CHAM: Idee: Flüchtlinge sollen in Sportvereine

Viele Einwohner wollen sich für Asylbewerber engagieren. Bereits in den nächsten Wochen sollen erste Ideen umgesetzt werden.

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Wie beim Projekt der Caritas im Januar 2013, wo Asylbewerber auf dem Eisfeld Mooshüsli in Emmen Eishockey spielen konnten, sollen auch in Cham Flüchtlinge an Sportprogrammen teilnehmen können. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Wie beim Projekt der Caritas im Januar 2013, wo Asylbewerber auf dem Eisfeld Mooshüsli in Emmen Eishockey spielen konnten, sollen auch in Cham Flüchtlinge an Sportprogrammen teilnehmen können. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Rahel Hug

Ideen zusammentragen und Projekte für Flüchtlinge koordinieren – das war das Ziel einer Sitzung, die am Mittwochabend im Quartierbüro in Cham stattgefunden hat. Organisiert hat die Zusammenkunft die Gemeinwesenarbeit, nachdem im Nachgang zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in der Zivilschutzanlage Schluecht zahlreiche Chamerinnen und Chamer Solidarität bekundet hatten. Die Zivilschutzanlage ist bekanntlich seit dem 22. September als Asylnotunterkunft in Betrieb. Sie bietet Platz für insgesamt 50 Personen. Fast genauso viele Einwohner haben die Veranstaltung am Mittwoch besucht und wollen sich ehrenamtlich für Asylbewerber engagieren – und es sollen noch mehr werden, wie Christian Plüss, Bereichsleiter Jugend- und Gemeinwesenarbeit, hofft. Er hat die Sitzung geleitet und ist begeistert von den Angeboten und Ideen, die zusammenkamen: «Die Veranstaltung hat grossen Anklang gefunden, und die Leute sind sehr motiviert. Das freut uns.»

Bestehende Angebote nutzen

Nachdem Laura Thomi vom Kantonalen Sozialamt über die Besetzung der Zivilschutzanlage ­informiert hatte, präsentierten die reformierte und die katholische Kirche sowie der Verein Zukunft Kinder Cham (Zuki) erste Ideen, die bereits im Vorfeld gesammelt wurden. «Diese Ansätze haben wir dann ergänzt mit weiteren Vorschlägen aus dem Publikum», berichtet Christian Plüss. Aus der Runde kam unter anderem die Idee, bestehende Angebote wie etwa Trainings des Sportclubs für die Asylsuchenden zu öffnen. «Ausserdem hat die Leute beschäftigt, wie man die Flüchtlinge konkret abholen und kontaktieren kann. Dazu gab es viele Fragen.» Diskutiert worden seien auch Möglichkeiten und Grenzen der Freiwilligenarbeit. «Es gilt, Prioritäten zu setzen und Kräfte zu bündeln», so Plüss.

Konkret sollen nun fünf Projekte weiterverfolgt werden: Geplant sind Deutschkurse, ein Tagesstruktur-Projekt im Erlebnisraum Teuflibach, ein Begegnungscafé im Pfarreiheim, die Beteiligung an Sportprogrammen in der Turnhalle sowie im Freien und eine Öffnung des Projekts «Midnight Games» der Jugendarbeit Cham für die Asylbewerber. Bei diesen Angeboten könne man auf bestehende Räumlichkeiten, etwa von der Kirche oder dem Verein Zuki, zurückgreifen, erklärt Plüss.

Die Freiwilligen konnten sich am Mittwochabend auf einer Liste für ein Projekt eintragen. «Wir hoffen natürlich, dass sich nun weitere Personen melden und wir den Pool von Helfenden vergrössern können. Die Veranstaltung war ein gelungener Startschuss dafür», hält der Bereichsleiter fest. Die Gruppen aus den teilnehmenden Organisationen und den engagierten Chamern werden nun ihre Projekte planen und vorantreiben. Die Gemeinde übernimmt dabei die Rolle der Koordination und Vernetzung. «Wir sind Ansprechpartner und Drehscheibe», hält Christian Plüss fest.

Tagesstrukturen im Teuflibach

Die Angebote für die Bewohner der Asylnotunterkunft sollen so schnell wie möglich realisiert werden. «Das erste Projekt wird wohl die Tagesbeschäftigung im Teuflibach sein», erklärt Plüss. Dort bestehe die Infrastruktur bereits. «Damit werden wir in wenigen Wochen starten.» Eine wichtige Frage, die die Organisatoren bis dahin noch klären müssen ist jene, wie die neuen Projekte bei den Flüchtlingen bekannt gemacht werden können. «Diesbezüglich laufen die Abklärungen mit der Abteilung Soziale Dienste Asyl des Kantons», verrät der Koordinator.

Öffentliche Veranstaltungen sind in den nächsten Wochen vorerst keine weiteren geplant. «Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass wir nach der ersten Anlaufzeit einen Informationsabend oder einen Erfahrungsaustausch organisieren werden. Dies wird insbesondere der Fall sein, wenn das signalisierte Engagement anhält und sich die geplanten Projekte erfolgreich entwickeln», so Plüss.

Pilotprojekt zur Integration gestartet

Kanton Luzern red. Der Kanton Luzern will Flüchtlinge auf den Einstieg in eine berufliche Grundbildung in der Pflege vorbereiten und ihre Integration fördern. 15 Flüchtlinge haben den Ausbildungslehrgang Ende August begonnen, wie die Staatskanzlei Luzern mitteilt. «Perspektive Pflege» ist ein Pilotprojekt vom Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern gemeinsam mit der Zentralschweizer Interessengemeinschaft Gesundheit und der ENAIP Luzern, einer Non-Profit-Organisation mit Schwerpunkt Bildung. Kommende Woche wird über erste Erfahrungen orientiert.

Hinweis

Wer sich engagieren will, kann sich bei Christian Plüss (christian.pluess@cham.ch) melden.