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«Ein Dressur-Ritt ist wie ein Tanz»

In Cham fand am Wochenende zum ersten Mal die Schweizer Meisterschaft der Haflinger Pferde in Dressur statt.
Dorotea Bitterli
Leni Weber-Alder mit ihrem Hengst Amaretto erbst den ersten Platz in der Haflinger-Dressur. Bild: Patrick Hürlimann (Cham, 20. Juli 2019)

Leni Weber-Alder mit ihrem Hengst Amaretto erbst den ersten Platz in der Haflinger-Dressur. Bild: Patrick Hürlimann (Cham, 20. Juli 2019)

Die Sonne knallt auf das Sandviereck im Chamer Spiess, auf dem am Samstag die Haflinger-Pferdegenossenschaft Zentralschweiz die nationale Meisterschaft in Dressurreiten
austragen lässt – nebst Springconcours und Geschicklichkeitsprüfungen wie Gymkhana und Reiterspielen. Zugelassen sind die jurassischen Freiberger und die aus Südtirol stammende Haflingerrasse. Am Kopf des Vierecks sitzen unter Sonnenschirmen die Richter Veronika Eggler und Jürg Heeb.

Dressurreiten ist vergleichbar mit der Kür beim Eiskunstlaufen. Auf dem Reiterhof Rickenbacher wird auf fünf Schwierigkeitsstufen geprüft. Pro Kategorie starten zwischen sechs und zehn Pferde mit ihren jeweiligen Reiterinnen. «Nach wie vor ist Dressurreiten ein Frauenberuf», bestätigt Karin Schuler (Immensee), welche die Pferdesporttage mitorganisiert hat und nun zusammen mit weiterem Fachpublikum, am Rand des Feldes zuschaut. «Dressur zieht, anders als das Springreiten, kein Massenpublikum an», erklärt Helen Kälin (Menzingen), Sekretariatsverantwortliche und selber Haflingerbesitzerin. «Man muss etwas von den Feinheiten verstehen, um die Leistung zu würdigen.» Kein Zweifel, die zierlich-kräftigen rotbraunen Pferde mit ihren blonden Schweifen und den in kunstvolle Zöpfe geflochtenen Mähnen scheinen wie von selbst zu wissen, was erwartet wird: Sie traben, gehen im Schritt vorwärts, rückwärts, diagonal über das Feld, drehen Volten, vollziehen Kehrtwendungen, strecken sich im Galopp oder halten plötzlich auf allen vieren, als wären es vier Säulen. Die Reiterinnen benutzen gemäss Reglement weder Gerte noch Stimme, leiten das Pferd nur mit der Hand und dem «Sitz». Im Idealfall verschmelzen Pferdekörper und Reiterwille. «Dressurreiten ist eigentlich ein Tanz», beschreibt es Helen Kälin. Und so ist das Reiter-Tenue vorgeschrieben, die weisse Hose, die Stiefel, das dunkle Jackett; und manches Pferd trägt neben der obligaten weissen Schabracke liebevoll angebrachten Schmuck, wie «Ohrengarne», goldene Stirnkettchen oder bronzene Steigbügel.

Neben dem Sandviereck herrscht reges Kommen und Gehen von Menschen und Tieren. Ein Pferd tänzelt herbei, das auffällt: Durch seinen wulstig gebogenen Hals, seinen im Wind emporgestellten Schweif und eine Energie, die wirkt, als würde sie gleich explodieren – aber sie bleibt gebändigt unter der Hand einer kräftigen Amazone, die immer lächelt. Es ist «Newman», einer der zwei antretenden Hengste, unter seiner Besitzerin Gabriela Heiniger (Zug). Auch auf der Bahn zieht er die Blicke auf sich, weil er protestiert – und doch weitergeht. «Einen Hengst zu führen, ist eine besondere Herausforderung», kommentieren die Fachfrauen, «es braucht eiserne Konsequenz.»

Die Gewinnerin 
wird disqualifiziert

Am Ende des Tages wird dieses Paar die Schweizer Meisterschaft der Haflinger-Dressur gewinnen. Fast: Weil die Reiterin vergass, die Gerte abzulegen, verschluckt die Disqualifikation die Leistung. Ein wenig Tragik liegt in der Luft. Das Bild von gesammelter Kraft und Schönheit aber bleibt auf der Netzhaut haften. Den ersten Platz im Haflinger-Dressurreiten erbt Leni Weber Alder (Wattwil).

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