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CHAM: Selbst gebraut schmeckt’s ihnen am besten

Im Kanton gibt es ein neues, regionales Bier: das «Chomer Bier». Die Abi&Abi-Brauerei hat nun offiziell eröffnet, obwohl besagter Gerstensaft bereits seit längerem durch die Gegend geistert.
Andrea Muff
Roger Wyss (links) und Erol Karadag feiern die Eröffnung der Abi&Abi-Brauerei. (Bild: Maria Schmid (Cham, 23. Juli 2017))

Roger Wyss (links) und Erol Karadag feiern die Eröffnung der Abi&Abi-Brauerei. (Bild: Maria Schmid (Cham, 23. Juli 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Im Treppenhaus der Lorzenparkstrasse 14 in Cham herrscht ein leicht süsslicher Duft vor, den man irgendwie nicht richtig einordnen kann: «Hier riecht man es bereits, dass wir Bier brauen», sagt Erol Karadag (33) von der Abi&Abi-Brauerei und öffnet die Türe zur Brauküche. Dort befinden sich drei grosse Drucktanks, zwei Gärtanks, ein «Brewtower» mit Platz für 600 Liter Sude und eine mobile Abfüllanlage für jeweils drei Flaschen. Geschäftspartner Roger Wyss (34) stöpselt die verschiedenen Leitungen um, damit der frisch gekochte Sud in einen weiteren Tank fliesst, wo er gären kann, abkühlt und schlussendlich zum trinkfertigen Bier wird. Im angrenzenden Kühlraum stehen abgefüllte Flaschen bereit. Diese sind für den Publikumsverkauf gedacht. Denn am vergangenen Wochenende hat die Brauerei offiziell eröffnet und gross gefeiert.

Angefangen hat das Hobby der beiden Pächter der Hirsi Seelounge in Cham mit einem Braukurs bei Prinzenbräu in Liechtenstein vor ungefähr zwei Jahren. Peter Eberle, der Brauereiinhaber, habe ihnen dann ans Herz gelegt, dass ein selbst gebrautes Bier eine gute Ergänzung zum Gastronomiebetrieb sei. Das würde zu ihnen passen, dachten sich Roger Wyss und Erol Karadag. Pächter der «Hirsi» sind sie seit zehn Jahren. Stets sind die beiden auf der Suche nach einem zweiten Standbein im Winter. Wyss wirft einen Blick zur grossen Brauanlage und gibt ehrlich zu: «Also, das war aber nicht das Ziel.»

Der Name des Bieres war schnell klar. Neben den Spitznamen Abi und Abi ist ihnen auch die Herkunft wichtig. Die beiden Freunde sind stolze Chamer, wie sie sagen, und dies sollte auch auf der Etikette stehen: «Chomer Braukunst». So sei es nie in Frage gekommen ausserhalb der Gemeinde zu brauen, bestätigt Erol Karadag. Nach langer Suche konnten die Kleinbrauer die Räume im Lorzenpark beziehen. «Das war alles im Rohbau und wir haben selbst Hand anlegen müssen», erzählt Karadag. Treppe, Geländer, Kühlraum, Boden mit Abflussgitter – alles in Eigenregie mit Unterstützung von Freunden. «Hilfe haben wir uns auch von lokalen Firmen geholt», ergänzt der 33-Jährige. Doch dies konnte auch kleine Missgeschicke nicht verhindern: Einmal hätten sie die Türe zum Treppenhaus bei einer Kernbohrung nicht zugemacht. Durch die starke Rauchentwicklung sei der Feuermelder losgegangen. «Seit diesem Zeitpunkt weiss auch die Chomer Feuerwehr, wo die Brauerei ihre Tore öffnen wird», sagt Wyss.

Früchte kommen nicht in die Tanks

Doch auch nicht jeder Brauversuch trug Früchte: «Wir mussten einige Liter einfach wegschütten, weil uns Fehler passiert sind», gibt er zu. Roger Wyss meint pragmatisch: «Das ist Lehrgeld.» Und fügt an: «Wir sind keine Braumeister und es ist immer noch ‹learning by doing›.» Er meint, es gebe so viele Möglichkeiten zum Brauen, wie es Brauereien gebe. Bei Fragen stehen ihnen aber immer Peter Eberle von Prinzenbräu und Daniel Michel von Danibier zur Verfügung.

Die beiden Chamer spezialisieren sich nun auf obergärige Biere, die nach vier Wochen genussreif sind. So gehören Weissbiere, IPAs und Festbiere zu ihrem Sortiment. «Wir experimentieren mit verschiedenem Hopfen», erklärt Roger Wyss. Er habe noch viele Ideen im Kopf, die er noch nicht verraten möchte, nur so viel: «Mit Früchten machen wir kein Bier.» Das heisst: Ihr Weissbier Banana Joe wird aufgrund der gelben Hefe und nicht wegen der Frucht so genannt. Ihr Ziel: «Wir wollen qualitativ gutes Bier brauen und damit dazu beitragen, dass lokale Kleinbrauereien nicht nur eine Modeerscheinung sind», sagt Roger Wyss.

Damit das «Chomer Bier» auch eine Spezialität bleibt, haben sich die beiden Brauer für eine nicht alltägliche Aufmachung entschieden: Abgefüllt wird der Gerstensaft in 0,75-Liter-Champagnerflaschen – in Antik-Glas. Passend gibt es langstielige Gläser. Natürlich soll das Bier auch aus den klassischen Humpen und 3-Deziliter-Gläsern in Konfitüreglas-Optik getrunken werden. Alle Gefässe sind mit dem Logo der «Chomer Braukunst» bedruckt.

Die Brauerei Nummer 888

Nach der Eröffnung sind die beiden Kleinbrauer glücklich, zufrieden – aber auch ein wenig erschöpft. «Dank der zwei Tage der offenen Türe konnten wir uns für alle richtig Zeit nehmen, die an einer Brauereiführung interessiert waren», sagt Roger Wyss. Neben den vier Bieren – IPA ABI2, Mandarin, Banana Joe und Festbier – gab es Weisswürste und Butterbrezeln. Das Chomer Bier gibt es bereits an einigen Orten im Kanton: in der Hirsi, in der Galvanik, im Restaurant Meating und als Monatsbier im Rathauskeller. Bald soll es an der Lorzenparkstrasse 14 einen samstäglichen Rampenverkauf geben. Erst müsse man aber einen Stock an Bier anlegen, so der 34-jährige Brauer schmunzelnd.

Übrigens bedeutet die Schnapszahl auf dem Firmenlogo, dass die Brauerei die 888. in der Schweiz ist. «Als wir davon erfuhren, war das ein Freudentag», sagt Roger Wyss und lacht.

Hinweis

Die Abi&Abi-Brauerei hat das Projekt «Chomer Bierpate» lanciert. Mehr dazu finden Sie online auf www.abiabi.ch.

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