Cham
Kunstwerke, geschaffen aus den Farben des Kantons Zug

Im Kunstkubus Cham zeigen acht Kunstschaffende neue Werke mit einem speziellen Bezug zur Region.

Monika Wegmann
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Verschiedene Künstler zeigen in einer Ausstellung Bilder, die mit den Farben des Kantons gemalt wurden. Die Farbpalette besteht aus acht Farben, die aus Pigmenten aus dem Kanton Zug hergestellt wurden.

Verschiedene Künstler zeigen in einer Ausstellung Bilder, die mit den Farben des Kantons gemalt wurden. Die Farbpalette besteht aus acht Farben, die aus Pigmenten aus dem Kanton Zug hergestellt wurden.

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 6. Februar 2021)

Nach der Verschiebung konnte im Kunstkubus die neue Ausstellung am vergangenen Freitag endlich eröffnet werden. Die acht ausgewählten Künstlerinnen und Künstler waren in der Gestaltung ihres Beitrages frei, hatten also eine Carte blanche erhalten: Sie mussten jedoch mit den Farbpigmenten des Zuger Farbkastens ihr Werk gestalten, wobei jedem ein Farbton zugestanden wurde. Durch die natürlichen Pigmentfarben ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild. Interessant sind zudem die Texte, die jeder Künstler zum Werk verfasst hat. Auch Präsidentin Barbara Stäheli ist begeistert:

«Die Idee mit dem Farbkasten finde ich genial. Die Werke sind überraschend vielfältig und schön geworden.»

Vielseitige Farbgeschichten

Sabine de Spindler stellt mit der «Menzinger Steinkohle-Anthrazit» einen Zusammenhang her mit ihren Spaziergängen in der Natur. Auf ihren Handyfotos erscheinen immer wieder geschwungene Formen von Pilzen an abgestorbenen Bäumen. Diese regten sie zu Pinsel- und Kohlezeichnungen an, später zu grösseren Werken mit dem erhaltenen Pigment. Wie sie schreibt, geht es ihr hier nicht um ein Abbild der Pilze, sondern um das Erfassen der Linien und ein Transferieren, um differenziert die Wahrnehmung einzufangen und weiterzuentwickeln.

Bernadett Madörin hat mit Gouache auf Acrylglas das «Baarer Höllgrotten-Weiss» verarbeitet. Sie betont: «Durch das Wiederholen des Farbauftrages verdichtet sich die Farbe, und es entstehen Farbkörper. Das Plexiglas ermöglicht Lichteinfall, dadurch werden die verschiedenen Schichten sichtbar.» Gertrud Künzli bezeichnet die «Zuger Seekreide-Chamois» als zarten, geheimnisvollen Farbstoff, der nass kaum Farbigkeit zeige und sie erst beim langsamen Trocknen entfalte. Auf ihrem Bild «Kristallin» sind schlichte, geometrische Formen entstanden und eine Struktur, wie sie im mineralischen Reich sein könnten, wenn sie ans Licht kämen.

Neuauflage des Zuger Farbkastens

(mw) Das Thema mit den Zuger Farben wurde durch das Neujahrsblatt 2021 angeregt. Der Farbkasten ist der Ausgangspunkt, die Ausstellung das Supplement. Heiri Scherer hat das Projekt engagiert mitgestaltet und sagt: «Der erste Zuger Farbkasten wurde 2012 gemacht und im Kunstkubus gezeigt. Die 2. Auflage erscheint nun zu dieser Ausgabe. Es sind acht natürliche Pigmente aus Steinen und Erden des Kantons geblieben, neu sind nun das Unterägerer Sandstein-Grau und das Zuger Seekreide-Chamois dabei.» Das Material hat als Fachmann Stefan Muntwyler zusammengetragen. In der Farbmühle Kremer in Aichstätten im Allgäu wurden die Materialien zu Pigmenten gemahlen und die Wasserfarben gefertigt. Stolz über die Qualität zeigt Scherer den kleinen Farbkasten, der mit Pinsel für 145 Franken in einer Auflage von 250 Stück verkauft wird. «Das letzte Mal waren die 100 Stück innert weniger Wochen weg.»

Der Zuger Farbkasten.

Der Zuger Farbkasten.

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 6. Februar 2021)

Dazu hat Heiri Scherer nach umfangreicher Recherche eine achtseitige Broschüre verfasst, die in Text und Bild über den historischen Hintergrund der Zuger Farben informiert. So wurde beispielsweise das Baarer Höllgrotten-Weiss aus einem Stück Sinterstein aus dem Höhleninnern gewonnen, das von der Familienstiftung Schmid Höllgrotten für den Farbkasten zur Verfügung gestellt worden. Der Farbkasten (145 Franken) und die Broschüre (8 Franken) können beim Kunstkubus bezogen werden: info@kunstkubuscham.ch.

Sam Heller hat das «Chamer Ziegel-Rot» zu Recherchen vor Ort angeregt. Die historischen Ziegel haben sie durch ihre Schönheit mit dem filigranen Prägedruck und den Mustern überrascht. Sie integrierte diese Eindrücke mit Collagen in ihr Werk, wobei sie deren Einfluss auf die Architektur einbezog.

Kurator Heiri Scherer hat das Projekt im Kunstkubus mitgestaltet.

Kurator Heiri Scherer hat das Projekt im Kunstkubus mitgestaltet.

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 6. Februar 2021)

Marina Lutz hat zusätzlich zum «Neuheimer Verrucano-Rot»-Pigment ein japanisches namens «Ginkaimatsu» integriert und damit ein intimes, intuitives Bild gemalt, dessen Form in der Mitte an einen Tannenzapfen erinnert. Für sie bedeutet er Fruchtbarkeit und Unendlichkeit. Ganz schlicht in Form und Farbe wirkt das Aquarell von Ruth Kobel im «Unterägerer Sandstein-Grau». Ramon Bachmann schuf eine «Nahaufnahme von Rudimenten in einem Kern». Ihm war das «Notikoner Chriesistei-Schwarz» zugeteilt worden. Mit der Mikroskopaufnahme eines Chriesisteis gibt er einen faszinierenden Blick in dessen Innere. Auf der Malerei wird eine Struktur sichtbar, welche an eine Koralle erinnert – und letztlich an unser Klima. Oliver Kümmerli befasst sich im Video mit der Vorstadtkatastrophe von 1887. Dazu hat er Archivmaterial mit Techniken verfremdet und so eine Verbindung vom Pigment «Kanton Zug Kobalt-Blau» zum Zugersee geschaffen.

Hinweis: Der Kunstkubus Cham ist im März jeweils samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

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