CHAM: Vergebliches Ausrücken bleibt Thema

Die Einsätze aufgrund von Fehlalarmen haben trotz Gebührenerhöhung nicht abgenommen. Nun wird eine andere Massnahme überdacht.

Andrea Muff
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Die Feuerwehr Cham rückte 37-mal wegen eines Fehlalarms aus. Im Bild: Eine Feuerwehrübung vom vergangenen Jahr. (Archivbild Stefan Kaiser)

Die Feuerwehr Cham rückte 37-mal wegen eines Fehlalarms aus. Im Bild: Eine Feuerwehrübung vom vergangenen Jahr. (Archivbild Stefan Kaiser)

Es ist schnell passiert: Eine Putzmannschaft beispielsweise bringt ein Büro wieder auf Vordermann. Beim Reinigen wird versehentlich der Handauslöser der Brandmeldeanlage vom Besenstiel eingedrückt – und der Alarm geht los. Die Feuerwehr rückt aus und erwartet einen Brandfall: Was sie jedoch vorfindet, ist weder Rauch noch Feuer, sondern die Putzmannschaft, die ihre Arbeit verrichtet. Ein Fehlalarm – oder wie er auch genannt wird, ein Falschalarm. Wie im Jahresrapport der Feuerwehr Cham zu lesen ist, kommt ein vergebenes Ausrücken öfters vor – von insgesamt 99 Einsätzen waren 37 vergebens. «Fehlalarme bleiben ein Thema. 37-mal rückten wir aus, ohne dass eine Massnahme notwendig war. Es ist an der Zeit, dass wir entsprechende Konsequenzen daraus ziehen und unsere Prozesse sowie unsere Pikettorganisation dieser Situation anpassen», steht im Jahresrapport der Feuerwehr Cham.

Einsätze gingen nicht zurück

Die Gebühren hat die Gemeinde Cham ab 2015 angepasst, denn bereits damals waren Fehlalarme ein Problem – nicht nur in Cham (wir berichteten). Seit der Gebührenänderung kostet der erste Fehlalarm 500 Franken und für den zweiten innerhalb eines Jahres werden 1500 Franken in Rechnung gestellt, nicht wie zuvor 1000 Franken. Trotz des neuen Gebührenkatalogs gingen die Einsätze wegen automatischen Brandalarmen nicht zurück. «Es wäre jetzt aber zu früh, die Gebühren weiter nach oben zu korrigieren. Wir werden erst einmal abwarten, um zu sehen, wie sich die Anzahl der Fehlalarme entwickelt», erklärt Urs Baggenstos, Kommandant der Feuerwehr Cham. Zusätzlich überdenkt das Kommando die Pikettorganisation. «Wir sind eine Milizfeuerwehr und möchten die Belastung unserer Mitglieder möglichst tief halten, sodass sie beispielsweise weniger von der Arbeit weggeholt werden. Der Ersteinsatz muss aber trotzdem gewährleistet sein. Das versuchen wir dieses Jahr zu optimieren», erklärt Baggenstos und fügt an: «Weitere Massnahmen oder Konsequenzen haben wir aber nicht geplant.»

Die Fehlalarme gehen aber nicht auf die Brandmeldeanlagen zurück, denn «diese funktionieren tadellos», betont Baggenstos. Wenn der Brandmelder eine Rauchentwicklung wahrnimmt, geht ein Alarm an die Feuerwehr. Dies vor allem, wenn dessen Betrieb auf «abwesend» gestellt ist und sich niemand im Gebäude aufhalten sollte, wie beispielsweise in der Nacht. Sobald die Anlage aber auf «anwesend» geschaltet ist, gibt es die Möglichkeit, dem Grund des Alarms auf die Spur zu gehen. Dann kann die Alarmierung noch rechtzeitig verhindert werden, falls es sich um einen Fehlalarm handeln sollte. Wenn der Handtaster aber eingedrückt wird, rückt die Feuerwehr direkt aus.

Anlagebesitzer ist in der Pflicht

«Es liegt daher eher daran, dass zum Beispiel das Personal die Anlage nicht fachgerecht bedient und so versehentlich einen Alarm auslöst. Für den ordnungsgemässen Betrieb und die richtige Bedienung steht der Anlagebesitzer in der Pflicht.» Auffallend ist auch: «Es gibt schon der eine oder andere ‹Stammgast›, bei dem öfters ein Fehlalarm ausgelöst wird.» Momentan wird bei einem vergeblichen Einsatz der Dialog gesucht: «Wir klären vor Ort, was falsch gelaufen ist», so Urs Baggenstos.

Die Stadt verzeichnet 72 Fehlalarme

Auch der Vize-Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Zug (FFZ), Markus Müller, sieht das Problem unter anderem in der Bedienung der Anlagen: «Die Brandmeldeanlage reagiert richtig, weil sie eine verdächtige Rauchentwicklung wahrnimmt und dies meldet.» Momentan sind ungefähr 225 Gebäude in der Stadt Zug mit Meldeanlagen ausgestattet, erklärt Müller. Von insgesamt 257 Einsätzen im vergangenen Jahr rückte die FFZ 72-mal zu einem Falschalarm aus. Die Zahl der Einsätze wegen Falschalarms sind jedoch seit zwei Jahren rückläufig. Möglicher Grund: Ab 2014 hat die Stadt Zug die Gebühren erhöht. Bereits das erste unnötige Ausrücken der Feuerwehr kostet 1525 Franken. Vize-Kommandant Müller: «Die Gebühren haben sicher einen Einfluss für das Sinken der Quote, es gibt aber noch andere Gründe.» So führt er den Rückgang vielmehr auf eine sensibilisierte Handhabe der Anlage zurück. «Das Personal wird zunehmend besser geschult und kennt den Umgang mit den Brandmeldeanlagen.»

Keine weiteren Massnahmen

In den Berggemeinden kommen Fehlalarme indes nicht oft vor. So rückte die Feuerwehr Unterägeri fünfmal von insgesamt 52 Einsätzen grundlos aus. Auch die Gebührenregelung ist anders: «Der erste Fehlalarm pro Kalenderjahr ist gratis. Dabei wird aber vor Ort hinterfragt, warum der Alarm ausgelöst wurde. Mögliche Gründe sind: Eine Fehlmanipulation, ein Defekt an der Anlage oder fehlende Schulung des Personals», erklärt Enzo Serratore, Kommandant der Feuerwehr Unterägeri.

Bei einem zweiten Fehlalarm werden die Kosten folgendermassen berechnet: Die Anzahl Personen, die eingerückt sind, werden mit 40 Franken multipliziert, hinzu kommen dann noch die Fahrzeugkosten. In Unterägeri sind momentan rund 20 Brandmeldeanlagen in Betrieb. Kommandant Serratore macht deutlich: «Besonders oft kommt es in Hotelleriebetrieben und Einkaufscentern zu Fehlalarmen.» Jedoch sind in der Berggemeinde keine weiteren Massnahmen geplant. «Mit den bestehenden Regelungen konnten wir die Fehlalarme vor allem bei den ‹notorischen Kandidaten› bedeutend reduzieren», meint Serratore zufrieden.
 

Andrea Muff