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CHAM: Jetzt heisst es: Bühne frei für Hobby-Sänger

40 Einsprachen gingen gegen Manfred Buchers geplante Karaoke-Bar ein. Zuerst wollte er aufgeben. Nun feiert er aber bald Eröffnung.
Bald können in Cham Karaoke-Sänger auftreten. Auch der Betreiber Manfred Bucher wird hier immer mal selber wieder zum Mikrofon greifen.

Bald können in Cham Karaoke-Sänger auftreten. Auch der Betreiber Manfred Bucher wird hier immer mal selber wieder zum Mikrofon greifen.

«Ich war wirklich fertig», sagt Manfred Bucher. Vor rund einem halben Jahr stand der 60-Jährige eigentlich kurz vor der Eröffnung seiner Karaoke-Bar Maybe an der Knonauerstrasse in Cham. Die Räume waren eingerichtet, die Mikrofone für die Hobby-Sänger lagen bereit, die Bar war aufgefüllt (wir berichteten). Doch dann traf etwas ein, womit Manfred Bucher nicht gerechnet hatte. 40 Einsprachen gingen gegen sein Umnutzungsgesuch für den Gewerberaum bei der Gemeinde ein. Die grösste Angst der Einsprecher war der Lärm, der durch die Karaoke-Sänger entstehen könnte. Im Weiteren befürchteten die Anwohner Mehrverkehr, ihnen waren die Öffnungszeiten bis um 4 Uhr zu lang und die Parkplatzanzahl vor dem Lokal zu gering.

Der Gewinn steht nicht im Zentrum

«Zwei Wochen lang war ich wie gelähmt», sagt Manfred Bucher. Doch dann begann der Coop-Kadermitarbeiter zu kämpfen. Manfred Bucher, der leidenschaftliche Karaoke-Sänger, wollte seinen Traum, den er seit mehr als einem Jahr verfolgte, nicht so schnell aufgeben. Unterstützt wird er dabei von seinen beiden Töchtern, mit denen er die Bar als Familienprojekt am Freitag- und Samstagabend öffnen will. Das Konzept: Die Familie Bucher betreibt die Karaoke-Bar hobbymässig und nicht gewinnorientiert. Manfred Bucher sagte im letzten März gegenüber unserer Zeitung dazu: «Ich werde nicht reich mit dieser Bar, aber ich will auch nicht reich damit werden.» Denn ihm gehe es mit diesem Lokal vor allem darum, sein Hobby zu leben und es mit anderen zu teilen.

Als erstes gab Manfred Bucher dann ein Lärmgutachten in Auftrag, das auch unserer Zeitung vorliegt. Es zeigt, dass bei der erlaubten Lautstärke von 93 Dezibel der Grenzwert ausserhalb des Gebäudes stark unterschritten wird. Bereits im Treppenhaus ist der Lärm der Strasse neun Mal höher als jener der Bar. Selbst bei geöffneten Fenstern sind die Grenzwerte für dieses Gebiet deutlich eingehalten.

Das Gutachten wurde den Einsprechern zugestellt, wie auch das angepasste Betriebskonzept. Bucher reduzierte die Öffnungszeiten von 4 auf 2 Uhr, erhöhte das Mindestalter von 14 Jahren (mit Begleitung) auf 16 Jahre. Ausserdem verpflichtete er sich, auf die Einhaltung der Nachtruhe in seiner Bar hinzuweisen, die Fenster geschlossen zu halten und Parkplätze auf dem gegenüberliegenden Pavatex-Areal zu organisieren. Im Weiteren lud er die angrenzenden 54 Wohnparteien zu einer Besichtigung der Bar und einem Gespräch. Gekommen sind sieben Parteien.

«Ein wirklich glücklicher Moment»

Rund die Hälfte der Einsprecher konnte Bucher mit dem abgeänderten Konzept und dem Gutachten überzeugen – die andere Hälfte wehrte sich wiederum beim Gemeinderat. Beanstandet wurde unter anderem, dass das Lärmgutachten von ungenügenden Annahmen ausgeht. In seiner Sitzung vom 13. August hat der Gemeinderat schliesslich über das Gesuch entschieden. Er beschloss, dass Manfred Bucher die Karaoke-Bar mit Anpassungen des Konzepts und Auflagen betreiben darf. «Es war ein wirklich glücklicher Moment für mich und meine Töchter», sagt Manfred Bucher. «Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.»

Sobald wie möglich hat er nun die Eröffnung seines Lokals organisiert. Am 13. September will er für die Öffentlichkeit die Türen öffnen. «Schliesslich habe ich nun sechs Monate lang Miete und andere Fixkosten bezahlt», sagt er. Dieses Geld müsse er nun wieder hereinholen. Auch andere Verluste musste Bucher hinnehmen: «Das nicht-pasteurisierte Baarer Bier, das ich bereits im Frühling gekauft habe, ist leider heute abgelaufen», sagt er – und lächelt. So schnell kann ihn nichts mehr aus den Socken hauen. Er freut sich jetzt einfach auf seine Bar, in der 20 000 Lieder mit musikalischer Untermalung zum Singen bereitliegen. Und natürlich wird Manfred Bucher auch selber auf der Bühne stehen, am liebsten als Elvis Presley. Und wie sang schon dieser: «You’ve got to be strong.»

Stephanie Hess

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