CHAM: Neuer Gutsherr zieht im «Hammer» ein

Das Anwesen liesse sich nicht verkaufen, so hat es noch letztes Jahr getönt. Jetzt kommts zum Generationenwechsel. Der Käufer sorgte im Sommer für Schlagzeilen.

Ernst Meier
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Andrea von Planta übergibt am 15. Oktober die Schlüssel an Ariel Lüdi und seine Partnerin Natalie Hunold. Auch die Hunde Mister, Wuschel und Drummer ziehen auf das Anwesen. (Bild: Alexandra Wey / Neue ZZ)

Andrea von Planta übergibt am 15. Oktober die Schlüssel an Ariel Lüdi und seine Partnerin Natalie Hunold. Auch die Hunde Mister, Wuschel und Drummer ziehen auf das Anwesen. (Bild: Alexandra Wey / Neue ZZ)

Vor dem Eingang zum Hauptgebäude begrüssen sich der alte und der neue Besitzer der Luxusresidenz Hammer. Beide lächeln zufrieden. Andrea von Planta (81) verkaufte vor wenigen Wochen das 20 000 Quadratmeter umfassende Anwesen an Ariel Lüdi (54). «Die Liegenschaft ist perfekt für uns», kommentiert der neue Gutsherr den Kauf. Seine Lebenspartnerin Natalie Hunold fügt an: «Es ist genau das, was wir gesucht haben.» Zur gleichen Zeit erkunden ihre drei Hunde Mister, Drummer und Wuschel die neue Umgebung. Am 15. Oktober findet die offizielle Übergabe statt – wenig später ziehen die neuen Besitzer ein, mit ihnen auch ihre vier Pferde.

«Meine Frau und ich können uns nun in unsere Alterswohnung zurückziehen», sagt von Planta und lacht. Eine gewisse Erleichterung und Zufriedenheit spürt man, versuchte von Planta doch fast zehn Jahre lang, sein feudales Anwesen zu verkaufen. «127 Interessenten kamen zur Besichtigung», erzählt er. Doch man wurde mit niemandem einig. Die meisten habe der aufwendige Liegenschaftsunterhalt abgeschreckt. «Man muss täglich was machen – ohne eigenen Gärtner gehts nicht. Dies ist kein gewöhnliches Anwesen», sagt er bestimmt und fügt lachend an: «Matchentscheidend ist aber sowieso die Frau.»

Suche via Google

Die Geduld von Andrea von Planta zahlte sich diesen Sommer aus. Für Ariel Lüdi kam das Immobilienangebot nämlich wie gerufen. Der erfolgreiche Software-Unternehmer verkaufte im Juni seine Anteile an der Firma Hybris für einen dreistelligen Millionenbetrag an den Deutschen Milliardenkonzern SAP. «Wir suchten eine Reitsportimmobilie im Kanton Zug», erklärt Lüdi. Zurzeit wohnen er und seine Partnerin in einem Haus im aargauischen Uezwil. Ihre vier Pferde seien extern untergebracht. «Explizit im Kanton Zug suchten wir auch aus steuerlichen Gründen», verrät Lüdi offen. Durch den Verkauf der Firma würde noch dieses Jahr ein hoher Steuerbetrag fällig. «Bei diesen Dimensionen macht es einen deutlichen Unterschied, ob man in Zug oder im Freiamt wohnt», sagt Lüdi. Via Google hätten er und seine Partnerin eine «Reitsportimmobilie im Kanton Zug» gesucht. Dabei stiessen sie auf einen Artikel unserer Zeitung vom letzten Dezember mit dem Titel «Chamer Luxusresidenz lässt sich nicht verkaufen». So fanden sich die beiden Parteien – und plötzlich ging alles sehr schnell. «Wir mussten nicht lange verhandeln», sagt Ariel Lüdi. Über den bezahlten Preis schweigen beide Seiten. Die in früheren Medienberichten kolportierten 25 Millionen Franken würden nicht stimmen, heisst es lediglich.

«Wir brauchen keine Seesicht»

In das Anwesen Hammer hätten sie sich sofort verliebt, sagen die neuen Besitzer. Trotz fehlendem Seezugang? «Wir brauchen keine Seesicht», sagt Lüdi. «Der Bach und die Lorze, die durchs Anwesen fliessen, gefallen uns besser.» Natalie Hunold fügt an: «Seesicht haben wir nie gesucht. Das macht nur depressiv, wenn man im Winter auf den See blickt.» Die Juristin und ehemalige Managerin bei einem grossen Schweizer Versicherungskonzern ist heute vor allem sozial tätig. Dabei setzt sie sich am liebsten für das Wohl von Tieren ein. Neben ihren Pferden will sie künftig auch zwei Eseln ein Heim bieten. Das Anwesen Hammer soll auch nach dem Besitzerwechsel den offenen Charakter behalten, versichern Ariel Lüdi und Natalie Hunold. Verschiedene lokale Vereine und Organisationen nutzen seit Jahren das Anwesen für spezielle Anlässe. Auch Führungen, Hochzeitsfeiern und Firmenevents fanden vereinzelt auf dem Anwesen mit grossem englischem Garten statt. «Wir wollen diesen schönen Flecken Cham mit der interessierten Öffentlichkeit teilen», sagt Ariel Lüdi. «Ich werde weiterhin viel beruflich unterwegs sein.» Er wolle aber zwei Tage die Woche von Cham aus arbeiten. «Dass hier auf dem herrlichen Ansitz Hammer alles bestens läuft, dafür ist sowieso meine Partnerin zuständig», sagt der Geschäftsmann – ganz im Sinne der Worte seines Vorgängers: «Matchentscheidend ist sowieso die Frau.»