grösste Sorge. Deshalb wollen wir mehr juristische Personen nach Cham bringen und mehr Arbeitsplätze schaffen. Es braucht eben einen gesunden Mix aus Gewerbe und Wohnen. Mit dem Papieri-Areal haben wir dafür beste Chancen.

Aber wie können Sie garantieren, dass am Ende nicht doch nur Wohnungen auf das Areal kommen?

Meyer: Das wird so festgeschrieben. Etwas anderes kommt nicht in Frage. Der Anteil an Arbeitsplätzen wird Teil der Zonenordnung.

Besteht tatsächlich die Aussicht, dass sich dann auch der Gewerbeanteil wirklich substanziell verbessert? Im Lorzenpark herrscht gähnende Leere.

Meyer: Auf dem Papieri-Areal entscheidet sich das Schicksal von Cham. Entweder wir schaffen es, etwas Qualitätvolles auf der Industriefläche zu kreieren oder wir gleiten in die Beliebigkeit des Markts ab. Wir wollen dort ein Quartier entwickeln, dessen Identität mit der Papieri und der Geschichte von Cham verbunden ist. Das braucht eine attraktive Mischung aus Klein- und Grossgewerbe sowie aus günstigem und gehobenem Wohnraum.

Gibt es denn schon Interessenten?

Meyer: Nein, die Cham Paper Group will Eigentümerin bleiben. Aber dass das Interesse an dem Areal gestiegen ist, kann man schon daran ablesen, wie der Aktienkurs der Papieri gestiegen ist – trotz Arbeitsplatzabbau und Schliessung des Standorts. Der Aktienmarkt nimmt quasi die kommende Wertsteigerung vorweg.

Aber wie wollen Sie das eingeschlafene Dorfzentrum wachküssen?

Meyer: Die flankierenden Massnahmen, die mit der Umfahrung Cham-Hünenberg zum Tragen kommen, sind ideal für eine Belebung des Dorfzentrums. Das wird einen Quantensprung fürs Dorf bringen, wenn wir es geschickt einfädeln.

Gleich ein Quantensprung?

Meyer: Die viel bessere Erreichbarkeit des aufgewerteten Zentrums wird mehr Publikum zum Einkaufen und fürs Business anziehen. Wenn man künftig mit mehr Kundschaft im Dorf rechnen kann, wird die Bereitschaft zum Investieren steigen.

Apropos flankierende Massnahmen: Da hat es lange geharzt, bis etwas Konsensfähiges entstanden ist. Nun schlägt die neue Variante wieder Wellen.

Meyer: Also, zu allererst handelt es sich ja um einen laufenden Entwicklungsprozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Dabei machen der kantonale Baudirektor und seine Mitarbeiter einen perfekten Job. Ich bin mir sicher, wir werden am Ende eine innovative und gute Lösung finden, die allen Beteiligten Vorteile bringt – ausser jenen, die nur durchs Dorf durchfahren wollen. Mich freut momentan am meisten, dass im 60-köpfigen Begleitgremium Einigkeit darüber herrscht, dass wir jetzt eine grosse Chance für die Weiterentwicklung Chams haben und dass wir sie gemeinsam nutzen wollen.

Kommen wir mal rein zum Personellen Ihrer Kandidatur. Sie wollten 2003 schon einmal Gemeindepräsident werden. Das klappte nicht.

Meyer: Ich habe damals als Unbekannter mit 40 Prozent der Stimmen einen schönen Achtungserfolg erzielt.

Aber wie wollen Sie nun die Phalanx der Bürgerlichen durchbrechen?

Meyer: Das Schema Links/Rechts hat in den letzten zwölf Jahren im Gemeinderat kaum eine Rolle gespielt.

Die Parteizugehörigkeit spielt aber wohl für die Wähler eine Rolle.

Meyer: Das mag sein. Aber wir haben ein neues Wahlsystem, das nicht mehr Parteien, sondern Köpfe in den Vordergrund rückt. Vielleicht mag man ja in der Zwischenzeit meinen Kopf und hat Vertrauen zu mir gefunden. Ich denke, als Bauchef mache ich einen guten Job.

Sie sind als Linksalternativer inzwischen etabliert, seit zwölf Jahren im Gemeinderat, fahren einen Mercedes und haben ein Haus gekauft. Wo bleibt da die ideologische Frische?

Meyer: Ideologie? Ich habe das Kritische Forum vor 30 Jahren mitgegründet, um frische Bewegung in die Chamer Politik zu bringen. Das gelingt der Partei bis heute. Ein Fundamentalist bin ich weiss Gott nicht. Mir geht es um Lösungen.

Wie wäre denn Ihre Vision von einem Cham der Zukunft?

Meyer: Ich werde die vom Stimmbürger gewünschte Parkstadtstrategie konsequent weiterführen: Lorzenuferweg, Durchgrünung der Stadt, verbesserte Bedingungen für Velos und Fussgänger. Ich werde meinen Teil dazu beitragen, das Papieri-Areal zum Juwel weiterzuentwickeln, gute Unternehmen anzuziehen und unabhängig vom Finanzausgleich zu werden. Ansonsten so weiter wie bis anhin. Wir sind gut unterwegs.