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CHAM: In 13 Jahren auf dem Fahrrad um die Welt

Seit Weihnachten sind Monika Estermann und Robert Spengeler wieder zurück in ihrer Heimat. Über 100 000 Kilometer haben sie in ihren Beinen. Ihre Fortbewegungsmittel: Velo und Schiffe.
Andrea Muff
Monika Estermann und Robert Spengeler fahren auf ihren Velos durch 64 Länder. Hier sind sie in Bolivien. (Bild: PD)

Monika Estermann und Robert Spengeler fahren auf ihren Velos durch 64 Länder. Hier sind sie in Bolivien. (Bild: PD)

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

64 Länder, 13 Jahre und immer im Sattel: Monika Estermann (45) und Robert Spengeler (53) haben sich einen Traum erfüllt und die Welt erkundet. Gestartet sind sie 2004 in Baar – und eigentlich hätten sie nur ein bis zwei Jahre reisen wollen – nach Indien. Doch das Abenteuer wollte nicht enden. Erst letzte Weihnachten haben ihre Velos die Schweizer Grenze wieder passiert. «Die Neugier hat uns immer weiter getrieben», berichtet Monika Estermann. Heute wohnen sie bei einem Freund in Cham zur Untermiete.

Mit ihren Drahteseln haben die beiden über 100'000 Kilometer zurückgelegt und mit Schiffen drei Ozeane überquert: insgesamt 40000 Kilometer auf dem Wasser. Züge und Busse waren erlaubt, Flugzeuge tabu. «Ich gebe es zu, das Ganze ist auf meinem Mist gewachsen», sagt Monika Estermann lachend. Sie habe vor Jahren einen Artikel in einem Reisemagazin gelesen über eine Frau, die eine solche Reise unternommen hatte. Mit ihr habe sie Kontakt aufgenommen. «Ich wollte das alles mit meinen eigenen Augen sehen», gibt Estermann, die vor der Reise in Baar arbeitete, zu. Bei ihrem Partner «Robi» hatte sie dann gute Überzeugungsarbeit geleistet. Drei Jahre hätten sie für das Abenteuer gespart. Robert Spengeler ist gelernter Systemtechniker, Monika Estermann Malerin.

Unbequemer Velosattel und die Kleine Scheidegg

Extra Fitnessstunden habe es aber keine gegeben, versichern die beiden. «Wir brauchten ungefähr zwei Wochen, bis wir trainiert waren», erzählt Estermann und erinnert sich schmerzhaft an den anfangs unbequemen Velosattel. Robert Spengeler erinnert sich hingegen an den ersten «Berg» – die Kleine Scheidegg. «Heute lachen wir darüber», fügt er hinzu.

Zu Recht: Schliesslich bewältigten sie im Himalaya-Gebirge fast täglich Pässe, die auf über 5000 Meter über Meer liegen. «Zum Glück hatten wir beide zu Beginn etwa das gleiche Niveau. So ist keiner dem anderen vorweg gefahren», sagt Monika Estermann. «In den ersten paar Wochen haben wir lediglich 10 bis 20 Kilometer am Tag zurückgelegt», erzählt die 45-Jährige. Erst mit dem fortlaufenden Training seien im Durchschnitt bis zu 80 Kilometer pro Tag möglich geworden. Die längste Etappe sei im Iran mit 180 Kilometern gewesen. «Da waren wir sicher 13 bis 14 Stunden unterwegs», erinnert sich Robert Spengeler.

Erst radelten die beiden aber kreuz und quer durch die Schweiz, dann ging es weiter Richtung Osteuropa, Türkei, Iran, Pakistan und schliesslich Indien. Mit einem Schmunzeln erzählt Robert Spengeler von der Polizeieskorte in Pakistan. «Die Polizisten meinten, es sei zu gefährlich ohne Schutz durch das Grenzgebiet zu fahren, wegen der Kidnapping-Gefahr.» Aber alles sei gut gegangen. In Indien hätte dann die Reise eigentlich vorbei sein sollen, doch sie beschlossen weiter in die Pedalen zu treten. «Ein Bekannter fragte uns, ob wir auch mit nach Tibet kommen würden. Wir sagten zu», sagt Monika Estermann. Und sie schwangen sich wieder in den Sattel.

