CHAM PAPER GROUP: «Die Vergangenheit hat deutlich gezeigt, was die Zukunft bringen wird»

Mitte April werden die letzten zwei grossen Maschinen zur Papierherstellung abgestellt. Rund 40 Leute verlieren ihre Stelle. René Walker blickt nach vorn.

Drucken
Teilen
«Die Kündigung bedeutet auch eine Chance, nochmals von vorne zu beginnen» - René Walker an seinem langjährigen Arbeitsplatz. (Bild: Stefan Kaiseer / Neue ZZ)

«Die Kündigung bedeutet auch eine Chance, nochmals von vorne zu beginnen» - René Walker an seinem langjährigen Arbeitsplatz. (Bild: Stefan Kaiseer / Neue ZZ)

Susanne Holz

René Walker führt durch die Fabrikhallen der Cham Paper Group (CPG). Mehrere kleine Maschinen laufen noch sowie die zwei grossen Streichmaschinen, mit denen während der letzten Jahre Spezialpapier hergestellt wurde: für Lebensmittelverpackungen, Drucke auf T-Shirts oder Sportbekleidung, für Panini-Bildli.

Die Produktion von neuartigen Barrierepapieren war der Hoffnungsträger der Chamer Traditionsfirma, nachdem man 2012 und 2013 bereits die beiden grossen Papiermaschinen PM4 und PM5 ein für allemal abgestellt hatte. Doch die Bestellungen blieben aus, und so kam es im August 2014 zur erschütternden Nachricht: Die CPG verlagert auch noch den in Cham verbliebenen Teil der Papierveredelung in ihre Werke nach Norditalien. Weitere 40 Personen erhalten somit diesen Frühling ihre Kündigung.

Treuer Mitarbeiter

Stichwort Hoffnung. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagt René Walker. Was aber nicht heissen solle, dass er nicht darauf vorbereitet gewesen sei, dass nun auch noch die letzte grosse Produktion zu Ende gehe. «Die Vergangenheit hat deutlich gezeigt, was die Zukunft bringen wird. Man konnte ahnen, dass es so weit kommen wird.» René Walker ist 55 Jahre alt, geboren und aufgewachsen ist er in Cham. Direkt nach der Schule startete er 1976 eine dreijährige Ausbildung bei der Cham Paper Group. 1992 liess er sich im deutschen Gernsbach bei Baden-Baden zum Industriemeister Fachrichtung Papiererzeugung aus­bilden.

1992 ist auch das Jahr, in welchem die Streichmaschine Nummer vier gebaut wurde, die Walker seit Jahren betreut. Seit 39 Jahren ist René Walker mit der Cham Paper Group verbandelt, seit vielen Jahren kümmert er sich als Werkführer um Personal, Maschinen, Koordination und Qualität. Zu Spitzenzeiten war er für zwanzig Mitarbeiter zuständig, derzeit sind es noch neun. Mitte April wird für alle Schluss sein und die hallengrossen Streichmaschinen Nummer vier und fünf werden ihren letzten Dienst in Cham getan haben.

«Die Arbeit wächst einem ans Herz»

Der Papiermachermeister steht neben «seiner» Maschine aus Eisengussteilen, Blechwänden, Rohren, Walzen und Treppen. Die Maschine gleicht einem Gebäude in der Halle. René Walker sieht etwas traurig aus, aber seinen Humor hat er nicht verloren. Nach vielen gemachten Fotos und gewünschten Posen meint er zu Fotograf und Redaktorin: «Und jetzt sind Sie Heidi Klum.» Man lacht und getraut sich zu fragen: Ob ihm diese Maschine in all den Jahren sehr ans Herz gewachsen sei? René Walker antwortet: «Die Arbeit wächst einem ans Herz, nicht die Maschine.»

Dann meint er: Die Mitleidstour sei nicht sein Ding. «Die Grossindustrie in der Schweiz geht eben zurück dafür kommt was Neues.» Die Kündigung bedeute auch eine Chance, nochmals von vorne zu beginnen – was man ohne Not mit 55 Jahren wohl kaum machen würde. «Ich muss jetzt zuversichtlich sein», sagt René Walker. Bis Ende des Jahres wird er freigestellt sein. Der Sozialplan der CPG bietet allen verbliebenen Produktionsmitarbeitern flexible Lösungen, darunter auch die finanzielle Unterstützung für eine Umschulung. «Diese haben in den vergangenen Jahren schon viele genutzt», weiss der 55-Jährige. So arbeiteten rund 15 ehemalige CPG-Angestellte inzwischen bei den Zuger Verkehrsbetrieben.

Seine eigene Zukunft sieht René Walker beispielsweise in der Personalführung bei einer sozialen Institution. «Weinen muss ich nicht», sagt er, «aber positiv denken.»