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CHAM: Mit Alkohol will er die Energiewende schaffen

Der Erfinder Urs Weidmann will das Energieproblem der Zukunft lösen. Jetzt hofft er auf Gehör bei der Regierung in Bundesbern.
Bernard Marks
Der Erfinder Urs A. Weidmann in seiner Chamer Werkstatt vor einem Kleinkraftwerk. (Bild Maria Schmid)

Der Erfinder Urs A. Weidmann in seiner Chamer Werkstatt vor einem Kleinkraftwerk. (Bild Maria Schmid)

Urs Weidmann (62) hat Tage fast durchgehend Besuch. «Die Leute kommen aus aller Herren Ländern nach Cham», sagt der CEO der Firma Silent-Power im Gespräch mit unserer Zeitung. Heute haben sich zum Beispiel Gäste aus Ruanda an der Chamer Gewerbestrasse 11 angekündigt. Das Interesse an der Idee des findigen Unternehmers ist gross.

Bild: Grafik Janina Noser

Bild: Grafik Janina Noser

Weidmann will mit Kleinkraftwerken die Energiewende schaffen. «Wir müssen weg von Erdöl, Kohle oder Erdgas. Weltweit beträgt der Anteil der fossilen Brennstoffe an der Energieversorgung über 85 Prozent», sagt er. Die Energienutzung aus diesen Quellen sei zu wenig effizient, und die Nachteile wie der Kohlendioxidausstoss und giftige Abgase verursachten Probleme. Vor allem das Klima werde dadurch aufgeheizt.

Minikraftwerke entwickelt

Die Lösung bietet Weidmann das Methanol. Er will dem fast vergessenen Brennstoff wieder zum Durchbruch verhelfen. «Methanol ist im Vergleich zu derzeit üblichen Brennstoffen der viel effizientere Energieträger», sagt Weidmann. Denn der Alkohol verbrennt CO2-neutral und hat einen hohen Wirkungsgrad. Methanol ist farblos, gefriert erst bei minus 98 Grad Celsius, siedet erst bei 65 Grad, ist bedeutend weniger explosiv als Benzin – und hat keine giftigen Emissionen. Wird Methanol verbrannt, entstehen wiederum CO2 und Wasser (siehe Grafik).

Dabei wird Energie frei, die Weidmann nutzen will. «Wir haben ein Minikraftwerk entwickelt, das nicht grösser ist als ein Kleiderschrank», sagt Weidmann. Diese Energieumwandler, Weidmann nennt sie Econimos (Energy Converter Integral Module), sollen als dezentrale Minikraftwerke im Keller oder in unmittelbarer Nähe eines Gebäudes stehen. Die bei der Verbrennung von Methanol entstehende Wärme wird zum Heizen der angeschlossenen Gebäude genutzt, der Strom direkt in das Netz des lokalen Stromversorgers eingespeist.

16 Millionen Franken investiert

Der Ingenieur hat sich viel vorgenommen. Weidmann, der früher im Bankgeschäft bei den Grossbanken UBS sowie Credit Suisse tätig war, ist promovierter Elektroingenieur der ETH Zürich. In den 80er-Jahren suchte er am Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen nach neuen synthetischen Brennstoffen. Seit dem Start mit seiner Firma Silent-Power im Jahr 2012 konnte Weidmann viele Investoren von seiner Idee überzeugen. Bis heute konnte der Unternehmer 16 Millionen Franken sammeln. Dieses Jahr laufen erste Pilotversuche unter anderem bei den Wasserwerken Zug. Im Jahr 2017 plant Weidmann bereits die Markteinführung. «Dann wollen wir Geld verdienen», sagt er zuversichtlich.

Bundesräte überzeugen

Vor allem in der Schweiz sieht Weidmann für seine Kleinkraftwerke gute Möglichkeiten. «Länder wie Deutschland haben sich in jüngster Zeit sehr stark von Gaslieferungen aus Osteuropa abhängig gemacht. In der Schweiz könnten wir die Chance nutzen, ein unabhängiges System aufzubauen», sagt Weidmann. Seine Vision ist es, mit seinen Minikraftwerken nach dem Ausstieg aus der Atomkraft einen vollwertigen Ersatz für die fehlende Energiequelle zu schaffen. Demnächst spricht er in Bundesbern vor, um die Bundesräte von seiner Idee zu überzeugen. «Vier Jahre hat es gedauert, bis ich nun mein Konzept vorstellen darf», sagt er.

Doch es gibt noch Hindernisse. Die Herstellung von Methanol ist eigentlich einfach: Aus Wasser wird mit Hilfe von Strom elektrolytisch Wasserstoff produziert. Dieser wird mit dem Treibhausgas Kohlendioxid CO2 zu Methanol synthetisiert. Aber der Alkohol wird bisher vor allem aus Erdgas gewonnen. Grösster Produzent ist heute Katar mit rund einer Million Tonnen pro Jahr. Der Alkohol ist Grundstoff der petrochemischen Industrie. Sinnvoll ist die Produktion aber nur, wenn die Methanol-Synthese mit CO2 aus erneuerbaren Quellen oder aus der Luft abläuft. «Dann wäre die Verbrennung von Methanol CO2-neutral», sagt Weidmann.

Ein Vorbild für die Schweiz könnte Island sein. Dort wird heute ein Grossteil der Energie mit geothermischen Kraftwerken produziert. Damit stellen die Isländer Methanol her, das sich wie heutiger Sprit in Tanks speichern lässt. Die meisten Motoren vertragen ein Benzin-Methanol-Gemisch. Um­ge­rüs­tete Autos könnten sogar ausschliesslich mit diesem Alkohol betrieben werden. So auch die Kleinkraftwerke, die Weidmann in der Schweiz bauen will.

Bernard Marks

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