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CHAM: Impressionen aus der Ukraine

An eine Ausstellung seiner farbigen Reisebilder hatte Thomas Gretener eigentlich nicht gedacht. Doch Heiri Scherer, der Organisator des Kunstkubus, war davon begeistert.
Monika Wegmann
Thomas Gretener mit seinen Bildern. (Bild: Stefan Kaiser)

Thomas Gretener mit seinen Bildern. (Bild: Stefan Kaiser)

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

Nur wenige Schweizer kennen die Ukraine, wenn doch, dann höchstens aus den Medien. Doch der Chamer Kommunikationsfachmann Thomas Gretener (60) war bereits einige Male dort, denn seine Frau Natalie ist eine ukrainische Pianistin. Sie stammt aus der Millionenstadt Charki. «Etwa ein halbes Jahr vor der Besetzung der Krim sind ihre Eltern in die Kleinstadt Vysoki gezogen, rund 80 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Dort ist momentan Frieden», berichtet Thomas Gretener, der jetzt Impressionen aus Vysoki im Kunstkubus zeigt.

Die Bilder sind letzten Ok­tober entstanden, als er mit seiner Frau zu einem Verwandten­besuch in die Ukraine reiste. «Ich habe immer schon fotografiert. Auf dem Markt in Vysoki hat es mich jedoch fasziniert, wie die Leute ihre Sachen verkaufen», so Gretener. Und da er immer schon ein Faible für Reportagen hat, wollte er die Atmosphäre des Marktes und den Alltag der einfachen Menschen dort dokumentieren.

Es sind keine Schnappschüsse

So sind ihm eindrückliche Aufnahmen gelungen. Eines der ­quadratischen Farbfotos zeigt in einem heruntergekommenen Gebäude die Post, daneben befindet sich hinter einer rostigen Eisentüre die Bank. Als typisch bezeichnet Thomas Gretener auch das aus vielen Materialien bestehende, nach aussen hin abgeschirmte Haus: «Das ist typisch, denn viele Menschen haben dort Angst vor Einbrüchen.» Entdeckt hat er auch eine protzige Villa an einem See und eine Naturlandschaft, wo der Mensch noch nicht eingegriffen hat.

Die Unterschiede zum Leben im Westen kommen besonders bei den Aufnahmen vom Markt zum Ausdruck, bei denen er betont: «Es sind keine Schnappschüsse. Wir haben vor dem Fotografieren mit allen geredet, denn die Leute waren zuerst misstrauisch, viele haben Angst.» Die Aufnahmen seien nur dank seiner einheimischen Frau möglich gewesen. Aufgefallen ist dem Chamer aber, dass die ­Menschen dort zwar in bescheideneren Verhältnissen leben, aber ihren Stolz und Humor bewahrt haben, so wie die beiden selbstbewussten Fleischverkäuferinnen.

Doch während es bei uns Stände mit schönen Früchten und Obst in Hülle und Fülle gibt, sind die Menschen dort auf dem Land so arm, dass sie nur wenige Produkte – oft aus dem eigenen Garten – auf Zeitungen und Decken am Boden oder auf Pappkisten feilbieten können. Da kann das Angebot sogar nur aus einem Lippenstift und ein paar Kosmetikflaschen bestehen.

Während die Männer skeptisch in die Kamera blicken, wirken die Frauen gelassener. Es sind vorwiegend ältere Frauen, die entlang der Strasse selbst gestrickte Socken und Kappen, kleine Mengen von Früchten, Kartoffeln und Gemüse anbieten. Eine hat Gläser mit eingemachten Tomaten und frischem Knoblauch dabei, während nebenan eine Zeitungs­leserin hinter ein paar am Boden liegenden Lebensmitteln auf Kundschaft wartet. Etwas besser scheint es denen zu gehen, die in einem kleinen Laden oder der einfachen Markthalle Fleisch und Fisch verkaufen können.

«Zuerst wollte ich die Bilder nur für mich schwarz-weiss entwickeln. Doch Heiri Scherer, Kurator vom Kunstkubus, war davon so begeistert, dass er eine Ausstellung anregte. Nach Diskus­sionen habe ich mich auch noch für Farbfotos entschieden», so Gretener. Jetzt ist er überzeugt, dass es richtig war. Dadurch erscheine der Markt nicht so trist: «Die Leute sollen leuchten. Obwohl sie arm sind, haben sie ihre Würde nicht verloren. Sie sind zwar eher zurückhaltend, aber herzlich und liebenswürdig. Das hat mich sehr berührt.»

Er hat immer schon fotografiert

Seit seiner Jugend fotografiert Thomas Gretener. «Meine Mutter war nicht so begeistert, als ich in der Waschküche ein Labor einrichtete», erinnert er sich und lacht. Während und nach dem Studium arbeitete er als Journalist bei verschiedenen Zeitungen, auch in Zug. Als Reporter gehörte das Fotografieren damals dazu. Heute ist der 60-Jährige Kommunikationsbeauftragter der Stadt Zug. Auch auf seinen Reisen hat er fast immer eine Kamera dabei. Und weil er früher so fasziniert war, habe er sogar eine Foto­schule in New York besucht. «Lange habe ich nur analog schwarz-weiss fotografiert. Von der Digitalkamera war ich anfangs nicht begeistert. Erst als ich die Farbfotografie nochmals richtig erlernte, habe ich daran Freude bekommen.»

Hinweis

Die Ausstellung «Bilder aus der Ukraine» mit Fotos von Thomas Gretener läuft bis 31. März (Finissage mit Apéro) im Kunstkubus Cham; sie ist jeweils am Samstag von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

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