CHAM: Schutz vor Verkehr: Pro Natura will Rampen für Biber bauen

Im letzten Jahr wurden auf der Untermühlestrasse zwei Biber überfahren. Pro Natura Luzern will jetzt beim Wehr des Wasserkraftwerks zwei Holzstege bauen.

Carmen Rogenmoser
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Das Wehr des Kraftwerks Untermühle in Cham versperrt den Bibern den Weg. (Bild: Werner Schelbert (1. März 2017))

Das Wehr des Kraftwerks Untermühle in Cham versperrt den Bibern den Weg. (Bild: Werner Schelbert (1. März 2017))

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Zu Gesicht bekommt man sie selten. Doch immer wieder tauchen zumindest ihre Spuren entlang von Flüssen auf: Angenagte Bäume und aufgeschichtete Dämme zeugen von Bibern. Die Wiederansiedlung der grossen Nagetiere in der Schweiz ist erfolgreich. Heute leben Schätzungen zufolge rund 2800 Biber in der Schweiz. Wie viele es in Zug sind, kann nicht genau gesagt werden. Klar ist aber, dass sie seit rund zehn Jahren auch in der Zentralschweiz wieder heimisch sind. Vor allem entlang der Lorze und der Reuss fühlen sich die Nager anscheinend wohl.

Wie es in ihrer Natur liegt, bewegen sich die Biber den Gewässern entlang. Unterwegs kann es auch mal gefährlich werden, etwa wenn der Weg versperrt ist. Die Tiere können sich auf eine Verkehrsstrasse verirren und auf Fahrzeuge treffen. Passiert ist das etwa im letzten Mai auf der ­Untermühlestrasse in Cham. Zwei Biber wurden bei der Querung der Strasse überfahren. Die Ursache dafür liegt in der Tatsache, dass die Biber entlang der Lorze in Cham dem Wasserkraftwerk Untermühle ausweichen müssen. «Da die Biber nicht am Wasserkraftwerk vorbeischwimmen können, verlassen sie das Gewässer und überqueren die angrenzende Strasse», heisst es in einem entsprechenden Bericht von Pro Natura Luzern. Die Organisation will das in Zukunft verhindern. Deshalb sollen zwei Biberrampen gebaut werden. Für diese liegt bei der Gemeinde Cham bis am Mittwoch, 8. März, ein Baugesuch auf.

25000 Franken kosten die zwei Rampen

Eine Rampe soll oberhalb des Kraftwerks – neben der bereits bestehenden Fischtreppe – und eine unterhalb des Gebäudes an der linken Uferseite aufgebaut werden. Die Rampen bestehen aus kleinen Holzstegen mit Querstreben. Diese dienen den Bibern als Halt. 25000 Franken wird das Projekt Pro Natura kosten. Mit den Rampen könne einerseits der Artenschutz verbessert und andererseits die Unfallgefahr vermindert werden, heisst es im Baugesuch.

Für die WWZ als Eigentümerin des Kraftwerks ist ein solches Projekt ein Novum: «Es ist das erste Mal, dass bei einem unserer sieben Kleinwasserkraftwerken entlang der Lorze eine Biberrampe installiert werden soll», gibt Mediensprecher Robert Watts Auskunft. Erfahrungen damit habe man also noch nicht. «Wir stellen aber den Platz hierfür zur Verfügung.» Damit die Biber den neuen, sicheren Weg dann auch tatsächlich finden, werden die Rampen mit dem sogenannten «Bibergeil», einem Drüsensekret, markiert.

Darüber hinaus erwähnt werden im Baugesuch weitere Massnahmen: mobile Zäune an der Lorzenstrasse sowie an der ­Untermühlestrasse. Diese sollen die Biber ebenfalls von der Strasse fernhalten. Die Zäune sollen aber, wenn überhaupt, erst nach einer Beobachtungsphase auf­gestellt werden.