CHAM: Lorzenkraftwerk: Nach 106 Jahren ist Schluss

Seit 1903 produziert das Flusskraftwerk Untermühle in Friesencham ohne Unterbruch Strom. Ab Herbst 2010 wird eine neue Wasserturbine doppelt so viel Strom produzieren

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Es ist fast unglaublich: Im Chamer Gemeindeteil Friesencham existiert ein kleines Flusskraftwerk, das seit 106 Jahren seinen Dienst zuverlässig verrichtet. Die Technik, mit der an der unteren Lorze bis heute Strom produziert wurde, entstammt der Pionierphase der Elektrifizierung. Vergebens sucht man nach digitalen Kontroll- und Steuergeräten. Hier wird – oder besser gesagt wurde – alles noch von Hand geregelt und die Messwerte von grossen Messinginstrumenten abgelesen, wie die Wasserwerke Zug AG (WWZ) mitteilt.

Ersatzteile wurden rar
Zuletzt sei es immer schwieriger geworden, Ersatzteile für die alte Anlage zu besorgen, wie es weiter heisst. Zudem nutzten die zwei alten Turbinen das Wasserkraftpotenzial nur ungenügend. Die WWZ entschloss sich daher zu einer umfassenden Sanierung. Durch den Einbau einer einzigen und grösseren Turbine soll die Kraftwerksleistung auf 650 Kilowatt verdoppelt werden. Das reicht für die Belieferung von rund 130 Haushalten mit Strom. Die alte, industriehistorisch wertvolle Technik und das markante Gebäude bleiben der Nachwelt grösstenteils erhalten.

Die Wasserkraft wird bei der Untermühle schon seit dem frühen 14. Jahrhundert genutzt – die erste Erwähnung datiert von 1309. Auch für die Elektrifizierung des Kantons Zug an der Wende zum 20. Jahrhundert war die Nutzung der Lorze wichtig. Heute decken die Lorzenkraftwerke nur noch fünf Prozent des Stromabsatzes der WWZ. «Wir wollen die lange Tradition der Wasserkraftnutzung an der Lorze fortführen. Mit neuer Technik kann auch die Produktion von umweltschonend erzeugtem Strom aus Wasserkraft verdoppelt werden», wird WWZ CEO Andreas Widmer zitiert.

Zwei weitere Erneuerungen
Im gleichen Zeitraum werden zudem die Lorzenkraftwerke in Hagendorn und in Frauental erneuert. Die Sanierungsarbeiten an den drei Kraftwerken sind mit 20 Millionen Franken veranschlagt und sollen auf Ende 2010 abgeschlossen werden.

scd

Andreas Widmer, CEO der WWZ (links) und Markus Zimmermann, Leiter Gas + Wasser, schalten das Kraftwerk Untermühle ab. (Bild pd)