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CHAM: Steht eine Baulegende vor dem Ende?

Die Bewohner der Hausnummer 8 im Alpenblick müssen ausziehen. Das Gebäude soll saniert – oder gar ersetzt werden.
Carmen Desax
Das Gebäude aus den Sechziger­jahren ist Teil eines Bebauungsplans. (Bild Maria Schmid)

Das Gebäude aus den Sechziger­jahren ist Teil eines Bebauungsplans. (Bild Maria Schmid)

Carmen Desax

«Uns war es wichtig, dass die Mieter zuerst von den Plänen erfahren», sagt Bruno Kryenbühl. Er ist der Leiter der Bewirtschaftung bei der Hammer Retex AG und für das betroffene Haus zuständig. Denn ob Abriss oder Total­sanierung, beide Szenarien haben zur Folge, dass die Bewohner aus ihren Wohnungen ausziehen müssen.

Deshalb habe die Eigentümerin, die Risi Immobilien AG, am 4. Mai einen Informationsabend veranstaltet. «Ich kenne einige Mieter schon sehr lange und gut, es tat mir leid, diese Hiobsbotschaft überbringen zu müssen», gibt Kryenbühl zu. Er sei erstaunt, mit wie viel Verständnis die Bewohner auf die Nachricht reagierten. Natürlich gebe es auch eine Betroffenheit, immerhin leben einige Mieter schon seit 40 Jahren im Haus. «Es war aber wohl allen klar, dass irgendwann etwas gemacht werden muss», meint er weiter.

Modern und ökologisch

Bald könnte es nun also so weit sein. Das in den 60er-Jahren erbaute Mehrfamilienhaus mit rund einem Dutzend Wohnungen soll einem neuen Projekt weichen. «Zusammen mit dem Hauseigentümer haben wir lange überlegt. Das Ziel war es, einen modernen, gut unterhaltenen, ökologisch aktuellen Immobilienstand zu haben», erklärt Kryenbühl. Der Alpenblick sei momentan weit davon entfernt, diesem Standard zu entsprechen. «Für unsere Liegenschaft kommen zwei Varianten in Frage. Entweder es gibt eine Totalsanierung oder einen Neubau.» Dabei habe sich der Neubau als einfacher in der Realisierung herausgestellt. Das gelte insbesondere im Bezug auf die Wärmedämmung und die Erdbebensicherheit, führt Kryenbühl weiter aus.

Oscar Pache wohnt zusammen mit seiner Frau im Alpenblick 8. «In eineinhalb bis zwei Jahren sollen wir draussen sein», sagt er. Darüber seien sie informiert worden, bestätigt er. Sorgen macht er sich keine, er sei 86 Jahre alt und werde sicher nicht hierher zurückkehren. «Ich habe mich für eine Alterswohnung angemeldet, und ein Haus im Tessin habe ich auch noch.» Einen ersten Schock habe es bei ihm und seinen Nachbarn aber schon gegeben. «Viele warten jetzt noch ab. Schliesslich gibt es nicht einfach eine Kündigung und fertig.»

Was Pache meint, erklärt Kryenbühl genauer: «Den Mietern wurde versprochen, dass die Kündigung sehr früh eintreffen wird, und dass ein rascher Wohnungswechsel pragmatisch und unbürokratisch abgewickelt werden kann.» Auch hätten die jetzigen Mieter nach dem Um- oder Neubau ein Vorzugsrecht, so Kryenbühl. Allerdings sei der Ausbaustandard dann ein anderer und die Mieten müssten angepasst werden. «In Zug ist es sicher nicht leicht, eine preisgünstige und schöne Wohnung zu finden», befürchtet denn auch Oscar Pache.

Erste Hochhaussiedlung im Kanton

Die Überbauung Alpenblick gilt als erste Hochhaussiedlung des Kantons Zug und dominiert seit den 1960er-Jahren den Eingang nach Cham. Im Zuger Bautenführer wird der Alpenblick als «eine Anlage mit hoher Wohnqualität» beschrieben, «die in Zeiten wachsenden Interesses an Hochhausbauten Vorzeigecharakter besitzt». Der Chamer Architekt Josef Stöckli hat die Überbauung mit insgesamt zehn Gebäuden als Bebauungsplan aufgezogen und zwischen 1963 und 1968 etappenweise gebaut. Die Häuser sind unterschiedlich hoch und frei angeordnet. Insgesamt gibt es 402 Wohnungen.

Ob der Spielraum besteht, einzelne Häuser ersetzen zu können, und falls ja, wie weit sie sich vom Original unterscheiden dürfen, steht noch in den Sternen. Deshalb wissen die Eigentümer auch noch nicht, in welche Richtung das Projekt gehen wird.

«Wir haben bei der Gemeinde Cham eine Bauanfrage gemacht», sagt Kryenbühl. Bevor es an die konkrete Planung gehe, müsse geklärt sein, was überhaupt möglich ist. Der Ausgang sei schwierig abzuschätzen, «aber ich denke, die Gemeinde hat auch ein Interesse daran, dass Energiemassnahmen ergriffen werden», meint er weiter.

Die Gemeinde Cham gibt sich diplomatisch. Erich Staub, Abteilungsleiter Planung und Hochbau, bestätigt den Eingang der Bauanfrage. Die Prüfung dieser sei nun angelaufen, sagt er und betont: «Die Abteilung Planung und Hochbau und der Gemeinderat Cham sind der Ansicht, dass die Alpenblick-Überbauung eine qualitativ sehr überzeugende und bis heute wegweisende Siedlung ist.»

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