CHAM: In den Köpfen ist das Lokal schon offen

Ein ehemaliges Lagergebäude auf dem Papieri-Areal könnte zu einem Kunst- und Kulturtreff werden. Mögliche Nutzer haben einen ersten Einblick erhalten.

Silvan Meier
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Geri Werder (links) und Thomas Huber brüten über Ideen, wie das Lagergebäude dereinst genutzt werden könnte. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Geri Werder (links) und Thomas Huber brüten über Ideen, wie das Lagergebäude dereinst genutzt werden könnte. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Da hätte es Platz für eine Bühne», sagt jemand. «Und hier kommt die Bar hin», ergänzt eine weibliche Stimme. Die rund 20 Chamerinnen und Chamer, die am Dienstagnachmittag ein Lagergebäude auf dem Papieri-Areal besichtigen, zeichnen im Kopf bereits Pläne. Sie träumen davon, dass das rund 50 Meter lange und knapp 10 Meter breite Backsteingebäude dereinst ein Kultur- und Kunstlokal sein könnte. Hier, wo früher Material für die Papierfabrik mit dem legendären Papieri-Bähnli angeliefert und umgeschlagen wurde, sollen bald Konzerte und Theateraufführungen stattfinden, ein Café zum Verweilen einladen und Künstlern Ateliers offen stehen. Das ist die Idee der Leute von papierisch.ch und vom Quartiertreffpunkt P3, der seit rund einem Jahr auf einem Parkplatz vis-à-vis des Lagergebäudes eingerichtet ist. Interessiert sind aber auch Organisationen wie Kulturcheckin, der Kunstkubus oder Zukunft Kinder Cham. «Es hat bereits ein Workshop stattgefunden, an dem wir Ideen gewälzt haben», sagt Roman Ambühl, der bei papierisch.ch aktiv ist. Die Interessengemeinschaft beteiligt sich seit Anbeginn aktiv an der Planung für die Umgestaltung des Industrieareals.

Bis jetzt erst Gedankenspiele

Die Cham Paper Group als Besitzerin des Lagergebäudes hat sich offen für die Idee gezeigt – und die Kultur- und Kunstinteressierten zu einer Besichtigung eingeladen. «Wir können uns eine solche Nutzung vorstellen», sagt Claude Ebnöther, Projektleiter der Papieri-Planung. Das Lagergebäude soll als einer der Zeitzeugen auf dem Areal stehen bleiben. Zudem sei das lange Haus Teil der Verhandlungen mit der Gemeinde. Bekanntlich soll Cham einen Teil des Papieri-Areals erhalten – als Gegenleistung für den Mehrwert, den die Cham Paper Group mit der Umzonung des Industrieareals in eine gemischte Wohn- und Arbeitszone, generieren würde. Das Lagergebäude könnte auf diese Weise in den Besitz der Gemeinde übergehen.

Doch mehr als Gedankenspiele sind das nicht. Denn sowohl Ebnöther als auch die Leute von papierisch.ch betonen, dass sie ganz am Beginn des Prozesses stehen. «Wir haben nun das Gebäude von innen gesehen», sagt Thomas Huber von papierisch.ch. Nun könne man die Ideen weiterspinnen und ein Konzept entwickeln. Bis jetzt haben Huber und seine Mitstreiter nur durch ziemlich trübe Scheiben ins Gebäude blicken können. Was er nun sieht, gefällt ihm. «Das Kopfkino läuft bereits», sagt er und lacht. Sein Kollege Geri Werder, der auf dem Bau arbeitet und vom Fach kommt, achtet auf die Bausubstanz des Lagerschuppens – und ist zufrieden. Das Dach und die Holzbalken seien in einem guten Zustand. «Das Haus hat sehr viel Potenzial», so Werder. Die beiden stehen auf einem in den Raum eingefügten Verschlag und blicken um sich herum. Allerdings müssen sie sich regelmässig bücken, weil Dachbalken im Weg sind.

388 Paletten geben 48 Sitzplätze

«Die Balken sind das kleinste Hindernis», sagt Xaver Inglin, der sich sowohl bei papierisch.ch als auch beim Kulturcheckin engagiert. Auch er ist begeistert vom Flair des Lokals, weiss aber auch um die Hindernisse. Dabei denkt er weniger an die Verhandlungen zwischen der Cham Paper Group und der Gemeinde, als vielmehr ans Publikum. «Am meisten zweifle ich daran, ob der Anreiz genügend gross ist, hierher zu kommen», erklärt er. Das Kulturlokal müsse Ausstrahlung über die Gemeindegrenzen hinaus haben und auch tagsüber für Belebung sorgen. Doch das könne sich über die Jahre entwickeln. Sagts – und diskutiert in einer Runde mit, die über die Frage berät, wie viele Paletten es braucht, um eine kleine Tribüne zu bauen. Die Antwort: 388 Paletten reichen für 48 Sitzplätze. Das haben einige der Visionäre bereits im Vorfeld ausgerechnet. Und wieder spürt man, dass diese engagierten Chamer am liebsten schon morgen mit dem Betrieb anfangen würden.