Malaria-Rückfall auf der Jacht

Auf einer Jacht und mit einer Krankheit im Gepäck reisten sie weiter nach Malaysia. «Bereits vor der Abreise hatten wir Malaria und konnten sie mit der Hilfe indischer Ärzte kurieren. Robi hatte aber auf dem Schiff einen Rückfall, das war sehr schlimm. Erst in Malaysia konnte er dann endgültig genesen», erzählt Estermann. Weiter ging es von Südostasien nach China, Japan und Südkorea: Von dort reisten sie im Bauch eines grossen Containerschiffes in zwei Wochen über den Pazifik nach Mexiko – auf den Amerikanischen Kontinent. Um Geld zu verdienen, pausierten die beiden «Velocos» in Kanada. Den Ausdruck haben sie selbst kreiert, er ist eine Zusammensetzung der Wörter «Velo» und «locos», das «verrückt» auf Spanisch bedeutet.

Der nächste Abschnitt ihres Abenteuers führte sie von Alaska durch Amerika bis ans untere Ende des Kontinents nach Patagonien.

«Wir haben generell sehr sparsam gelebt und praktisch überall unser Zelt aufgeschlagen», so Estermann. Robert Spengeler erklärt, dass bei ihrer Reise das Internet-Netzwerk «Warmshowers» sehr geholfen habe. Auf besagter Website sind ebenfalls Reise- und Veloverrückte registriert, die ihre Duschen, Waschmaschinen, ein Bett oder sonstige Infrastruktur zur Benutzung anbieten. «Das Netzwerk hat uns auch geholfen, Leute in anderen Ländern kennenzulernen, sodass wir vorab beispielsweise einen Teil des Gepäcks per Post schicken konnten», sagt Monika Estermann und fügt lachend hinzu: «Das hat eigentlich auf der ganzen Welt geklappt. Erst ganz zum Schluss, als wir von Griechenland ein Päckchen in die Schweiz schicken wollten, ist dieses bis heute nicht angekommen.»

Etliche Reifenpannen später

Von Südamerika ging die Reise mit einem Schiff wieder quer über den Ozean. Das nächste Ziel: der Afrikanische Kontinent: von Südafrika bis hinauf nach Israel, dann mit dem Schiff nach Italien und über den Balkan wieder Richtung Heimat. 13 Jahre und etliche Reifenpannen später passierten sie im Jura die Schweizer Grenze. «Es bleiben vor allem die schönen Erinnerungen», berichtet der 53-Jährige. Ihn hätten vor allem die Himmelsbestattungen im Tibet fasziniert. Seine Partnerin betont: «Die Gastfreundschaft hat mich sehr bewegt. Wir könnten heute an so viele Orte reisen, wo uns Menschen mit offenen Armen willkommen heissen.» Und auch die nächsten Pläne sind bereits in den Köpfen der beiden: «Wir wollen ein Gasthaus mit Camping eröffnen. Hier in der Schweiz oder sonst wo», sagt die 45-Jährige und fügt glücklich hinzu: «Wir sind jetzt Weltenbürger.»

Hinweis

Monika Estermann und Robert Spengeler erzählen in einer Multimedia-Präsentation von ihren Erfahrungen. Am 2. März sind sie mit «der LANGsame Weg nach Hause» in der Gewürzmühle in Zug. Weitere Informationen zu den Präsentationen finden Sie unter www.velocos.ch.

Monika Estermann und Robert Spengeler auf Reisen: in Bolivien (links), Indien (oben rechts) und beim Reifenwechsel (unten rechts). (Bilder: PD)

Monika Estermann und Robert Spengeler auf Reisen: in Bolivien (links), Indien (oben rechts) und beim Reifenwechsel (unten rechts). (Bilder: PD)

Monika Estermann auf der Fahrt durch Äthiopien. (Bild: PD)

Monika Estermann auf der Fahrt durch Äthiopien. (Bild: PD)

Stolz und aus der Puste: Sie bezwingen in Indien den zweithöchsten Pass der Erde. (Bild: PD)

Stolz und aus der Puste: Sie bezwingen in Indien den zweithöchsten Pass der Erde. (Bild: PD)

Ein Zwischenstopp in Namibia: Die Velos sind noch fahrtauglich. (Bild: PD)

Ein Zwischenstopp in Namibia: Die Velos sind noch fahrtauglich. (Bild: PD)

Auf ihrem Abenteuer begegneten sie auch ab und an grossen Tieren wie hier in Nepal. (Bild: PD)

Auf ihrem Abenteuer begegneten sie auch ab und an grossen Tieren wie hier in Nepal. (Bild: PD)

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