CHAM: In der Scheune Überfälle geplant

Die Gauner Chantal und Manni verirren sich auf der Flucht und landen auf einem Bauernhof. Die Hofbesitzer lassen sie entgegenkommend in ihrer Tenne unterschlüpfen. Mit Folgen.

Daniela Sattler
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Chantal (Barblin Leggio) und Manni (Hans Peter Incondi) planen ihre Überfälle im Enikerhof in Cham. Bild: Werner Schelbert (2. Juni 2017)

Chantal (Barblin Leggio) und Manni (Hans Peter Incondi) planen ihre Überfälle im Enikerhof in Cham. Bild: Werner Schelbert (2. Juni 2017)

Daniela Sattler

redaktion@zugerzeitung.ch

Sie sind ein Mythos aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise: Bonnie und Clyde. Clever und brutal überfielen sie Banken und Geschäfte. Ihre Liebe und ihr gemeinsamer Tod wurden oft glorifiziert.

Chantal und Manni versuchen sich ebenfalls in Banküberfällen. Blut fliesst dabei aber keines, und vom Erfolg sind die Überfälle auch nicht gekrönt. Dass sie sich nach dem berühmten Gangsterpaar nennen, ist Manni (Hans Peter Incondi) zu verdanken. Er selbst wäre gerne ein erfolgreicher Bankräuber.

Unterhaltsame Kultur in urchiger Atmosphäre

Unterhaltsame Kultur in der urchigen Atmosphäre eines Bauernhofs: Auf dem Enikerhof war dies am Freitagabend möglich: Die Tenne der Familie Rüttimann in Cham bot ein besonderes Gefühl, um das Stück «Zwei wie Bonnie und Clyde» mitzuerleben.

Mit seiner Kulturarbeit schafft und fördert der 2005 gegründete Verein «Hof-Theater» einen Ort der Begegnung zwischen Menschen aus ländlichen und städtischen Gebieten. «Zu diesem Zweck touren wir jeweils von Mai bis September mit professionellen Produktionen von Bauernhof zu Bauernhof und verwandeln den Stall, die Scheune oder den Heuboden in ein Theater», erklärte Hans Peter Incondi, der 63-jährige künstlerische Leiter des Vereins, vor der Aufführung.

Mit 30 Veranstaltungsorten und 37 Vorstellungen in 17 Kantonen sei das «Hof-Theater» dieses Jahr in allen Regionen der Deutschschweiz anzutreffen. «Pro Saison legen wir rund 10000 Kilometer zurück», so Incondi weiter. Er ist bereits seit der Gründung des «Hof-Theaters» dabei und auch selber schon in viele Rollen geschlüpft. Heuer, in der Komödie «Zwei wie Bonnie und Clyde», zieht er das Publikum als Manni in seinen Bann.

Lachmuskeln wurden arg strapaziert

Manni neigt zur Selbstüberschätzung und ist mit der naiv-dümmlichen Gangsterbraut Chantal (Barblin Leggio) liiert. Leggio habe als Chantal eigentlich eine bedauernswerte Rolle, meinte Ursula Grimm aus Buchs ZH in der Pause lachend. Aber Manni sei ja nicht viel besser, brachte es derweil ihre Kollegin auf den Punkt. «Er ist vielleicht ein wenig intelligenter dumm.» Auch ihnen war schnell klar, dass das dilettantische Gaunerpärchen weder über das charakterliche noch das kriminelle Format ihrer Vorbilder verfügte.

Als das Stück begann, hatten die Besucher bereits viel vom Bauernhof gesehen, feine Bauernprodukte gegessen und sich mit der Bauernfamilie sowie den Mitarbeitern unterhalten. Die Familie Rüttimann engagierte sich bereits zum dritten Mal in Folge mit viel Herzblut für eine gemütliche Atmosphäre und war wiederum für das leibliche Wohl der Gäste besorgt.

«Diese Theateraufführungen sind für uns etwas Spezielles», so der 31-jährige Betriebsleiter ­Daniel Rüttimann, der die Leitung des elterlichen Hofs Anfang dieses Jahres übernommen hat. «Dadurch können wir den Verein unterstützen und den Besuchern das Angebot unseres Familienbetriebs näherbringen.» Ein Rundumangebot, das an diesem Abend rund 80 Gäste wieder ­gerne nutzten.

Hinweis

Weitere Aufführungsdaten siehe unter: www.hof-theater.ch