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CHAM: Leben ohne Taschenrechner – «sein Gehirn ist ein Ferrari»

Kopfrechnen ist seine Leidenschaft. Bald wird Maximilian Krahn (14) seinen Europameistertitel in dieser Disziplin verteidigen. Das Genie überforderte schon früh sein Umfeld.
Andrea Muff
Wurzel- und Potenzaufgaben löst Maximilian Krahn am liebsten – und zwar ohne Taschenrechner. (Bild Werner Schelbert)

Wurzel- und Potenzaufgaben löst Maximilian Krahn am liebsten – und zwar ohne Taschenrechner. (Bild Werner Schelbert)

Er war kaum fünf Jahre alt, als sein Vater ihn völlig verdutzt anschaute. Denn der kleine Junge verlangte von seinem Vater, sobald ihn die Langeweile packte, ihm doch Rechenaufgaben zu stellen. Um dabei den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, erklärte der Vater seinem Sohn bei einem ihrer Spaziergänge die Wurzelrechnung – wohlgemerkt einem kaum Fünfjährigen. Als dieser dann die Wurzelaufgaben ohne Mühe löste, wusste der Vater: Irgendwas stimmt hier nicht. «Diese Szene hat sich in meine Erinnerung eingebrannt», gibt Adrian Krahn zu.

Die Rede ist von seinem inzwischen 14-Jährigen Sohn Maximilian. Der junge Chamer gilt als hoch begabt und ist amtierender Europameister im Kopfrechnen. Wurzel-, Potenz- und Wochentage-Rechnen gehören zu seinem mathematischen Spezialgebiet: «Das macht einfach Spass», sagt der 14-jährige Kantischüler. Seine Rechenkünste stellt er vom 4. bis 7. Mai in Zürich an der zweiten Europameisterschaft unter Beweis. Vor zwei Jahren holte sich Maximilian Krahn in Luzern den Titel. Heute beteiligen sich an der Meisterschaft 40 Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren.

In der Freizeit spielt er Fussball

Aufgeregt, an der EM dabei zu sein, ist Maximilian Krahn überhaupt nicht. «Ich werde ein paar Tage zuvor noch ein paar Methoden und Tricks repetieren.» Der bescheidene Rechenkünstler wirkt nicht ehrgeizig. Er erklärt: «Ich rechne nur, wenn ich und worauf ich Lust habe.» Das heisst also, dass der Kantischüler nicht jeden Abend an seinem Pult sitzt und Mathematikaufgaben löst. In seiner Freizeit spielt er seit fünf Jahren beim SC Cham Fussball. Er sei nicht der grösste Techniker, könne aber durchaus gut mitspielen, so Maximilian Krahn. Nebenbei spielt der 14-Jährige noch Klavier und Oboe. Natürlich beweist er ebenfalls musikalisches Talent, denn die Grenzen zwischen Musik und Mathematik sind fliessend.

Wenn Maximilian Krahn aber die Langeweile packt, überlegt er sich neue Methoden, für möglichst komplizierte Rechnungen im Kopf eine Lösung zu finden. Da gebe es die 7er-Rest-Methode, die 11er-Rest-Methode und Algorithmen, die dem Rechentalent helfen. Für sein Umfeld aber am praktischsten ist das Ausrechnen von Daten und Wochentagen. Der Tag kann in der Zukunft oder in der Vergangenheit liegen, Maximilian Krahn weiss, um welchen Wochentag es sich dabei handelt.

Ratlose Gesichter

Wenn er allerdings erklären soll, wie das funktioniert, verstehen viele Normalsterbliche nur Bahnhof. Trotzdem versucht er es: «Das System ist ganz simpel – man muss nur kleine Zahlen addieren, das geht nie über eine dreistellige Zahl hinaus.» Erst müsse man den Siebenerrest abziehen, dann hätten jeder Wochentag und jeder Monat eine Zahl, und dann müsse man noch das Jahrhundert berücksichtigen. Alles klar?

Vermutlich nicht. Nach solchen Ausführungen steht Maximilian meist vor ratlosen Gesichtern. «Was für ihn simpel ist, heisst nicht, dass es das für uns auch ist», bemerkt Adrian Krahn richtig und fügt an: «Sein Hirn ist ein Ferrari.» Aber im Gegensatz zum roten Flitzer trainiert Maximilian Krahn seine Schnelligkeit.

So wendet der Zahlenakrobat die Addition und Subtraktion nicht oft an: «Das ist mir zu aufwendig und gleicht eher einer Merkaufgabe.» Bei Wurzel- und Potenzaufgaben könne er die Algorithmen anwenden, was ihn wesentlich mehr unterhält. In der Mathematik gibt es also auch Bereiche, die ihm weniger Spass bereiten als andere. In der Schule gibt es ein Fach, das Maximilian Krahn nicht mag: «Ich kann einfach nicht zeichnen. Das konnte ich noch nie.» Aber ansonsten müsse er nur für Geschichte, Biologie und Religionskunde seine Nase in die Bücher stecken und lernen. In der Mathematik kennt der Kopfrechner die Lösungen – oft auch ohne Taschenrechner. «Ab und zu brauche ich einen wissenschaftlichen Taschenrechner, wenn ich mit der Zahl Pi rechne und ein möglichst genaues Resultat will.»

Bereits im Kindergarten hatte das Rechengenie eine Lieblingszahl: «Das war 1024, denn das ist das Resultat von 2¹? oder 32 mal 32.» Heute gefallen Maximilian Krahn Zahlen wie 1 048 576 (= 220) oder 33 554 432 (= 225) besonders gut. «Ich mag hohe Potenzen von der Zahl zwei», gibt er zu.

Andrea Muff

Hinweis

Im Burgbachsaal in Zug will der elffache Weltmeister im Kopfrechnen, Gert Mittring, am Donnerstag, 5. Mai, von 19 bis 21 Uhr einen Weltrekordversuch starten. Er zieht eine Kubikwurzel aus einer zehn- bis zwölfstelligen Zahl, in nur wenigen Sekunden. Auch Maximilian Krahn zeigt am Abend sein Talent.

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