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CHAM: Industrieschick im modernen Dschungel

Auf dem Papieri-Areal soll in den nächsten 15 Jahren ein Stadtteil entstehen. Er nimmt konkretere Formen an, die dem aufliegenden Bebauungsplan zu entnehmen sind. Darüber hin- aus besteht die Chance, eine Vielzahl der historischen Industrie- gebäude vorübergehend zu nutzen.

Raphael Biermayr

Auf dem oft sterilen Dienstleistungsplatz Zug schwindet der Bezug zu Dreck und Verwitterung, denn viele der einstigen Industrieanlagen sind verschwunden. Das Papieri-Areal in Cham ist hingegen noch nahezu unangetastet. Und es soll auch nach der gemäss Planungsbericht «auf mindestens 15 Jahre» ausgelegten Baudauer noch etwas Industrieschick bewahren.

Denn gemäss dem Bebauungsplan sollen neun Gebäude unter Schutz gestellt werden und in ihrer heutigen Form bestehen bleiben, sie können umgenutzt werden: Kalanderbau, Werkstattgebäude, Kesselhaus, Durolux-Gebäude (im Plan beschriftet), Portierhaus (rechts vom Kesselhaus), Trafogebäude (rechts vom Durolux-Gebäude), Papiermaschine 1 bis 4 (ganzes Gebäude bei der Nummer 1), Walzenlager (grenzt oben an die Eintraghalle) und Eisenmagazin (rechts vom Zentrallager).

Das Theater Casino kommt nicht

Die Eigentümerin Cham Paper Group hat auf ihrer Homepage gegenwärtig 13 Räumlichkeiten auf dem Areal zur Zwischennutzung ausgeschrieben. Gemäss Andreas Friederich, dem Leiter Geschäftsbereich Immobilien der Firma, beträgt der Zeitraum für die Übergangsnutzungen aus heutiger Sicht je nach Gebäude zwischen zwei und zehn Jahren. Das gilt auch für das Kesselhaus, das mit seinen Schornsteinen in gegen 40 Metern Höhe das Wahrzeichen des Geländes darstellt. Für dieses Gebäude wurde bereits eine Umnutzung als Kletterhalle geprüft. Dieses Vorhaben werde von den Initianten momentan aber nicht mehr weiterverfolgt, teilt Friederich mit.

Gleiches gelte für die Idee, auf dem Papieri-Areal dem Theater Casino Zug Unterschlupf zu gewähren, während dessen Heimstätte in Zug renoviert wird. Hierfür sei unter anderem der Saal im Kalanderbau in Frage gekommen, der seit längerer Zeit tageweise gemietet werden kann. «Letztlich ist das Projekt an den hohen Mehrkosten aufgrund gesetzlicher und behördlicher Auflagen gescheitert», erklärt Friederich. Bereits vermietet sind indes verschiedene Büroräumlichkeiten im Verwaltungsgebäude.

Auch andernorts im Kanton werden teilweise unter Schutz gestellte ehemalige Industriegebäude und Arbeiterhäuser genutzt, so etwa aus dem Nachlass der Spinnereien in Neuägeri, Unterägeri und in Baar. In Zug werden beispielsweise in der ehemaligen Fabrik von Orris Speisefett Büroräumlichkeiten vermietet. An der Gründerstätte der Landis & Gyr an der Hofstrasse, wo einst Stromzähler hergestellt wurden, ist heute unter anderen das Museum für Urgeschichte(n) einquartiert. Nichts mehr zu sehen ist hingegen von der ehemaligen Metallwarenfabrik: Dort steht heute der Metalli-Komplex. Dessen Fläche umfasst übrigens ziemlich genau einen Drittel des gesamten Papieri-Areals.

So viel Land erhält die Gemeinde

Auf jenem erhält die Gemeinde im Rahmen einer Vereinbarung mit der Cham Paper Group 18 271 Quadratmeter unentgeltlich zur öffentlichen Nutzung. Dazu gehören die Gleisbetten von der Fabrik bis zum Bahnhof (sie sollen zu Velowegen werden), der Erlebnis-Spielplatz Teuflibach sowie das Lagerhaus (Langhuus) mit dem umliegenden Gebiet und der Fläche bis zur Knonauerstrasse. An der kulturellen Nutzung des Langhuus ist die gleichnamige Interessengemeinschaft interessiert (wir berichteten). Diesem Gebäude wird im Planungsbericht eine «hohe Bedeutung» beschieden, weshalb «eine frühzeitige Nutzung wichtig und sinnvoll» ist. Es muss bis spätestens drei Jahre nach Genehmigung des Bebauungsplans einer Zwischennutzung oder definitiven Nutzung zugeführt werden. Über die Verwendung entscheidet ein Beirat, bestehend aus externen Fachleuten sowie der Einwohnergemeinde.

Auf erwähnter Fläche zur Knonauerstrasse hin soll ein Gebäude mit Arbeitsnutzung entstehen, heisst es auf Anfrage bei der Abteilung Planung und Hochbau. Durch das Gebäude könnte die Gemeinde Mieteinnahmen generieren. Ein Gedankenspiel eröffnet eine weitere Möglichkeit: Es wird von der Verwaltung genutzt als Ersatz für das sistierte Verwaltungsgebäude auf dem Rigiplatz. So oder so: Das Erdgeschoss soll der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Wie hoch ist das Wachstum?

Der designierte neue Stadtteil auf dem Papieri-Areal könnte dank seiner Dimensionen gewissermassen selbst eine Öffentlichkeit stellen. Denn gemäss dem Planungsbericht sollen im Dschungel der modernen Neubauten (siehe Plan) 900 bis 1200 Wohnungen (inklusive 100 preisgünstige Wohnungen) sowie 900 bis 1250 Arbeitsplätze entstehen.

Bei dieser Ausgangslage darf man gespannt sein, wie der Gemeinderat die in einem Beschluss festgehaltene Zielgrösse von 18 000 Einwohnern bis ins Jahr 2030 einhalten will. Bislang waren es nach kantonalem Richtplan 17 200. Diese Zahl «kann mittels Verdichtungen überschritten werden», geht aus erwähntem Dokument hervor. Angesichts der bereits jetzt schon über 16 000 Einwohner und der mindestens 200 geplanten Wohnungen im Teufli­bach könnte die Zielgrösse überschritten werden. Selbst wenn auf dem Papieri-Areal 2030 noch nicht alle neuen Gebäude bezogen wären.

Fest steht: Das Grossprojekt wird Cham nachhaltig verändern.

Hinweis

Der Bebauungsplan liegt noch bis 25. April im Planauflagezimmer am Dorfplatz 6 in Cham auf. Bis dahin läuft auch die Frist für Einwände. Die Urnenabstimmung über den Bebauungsplan inklusive des Umweltverträglichkeitsberichts sowie der Bauordnungs- und Zonenplanänderungen ist für den 25. September vorgesehen.

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