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CHAM: Viele Hände für ein lebenswertes Dasein

Insieme Cerebral kämpft seit nunmehr 50 Jahren für die Rechte von Mitmenschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung. Die Vereinigung hat viel erreicht, ist damit aber noch nicht zufrieden.
Marco Morosoli
Die designierte Präsidentin von Insieme Cerebral Zug, Marlies Sager (von links), ihre Tochter Chantal Sager und die Geschäftsführerin der Organisation, Barbara Camenzind, haben heute einen grossen Tag vor sich. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 18. April 2017))

Die designierte Präsidentin von Insieme Cerebral Zug, Marlies Sager (von links), ihre Tochter Chantal Sager und die Geschäftsführerin der Organisation, Barbara Camenzind, haben heute einen grossen Tag vor sich. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 18. April 2017))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Die Büroräumlichkeiten von Insieme Cerebral (siehe Box) zu finden, ist gar nicht so einfach. Sie befinden sich in einem Gebäude auf dem Gelände der Cham Paper Group, welche ihre Produktion vor Ort eingestellt hat, sind also ziemlich weitab vom Schuss. Der Lift, um in die im zweiten Stock befindliche Geschäftsstelle zu kommen, funktioniert leider auch nicht mehr. Immerhin gibt es noch einen rollstuhlgängigen Warenlift, der allerdings von Hand gekurbelt werden muss.

Die Anlaufstelle für Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung ist also nur erschwert barrierefrei zugänglich. Das ist eigentlich paradox, kämpft doch die Organisation im Kanton Zug mittlerweile seit 50 Jahren erfolgreich für eine bessere Integration von Menschen mit geistiger, cerebraler und mehrfacher Behinderung. Und die Barrierefreiheit ist eines dieser geforderten Anliegen. «Wir sind auf der Suche nach Räumlichkeiten, die zentraler gelegen sind», sagt die Geschäftsstellenleiterin von Insieme Cerebral Zug, Barbara Camenzind.

Die Krux auf der Suche nach einem anderen Sitz benennt Camenzind ohne Wenn und Aber: «Die Räumlichkeiten müssen bezahlbar sein.» Doch sie will nicht aufgeben und die Suche weiter vorantreiben. Ihr Hauptgewicht legt sie aber auf die Belange der Vereinigung. Ihr gehören derzeit rund 320 Personen an. Aktivmitglieder sind Menschen mit Behinderung, deren Angehörige und auch Freunde. Das Angebot von Insieme Cerebral Zug ist sehr umfangreich. Das zeigt ein Blick auf deren Homepage. Es umfasst neben Freizeitanlässen und Ferienwochen für Menschen mit einer Beeinträchtigung auch Bildungsklubkurse, Aktivitäten anlässlich des Ferienpasses und Entlastungstage für Eltern behinderter Kinder. Die bereits umfangreiche Veranstaltungsagenda wird mit Vorträgen für Angehörige und einem Elterntreff ergänzt. Hinzu kommt noch die Präsenz an öffentlichen Veranstaltungen.

Kampf um die Akzeptanz in der Gesellschaft

Die designierte Präsidentin von Insieme Cerebral, Marlies Sager, umschreibt den Zweck der Vereinigung so: «Wir setzen uns auf kantonaler Ebene für gute sozialpolitische Rahmenbedingungen ein, um den behinderten Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben in unserer Gesellschaft zu sichern.» Sager versteht darunter aber nicht nur einen barrierefreien Zugang zu allen täglichen Errungenschaften, sondern auch, dass solche Menschen von der Gesellschaft akzeptiert werden: «Sie sind ein Teil von uns.»

Sager ist «seit Jahrzehnten» Mitglied der Vereinigung. Sie hat eine Tochter mit einer Beeinträchtigung, weiss also aus eigener Erfahrung, welche Bedürfnisse solche Menschen haben. Sager propagiert dabei, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung «selber mitbestimmen und ihr Leben selber in die Hand nehmen können». Dies mit der Zugabe von Mitteln, die es für die Umsetzung dieser Zielvorgabe braucht. Noch fühlt sich Sager nicht am Ziel: «Wir machen aber immer kleine Schritte vorwärts.»

Seit Anfang 2017 führt das Kantonale Sozialamt im Auftrag der Regierung das Projekt «InBeZug» durch. Ziel dieses Vorhabens ist die Verbesserung des Unterstützungssystems für Menschen mit einer Behinderung im Kanton Zug. Damit sollen ihre Selbstständigkeit und ihre Eigenverantwortung gefördert werden.

Für Sager ist dieses Projekt eine weitere wichtige Wegmarke zur Integration von Menschen mit einer Beeinträchtigung in unserer Gesellschaft. Dabei spielt in diesem Segment die Frei­willigenarbeit eine unschätzbare Rolle. Wie dem Jahresbericht 2016 von Insieme Cerebral zu entnehmen ist, sind im vergangenen Jahr 1762 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit zusammengekommen. Bei einem Stundenansatz von 40 Franken entspricht dies 70 488 Franken.

Dank Helfern und Gönnern ein breites Angebot

«Ohne diese unentgeltliche Unterstützung würde es nicht gehen», sagt deshalb die Insieme-Cerebral-Geschäftsleiterin Barbara Camenzind. Wären nicht so viele helfende Hände verfügbar und würden nicht viele Spenden eingehen, müsste das Angebot der Vereinigung stark eingeschränkt werden. Die zahlreichen Aktivitäten sind sehr beliebt. Das zeigt sich am Umstand, dass der Zuspruch jeweils sehr gross ist und von Jahr zu Jahr ansteigt.

So erzählt Chantal Sager, sie ist die Tochter der Insieme-­Cerebral-Präsidentin, voller Stolz über ihren Englischunterricht im Bildungsklub: «Ich kann mich so in den Ferien besser ­verständigen.» Sie erzählt auch von den von Insieme Cerebral ­organisierten Ferientagen, die sie schon besucht hat. Freunde findet sie auch in ihrem Job: «Er gefällt mir. Ich will nichts mehr ­ändern.» Sie arbeitet in der Zuwebe in der Gastronomie und hilft ab und an auch noch im Restaurant des Ziegelei­museums in Cham mit. Erfüllung findet sie auch darin, mit ihrem Hund durch die Gegend zu laufen. Sie hört auch gerne «fetzige Musik».

Der nächste Event, der in der Agenda von Chantal Sager rot eingetragen ist, findet bereits heute Abend im Chamer Lorzensaal statt (ab 19 Uhr): Dort hält die Vereinigung Insieme Cerebral ihren Benefizanlass zum 50-Jahr-Jubiläum ab.

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