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CHAM: Trotz hoher Schulden ein Auto leasen

Die ALB Autoleasing macht Kasse mit verschuldeten Kunden, so der Vorwurf von Kunden. Die Firma weist die Kritik zurück.
Bernard Marks
Leasing-Angebote können offenbar sehr variieren. (Symbolbild / Keystone)

Leasing-Angebote können offenbar sehr variieren. (Symbolbild / Keystone)

Wer hätte das gedacht: Ein teures Auto leasen trotz hoher Schulden ist in der Schweiz möglich. Lohnpfändung, Schulden bis unters Dach spielen keine Rolle, das verspricht zumindest die Zuger ALB Leasing AG. Auf ihrer Homepage wirbt die Firma damit, dass über 95 Prozent aller Leasinganträge genehmigt werden – trotz Betreibungen.

Mobil trotz schwieriger Lage

Das klingt zunächst sinnvoll, denn auf diese Weise kommen auch Menschen, die sich in einer schwierigen Lebenslage befinden, in den Genuss eines Autos. «Wir sorgen dafür, dass unsere Kunden trotz Betreibungen und Verlustscheinen mobil bleiben», erklärt Firmenchef Philipp Fuhrer das Geschäftsmodell. Aber nicht immer läuft die Sache rund.

Die ALB vermittelt überwiegend Occasionsfahrzeuge im höheren Preissegment. «Wir können bis zu 6000 Fahrzeuge verschiedenster Marken anbieten und ohne Bank finanzieren», sagt Fuhrer. Seit vier Jahren ist der 33-Jährige, der zuvor bei Firmen wie Mercedes oder dem Volkswagenimporteur Amag gearbeitet hat, mit seiner Firma in Cham tätig. Mittlerweile beschäftigt er rund 5 Mitarbeiter.

Beschwerden von Kunden

Doch in jüngster Zeit gab es einige Beschwerden. Auch in der Presse kam die Firma nicht gut weg. Die ALB Autoleasing macht Kasse mit verschuldeten Kunden, lautet die Kritik eines Beitrages im Konsumentenmagazin Espresso, den das Schweizer Radio in der vergangenen Woche sendete. Die ALB verlange von ihren Kunden hohe Administrationskosten und verrechne ihnen nach der Rückgabe des Wagens hohe Instandsetzungskosten. Ein Kunde musste zum Beispiel 600 Franken zahlen, obwohl ein Antrag nicht angenommen wurde. «Der Kunde hat bei seinem Online-Antrag nicht alle Schulden angegeben, was erst nach der Bezahlung des Depots anlässlich einer Stichprobe festgestellt wurde», erklärt Fuhrer.

Die Kritik reicht jedoch weiter. Die Leasingraten sind nach Einschätzung von Experten zum Teil überrissen und die Autos in einem relativ schlechten Zustand, heisst es in dem Beitrag. Dem widerspricht Fuhrer entschieden. «Einerseits gilt bei uns eine Tiefpreisgarantie, andererseits wird jedes Fahrzeug mit einer Vollgarantie von mindestens 12 Monaten ausgeliefert. Zudem werden Service- sowie Unterhaltsarbeiten zum Vorteil unserer Kunden vorgezogen», sagt Fuhrer.

Experten raten ab

Was die Firma ALB macht, ist grundsätzlich legal. Der Trick dabei: Die Firma hat ihre Verträge so gestaltet, dass diese nicht unter das Konsumkreditgesetz fallen. Firmen wie ALB verzichten bei einem Leasing auf die rückwirkende Verteuerung des Autos. Das heisst, wer früher aus dem Vertrag heraus will, kann dies tun, ohne wie beim normalen Leasing mehr zu bezahlen. «Wir vermieten die Fahrzeuge, jeder kann mit einem Monat Kündigungsfrist aus dem Vertrag aussteigen», sagt Fuhrer. «Das hat nichts mehr mit Leasing zu tun», sagt Mario Roncoroni. Der Leasingexperte und Schuldenberater Mario Roncoroni kennt das Geschäftsmodell solcher vermeintlicher Leasinganbieter gut. «Es gibt eine Reihe von schwarzen Schafen im Leasinggeschäft», sagt er im Gespräch mit der «Neuen Zuger Zeitung».

Die Leasingbranche wolle laut Roncoroni mit solchen Firmen nichts zu tun haben. Grundsätzlich rät er deshalb Kunden davon ab, auf eine solche Weise einen Kredit abzuschliessen. Vor allem, wenn man den Leuten Hoffnung macht, indem man einen Kredit verspricht und im Vorfeld dafür Geld verlangt, das macht mich misstrauisch», sagt Roncoroni. Grundsätzlich sei es für Roncoroni unrealistisch, trotz Lohnpfändungen und laufender Betreibungen Kredite zu vergeben. «Es gibt kaum Situationen, in denen bei einer Überschuldung ein so teures Auto noch Platz im Budget hat», sagt der Experte. Das müsse nach genauen Richtlinien geprüft werden. Der Schuldenberater warnt deshalb vor Kreditanbietern wie ALB und deren «geistigen Cousins.»

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